Husum im Jahr 2014 : Eine Stadt in Aufbruch-Stimmung

Ende eines geschichtsträchtigen Veranstaltungshauses: Anfang des zweiten Quartals wird die Kongresshalle abgerissen.
Foto:
1 von 2
Ende eines geschichtsträchtigen Veranstaltungshauses: Anfang des zweiten Quartals wird die Kongresshalle abgerissen.

Große Pläne, seltene Vorgänge, schicksalhafte Ereignisse und noch einiges mehr – darum geht es im ersten Teil unseres Jahresrückblicks.

von
04. Januar 2015, 15:00 Uhr

Gutes neues Jahr – mit dieser Anfang Januar inflationär bemühten zwischenmenschlichen Floskel kann die 105-köpfige Belegschaft der TIG Group Wulff rein gar nichts anfangen. Im Gegenteil – für sie beginnt 2014 mit einer existenzgefährdenden Hiobsbotschaft: Dem Husumer Energie-Anlagenbauer droht die Insolvenz. Niemand kann sich erklären, wieso ein Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern und hoch motiviertem Team plötzlich und unerwartet vor der Pleite steht. Von einem Millionenloch ist die Rede. Auf die Erklärung, wie es entstanden ist, warten die Mitarbeiter vergebens.

Die an den Nerven zerrende Ungewissheit zieht sich über drei Monate hin. Gerade als auch das letzte Fünkchen Hoffnung schwindet, übernimmt ein österreichisches Unternehmen mit eigenem Werk in Russland das Ruder – buchstäblich in letzter Sekunde. Der Betrieb an der Alten B 5 kann doch noch weitergehen, die 45 verbliebenen Arbeitnehmer haben wieder eine Zukunft. Und zwar unter neuem Namen: Wulff & UMAG Energy Solutions GmbH.

Ende Januar sorgen die Stadtwerke für einen Paukenschlag: Zu den neuen Häusern in der Siedlung Hockensbüll, die abgerissen und wieder hochgezogen werden soll, will man keine Gasrohre legen. „Das lohnt sich nicht“, erklärt Geschäftsführer Benn Olaf Kretschmann in einer gemeinsamen Sitzung des Umwelt- und Finanzausschusses – und erntet damit ungläubige Blicke. Als Alternativen bringt er Fernwärme, Kraft-Wärme-Kopplung oder eine Erdwärme-Pumpe ins Spiel – der Startschuss zur Entwicklung eines zeitgemäßen Konzeptes.

Im Mai wird eine Kieler Agentur damit beauftragt, im Dialog mit allen Beteiligten – Mietern, Hauseigentümern und Gewoba – Optionen zu erarbeiten: Das gesamte Quartier soll künftig so effizient und klimaneutral wie möglich mit Energie versorgt werden. Die Stadt begrüßt die Initiative ausdrücklich und beantragt Fördergelder. Im September kündigen die Stadtwerke an, dass in die Planungen gar die Bestands-Bauten im Umfeld des Sanierungsgebietes einbezogen werden. Nun komme es darauf an, dass sich möglichst viele Anwohner beteiligten.

Im Erichsenweg rollen im April zwei Wochen lang die Abrissbagger: Mit der altehrwürdigen Irene-Thordsen-Kongresshalle machen sie auch ein lebendiges Stück Stadtgeschichte platt. Seit das mehr als 50 Jahre alte Gebäude im Sommer 2010 durch das Nordsee-Congress-Centrum ersetzt wurde, hat sich kein ernsthafter Interessent für die Nachnutzung gefunden.

Mitte April gibt es Neues in Sachen Hertie-Immobilie: Die Husumer Unternehmerfamilie Cohrs, die aus Teilen des Gebäudes mitten in der Innenstadt nach einem Leerstands-Winter das Husumer Kaufhaus gemacht hat, beteiligt sich als Hauptinvestor an der Entwicklung. Zusammen mit dem Düsseldorfer Projektierer Iandus will man Pläne für ein 10.000 Qudratmeter großes Einkaufszentrum vorantreiben, das spätestens 2018 seine Tore öffnen soll.

Sieben Monate später übernimmt die eigens gegründete Husum Shopping Center GmbH die Immobilie in der Großstraße – Geschäftsführer sind der Hamburger Immobilien-Fachmann Dr. Gisbert Beckers und Peter Cohrs, Inhaber des hiesigen Modehauses C. J. Schmidt. Kurz vor Weihnachten dann der nächste Schritt: Der Hamburger Einzelhandels-Spezialist Prelios Immobilien Management wird mit der endgültigen Entwicklung und Vermietung des Objektes beauftragt. Neben dem Shopping-Center ist auch ein mehrstöckiges Parkhaus mit rund 650 Stellplätzen geplant.

Das gibt es nur alle halbe Jahrhunderte: Am 22. Oktober sorgt ein ungewöhnliches Treiben auf dem St.-Jürgen-Friedhof für Aufsehen – die Öffnung des Grabes von Theodor Storm. Die Stadt lässt von einer Hand voll ausgesuchter Experten die Statik der Familiengruft überprüfen. Zwei Wochen später verkündet Christine Friedrichsen vom Gebäudemanagement der Stadt im Bauausschuss das Ergebnis: Das Tonnengewölbe ist nicht einsturzgefährdet, an der letzten Ruhestätte des Dichters herrsche kein akuter Handlungsbedarf. Doch um sie dauerhaft zu retten, „empfiehlt der Statiker, die Schäden innerhalb von 18 Monaten zu beseitigen“. Die Knackpunkte auf der Mängelliste reichen vom durchfeuchteten Ziegelmauerwerk bis zu schadhaften Fugen zwischen den großen Steinplatten im Außenbereich.

Vom Osterende in die Langenharmstraße: In der kleinen Gasse spielt sich zwei Tage vor Nikolaus ein tödliches Drama ab. Ein Polizist erschießt in Notwehr einen somalischen Flüchtling, der mit Messern auf ihn losgeht. Zuvor hat der Mann ein im selben Haus lebendes Paar, das ebenfalls aus dem ostafrikanischen Land stammt, angegriffen und verletzt. Die Nachbarschaft verharrt auch am Tag danach noch in Schockstarre: jähes Ende einer Altstadt-Idylle.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen