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200. Storm-Geburtstag : Eine Stadt feiert ihren Weltdichter

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auch Ministerpräsident Günther ließ es sich nicht nehmen, beim Empfang zu Theodor Storms 200. Geburtstag im Rathaus dabei zu sein. In seiner Rede nannte er Storm einen „Weltdichter“, auf den das Land stolz sein könne.

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erstellt am 16.Sep.2017 | 09:00 Uhr

Was hätte er wohl gedacht, wenn er dabei gewesen wäre. Er, der realistisch genug war, um sich vorzustellen, dass sein Werk – wie das so vieler anderer – in Vergessenheit geraten könnte. Aber Husum hat Theodor Storm nicht vergessen. Im Gegenteil: Ein ganzes Jahr lang huldigt es ihm mit Lesungen, Theater-Inszenierungen, Ausstellungen, Buch-Neuerscheinungen und – nicht zuletzt – mit einem Empfang im Rathaus. Um dem „Weltdichter“, der am 14. September (laut Tauf- und Geburtenverzeichnis sogar erst einen Tag später) 200 Jahre alt geworden wäre, gebührend zu würdigen, war sogar Ministerpräsident Daniel Günther angereist.

Es war ein grauer Tag, mit dem sich die metereologische Choreografie idealtypisch in den Ablaufplan der Feierlichkeiten einfügte. Zur Einstimmung sang Storms Chor von 1843 im vollbesetzten Ratssaal eine Vertonung des wohl bekanntesten Storm-Gedichtes „Die Stadt“ von 1852. Zuvor hatte Peter Empen die Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft – unter ihnen Kreispräsident Heinz Maurus, der Präsident und der Sekretär der Storm-Gesellschaft, Prof. Philipp Theisohn und Dr. Christian Demandt, sowie Ministerpräsident Günther – willkommen geheißen. Und natürlich erinnerte er bei dieser Gelegenheit an einen anderen großen Husumer: „Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass Professor Karl Ernst Laage, ohne dessen Jahrzehnte langes Wirken Storms Werk sicher nicht oder erst sehr viel später als eines von weltliterarischem Rang erkannt worden wäre, ausgerechnet in dessen Jubiläumsjahr verstirbt“, sagte der Bürgervorsteher. Dann gab der höchste Repräsentant der Stadt an den höchsten Repräsentanten des Landes weiter. Doch zuvor überreichte er Daniel Günther noch ein Geschenk, das – wie Storms Werk – „gut tut und wärmt“: Gemeint war ein Kapuzenpullover mit dem Aufdruck „Er ist ein Meister. Er bleibt.“ Das hatte Literaturnobelpreisträger Thomas Mann dem Kollegen aus Husum 1930 ins Stammbuch geschrieben.

Günther widerstand dem Drang, das Stück „gleich anzuprobieren“ und freute sich über das gute Timing der runden Geburtstage von Emil Nolde und Theodor Storm. Auch der Ministerpräsident erinnerte nochmals an Professor Laage. Der Tod des Ehrenbürgers sei ein großer Verlust für die Stadt, aber auch für Storm-Gesellschaft und Storm-Forschung. Der Dichter selbst „war – laut seinem Biografen Jochen Missfeldt – ein echter Friese“, fuhr Günther fort. „Ich würde sagen: typisch norddeutsch“. In seinen Büchern und Gedichten, allen voran im „Schimmelreiter“, sei es immer auch um das Verhältnis von Tradition und Moderne gegangen. Das mache ihn bis heute aktuell, sagte der Ministerpräsident und führte als vergleichbares gegenwärtiges Beispiel die „digitale Revolution“ an. Schleswig-Holstein sei stolz auf seinen „Weltdichter aus Husum“, schloss der Gast aus Kiel und kündigte an, „nach der Windmesse und dem heutigen Empfang“ am 5. Oktober abermals nach Husum zu kommen und mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin – das Storm-Zentrum in der Wasserreihe zu besuchen.

Danach hatte Philipp Theisohn das Wort. Der Präsident der Storm-Gesellschaft erinnerte an die Zeit, in der Storm sein Leben und Werk in Husum entfaltete. Mit ihren 3800 Einwohnern gehörte die Stadt damals noch zu Dänemark. Wohl auch vor diesem Hintergrund habe der Dichter sein „seismografisches Gespür für Veränderungen“ entwickelt. Eine seiner zentralen Botschaften sei zeitlos aktuell: „So wie die Welt ist, wird sie niemals mehr sein.“ Storms Werk bezeichnete Theisohn abschließend als „großes Geschenk, ohne das wir bedeutend ärmer wären“.

Nachdem sich Theisohn und Demandt ins neue Goldene Buch der Stadt eingetragen hatten („Das alte ist voll“, erklärte Bürgermeister Uwe Schmitz), musste letzterer für den erkrankten (Krimi-)Autor und Storm-Enthusiasten Tilman Spreckelsen einspringen. Dessen gemeinsame Lesung mit Henning Westphal hätte den Abend abrunden sollen. Selten war es im Ratssaal, wo es sonst zuweilen politisch hoch hergeht, so mucksmäuschenstill. Storm stelle das Fragen über das Antworten, zitierte Demandt Tilman Spreckelsen. „Sein Blick geht weit ins Offene. Auch das ist ein Grund, Storm zu lesen – heute und vielleicht noch in 100 Jahren.“ Dann lichteten sich die Reihen im Saal, folgten die Gäste dem Ruf ins Foyer, wo ein Imbiss wartete. Zurück blieb nur die Büste des Meisters. Aber was war das? Huschte da etwa ein leises Lächeln über das blasse Antlitz? Oder war es nur die Sonne, die sich endlich einen Weg durch die schweren Wolken bahnte, die die Dächer den ganzen Tag über so schwer gedrückt hatten? Wer weiß es schon?

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