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Eine Schriftstellerin, die keine sein wollte

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Reihe „Nordfriesland im Roman“ ist ein Werk von Franziska zu Reventlow erschienen / In „Ellen Olestjerne“ sind Parallelen zum Leben der 1918 verstorbenen Autorin zu entdecken

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erstellt am 07.Dez.2015 | 00:32 Uhr

„Ellen Olestjerne“ ist das erste Werk der gebürtigen Husumerin Franziska zu Reventlow (1871-1918) und zugleich der achte Band in der Reihe „Nordfriesland im Roman“, in der die Herausgeber Prof. Arno Bammé und Prof. Dr. Thomas Steensen bekannte Romane und Erzählungen der Leserschaft neu zugänglich machen wollen. Gemeinsam mit ihrem Verleger Ingwert Paulsen („Husum Verlag“) stellten sie das Buch in der besonderen Atmosphäre des Husumer Weihnachtshauses vor und referierten über interessante Details aus dem Leben der Schriftstellerin.

Wie Thomas Steensen berichtete, erschien „Ellen Olestjerne“ erstmals 1903 im Verlag von Dr. J. Marchlewski & Co. (München). Weitere Auflagen gab es ab 1911 im Verlag Albert Langen (München), seit 1985 gibt es den Roman auch als Taschenbuch. Auf die Frage, warum man sich nun an eine weitere Neuauflage dieser Geschichte gewagt habe, sagte er: „Wir wollten die regionalen Hintergründe beleuchten, die Husum-Bezüge schildern und einen Blick auf die familiären Beziehungen der Autorin werfen.“ Franziska zu Reventlow wurde vor 144 Jahren im Husumer Schloss geboren und hat dort einen Großteil ihrer Kindheit verbracht.

Etwa ein Viertel des 267 Seiten umfassenden Romans nimmt das Nachwort ein, in dem der Soziologie Bammé und der Historiker Steensen auf die beschriebenen Orte, Personen und Geschehen eingehen. Letzterer warf in seinem Vortrag zuerst einen Blick auf die Gründerzeit in Husum zu Beginn des Deutschen Kaiserreichs, dessen Zeitraum (1871-1918) exakt mit der Lebenszeit der Schriftstellerin übereinstimmt, und verglich dann Passagen aus dem Buch mit den tatsächlichen Gegebenheiten. So lasse sich der von ihr beschriebene Ort „Olrup“ mit dem „niedrigen, stumpfen Kirchturm“ als Schobüll identifizieren, wo die Romanheldin Ellen (ebenso wie die junge Franziska) ihre Liebe zur Malerei entdeckte. Auch das „Schützenfest auf der Freiheit“ konnte Steensen klar jenem Sandplatz zuordnen, der damals unmittelbar an den Schlossgarten grenzte: „Noch heute finden auf diesem Gelände die Feste der Schützen und Ringreiter statt.“ Dem Schloss, das dem preußischen Landrat Ludwig Graf zu Reventlow damals als Amtssitz diente, gab seine Tochter im Roman den Namen „Nevershuus“, Ellens Vater Christian Olestjerne machte sie kurzerhand zum Gutsherrn.

Zwar weise das Buch viele Ähnlichkeiten zum Leben der Franziska zu Reventlow auf, selbst die Charaktere ihrer Romanfiguren würden denen ihrer eigenen Eltern und Geschwister teils sehr nahe kommen. Dennoch, so Steensen, werde immer wieder deutlich, dass Franziska zu Reventlow keine realitätsnahe Autobiografie schreiben wollte, sondern einen Roman. Hier und da fand er auch Hinweise auf Theodor Storm, zu dem die Familie freundschaftliche Beziehungen pflegte, etwa in der Beschreibung eines Spaziergang vom Hafen zum Schloss. Weitere Rückschlüsse auf die Menschen und Orte, die im Leben der Schriftstellerin eine Rolle spielte, könne der Leser in den Wort- und Namenserklärungen im Anhang zum Nachwort finden.

Arno Bammé beleuchtete anschließend in drei weiteren Aspekten Franziskas schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, gegen die sie im Buch wie in der Realität ständig rebellierte, ihre gynozentrische Sichtweise auf die Frauenbewegung und ihre widersprüchliche Liebe zur Malerei: „Sie hat sich als Malerin empfunden, hatte aber weder das Talent dazu, noch die Kenntnisse“, sagte Bammé über eine bemerkenswerte Frau, die auch keine Schriftstellerin sein wollte, obwohl sie hierfür die besten Voraussetzungen mitbrachte.

Die acht Bände in der Reihe „Nordfriesland im Roman“ sind: „Millionensegen“ von Meta Schoepp (2007), „Godber Godbersen“ von Elfriede Rotermund (2008), „Nach der Flut“ von Albert Johannsen (2009), „Olaf Braren“ von Mia Munier-Wroblewski (2010), „Gottfried Rissoms Haus“ von Marie Burmester (2011), „Dammbau“ von Margarete Boie (2012), „Die Frauen von Volderwiek“ von Friede Kraze (2013), „Ellen Oelstjerne“ von Franziska zu Reventlow (2015).

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