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Inklusion statt Separation : Eine neue Form der Eingliederung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Subventions-Konzept soll Menschen mit Behinderungen leichter in den Job bringen. Die Husumer Werkstätten informierten regionale Unternehmen über die geplanten Möglichkeiten und stellten ihre Arbeitskräfte vor.

Menschen mit Behinderung stärker in die Wirtschaft der Region einzugliedern, das ist eines der Ziele der Husumer Werkstätten. Hier sind derzeit 570 psychisch, körperlich und geistig Eingeschränkte überwiegend aus dem Kreis Nordfriesland beschäftigt. Doch aus den 22 Arbeitsbereichen der Werkstatt würden durchaus nicht wenige Mitarbeiter auch in der freien Wirtschaft Fuß fassen können, ist sich Leiter Okke Peters sicher. Mitarbeiter der Werkstätten-Wäscherei etwa könnten auch in einer Wäscherei außerhalb arbeiten. Bislang werden in Husum jährlich nur 0,3 Prozent der behinderten Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt untergebracht. Okke Peters ist jedoch sicher: „Unter gewissen Voraussetzungen könnten das auch drei bis fünf Prozent werden.“

Um das flächendeckend zu erreichen, arbeitet Schleswig-Holstein derzeit mit Kreisen, Städten und anderen Beteiligten an einem Inklusionsmodell für behinderte Arbeitnehmer, das sich „Budget für Arbeit“ nennt. Und dieser Ansatz soll für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen attraktiv sein. Das Budget soll sich aus den Beiträgen des Integrationsamtes (Land), der Eingliederungshilfe (Kreise) und den potenziellen Unternehmen als Arbeitgeber zusammensetzen. Überlegt wird, dass 50 Prozent der Kosten für einen Schwerbehinderten vom Land übernommen werden, 20 Prozent vom Kreis und lediglich 30 Prozent von den beteiligten Firmen getragen werden müssten.

Allerdings ist das Modell in Schleswig-Holstein noch in der Konzeptionsphase. In drei anderen Bundesländern konnte die Eingliederungshilfe „Budget für Arbeit“ jedoch bereits erfolgreich realisiert werden: In Hamburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz soll sie schon die Integration in den ersten Arbeitsmarkt erleichtern. Das Budget richtet sich dabei ausschließlich an Menschen, die bisher in einer Werkstatt für Behinderte gearbeitet haben. Somit kann der Werkstattmitarbeiter die Kosten, die seine Stellung in der Einrichtung verursacht, als Subvention in ein reguläres Arbeitsverhältnis mitnehmen. Die Unterstützung kann alle zwei Jahre – und beliebig oft – verlängert werden, ist jedoch immer neu zu beantragen. Falls eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt scheitert, soll den Menschen eine Rückkehr in die Werkstatt offen stehen. Die Erfahrungen der anderen Bundesländer werden bei der Planung des Modells für Schleswig-Holstein natürlich berücksichtigt. Insgesamt leben 7,1 Millionen Schwerbehinderte in Deutschland – rund neun Prozent der Gesamtbevölkerung.

Mit den Firmen Nissen sowie Fischer & Tausche haben die Werkstätten bereits gute Erfahrungen in Sachen Eingliederung gemacht. Und dem geplanten neuen Modell stehen auch andere Unternehmen der Region aufgeschlossen gegenüber. Das zeigte sich jüngst bei einer Informationsveranstaltung der Werkstätten für potenzielle Arbeitgeber. Konfliktpotenzial sehen die Firmen jedoch noch im Kündigungsschutz. Denn für Schwerbehinderte ist der gesondert geregelt: Kündigungen können nur mit Zustimmung der zuständigen Fürsorgestelle erfolgen.



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