zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

22. Oktober 2017 | 10:37 Uhr

Eine Kugel im Baumstamm

vom

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Friedrichstadt | Das wollte sich Hans-Peter Hennings mal genau anschauen, als er mit seinem Hund spazieren ging. Im Großen Garten sollte eine mächtige Kastanie gefällt werden. Dazu hatten die Arbeiter mehrere Seile mit Rollen an ihr und einem Transporter befestigt. Das Fahrzeug zog, der Baum fiel genau dort um, wo er keinen weiteren Schaden anrichtete. Kaum lag die Kastanie am Boden, betrachtete Hennings die Bruch- und Sägestelle des rund 1,2 Meter dicken Stammes. Ihm fiel an der Bruchstelle eine sehr dunkle Stelle auf. Schnell stellte sich heraus, dass es sich dabei um den Schusskanal einer noch im Holz steckenden Musketenkugel handelte. Vermutlich stammt sie aus dem Jahr 1850, als Friedrichstadt beschossen wurde. Die Kastanie hatte damals einen Durchmesser von vielleicht gerade einmal zehn Zentimetern.

Das Holzstück aus der rund 160 Jahre alten Kastanie soll nach den Plänen von Christiane Thomsen im Stadtmuseum ausgestellt werden. "Wir haben viele Relikte aus der Zeit der Beschießung", sagt sie. Immer wieder würden bei Gartenarbeiten in der Stadt beispielsweise Kanonenkugeln ausgegraben. Viele davon seien dem Museum übergeben worden, doch ein großer Teil diene auch als Schmuck in den Gärten oder sei in die Wände eingemauert worden.

Eine in einem Baum steckende Musketenkugel allerdings sei bislang noch nicht in Friedrichstadt aufgetaucht. Daher solle sie auch ausgestellt werden, sagt Christiane Thomsen. Die Museumsleiterin freut sich, dass Hans-Peter Hennings so schnell reagiert hat, denn sonst wäre dieses geschichtliche Zeugnis sicherlich unentdeckt in einem Ofen gelandet.

Gebrauchsgegenstände aus der Vergangenheit tauchen in der Treenestadt immer wieder auf kuriose Weise auf. Beispielsweise eine typische holländische Porzellanpfeife, die auch im Museum ausgestellt ist. 1996 rutschte bei Bauarbeiten ein Bagger in den Ostersielzug. Mit viel Mühe konnte das schwere Gerät seinerzeit aus dem, Wasserlauf herausgezogen werden. Und dann die Überraschung: Zwischen den Gliedern der Laufkette hatte sich die Porzellanpfeife verfangen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen