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Umstrukturierung : Eine Krankenkasse zieht sich zurück

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Barmer GEK schließt ihre Anlaufstellen in Nordfriesland. Die 22.000 Versicherten werden künftig von Flensburg, Heide und Schleswig aus betreut.

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erstellt am 05.Jun.2016 | 16:00 Uhr

Rund 22.000 Krankenversicherte in Nordfriesland werden sich umstellen müssen: Die Barmer GEK – der seit 16 Jahren bestehende Zusammenschluss der Barmer und Gmünder Ersatzkassen ist mit etwa 8,5 Millionen Versicherten die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands – organisiert sich um. Während die Neuausrichtung in mehreren Bundesländern bereits vollzogen ist, soll der Prozess in Schleswig-Holstein bis zum 30. April 2017 abgeschlossen sein – und am Ende dieses Jahres so richtig losgehen.

„Damit kommen wir den Kundenwünschen nach, unser Geschäftsstellennetz zu verbessern und kleine Standorte zu größeren Geschäftsstellen zusammenzulegen“, erklärt Bernd Schulte, Landespressesprecher der Kasse für Mecklenburg-Vorpommern, dazu in Vertretung seines schleswig-holsteinischen Kollegen Wolfgang Klink auf Anfrage unserer Zeitung. „Dadurch erreichen wir einen bundesweit einheitlichen Standard. Mit mehr Mitarbeitern in den Geschäftsstellen, längeren und bundesweit gleichen Öffnungszeiten – insbesondere in den Abendstunden – verbessern wir unseren Service deutlich.“

Am Ende wird die Krankenkasse, die nach einer bereits beschlossenen Fusion mit der Deutschen Betriebskrankenkasse (BKK) vom 1. Januar 2017 an wieder den Namen Barmer trägt, im nördlichsten Bundesland mit 17 statt 26 Geschäftsstellen vertreten sein. Bundesweit soll bis 2018 die Hälfte der rund 800 Standorte geschlossen werden – womit mittelfristig 3500 der bisher fast 17.000 Stellen wegfallen.

Nordfriesland wird auf der künftigen Landkarte der Barmer GEK zum weißen Fleck – im Kreis sind sämtliche Geschäftsstellen in Husum, Tönning und Niebüll sowie die Kunden-Center in Westerland auf Sylt und Wyk auf Föhr von der Strukturveränderung betroffen. Die Versicherten werden dann von den Geschäftsstellen in Flensburg, Heide und Schleswig betreut. „Unsere Erfahrungen aus anderen Regionen, wo die Umsetzung schon erfolgt ist, haben gezeigt, dass die langen und kundenfreundlichen Öffnungszeiten sehr positiv von unseren Kunden aufgenommen werden“, erklärt Schulte. „Wir informieren unsere Versicherten rechtzeitig vor den Schließungen über Handzettel, im persönlichen Gespräch und auch über gezielte Anschreiben.“

Mit ihrem Rückzug aus der Fläche reagiert die gesetzliche Krankenkasse nach Angaben des Pressesprechers unter anderem auf Marktforschungen: Versicherte hätten ein anderes Verständnis von „Nähe“ entwickelt – diese werde nicht mehr nur „in Metern gemessen“. Schulte: „Telefon und Internet haben gegenüber dem klassischen Weg in die Geschäftsstelle erheblich an Bedeutung gewonnen. Der telefonische Kontakt ist für unsere Versicherten heute der wichtigste, wie wir aus Befragungen und eigener Erfahrung wissen.“ Über eine zentrale Servicenummer seien rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche qualifizierte Sozialversicherungs-Fachangestellte erreichbar, die in der Regel alle Anfragen sofort erledigen könnten. Insgesamt fänden sich in der neuen Struktur mehr Mitarbeiter als bisher in der Kunden-Betreuung wieder. Daneben werde man auch eine „Online-Geschäftsstelle“ einrichten.

Weiter ausgebaut werden soll im gleichen Zuge die mobile Beratung. „Bei unseren Versicherten in Nordfriesland, die ihre neue Geschäftsstelle nicht persönlich aufsuchen können, kommen wir – wie auch in der Vergangenheit schon – gerne nach Hause“, so Schulte. Die betreffenden Mitarbeiter seien mit Laptop, Drucker und Internetverbindung ausgestattet, voll handlungsfähig und könnten vor Ort alle Kundenwünsche abarbeiten. „In dieser Form ein völlig neuer Service, von dem gerade unsere älteren und immobilen Versicherten profitieren, für die der Weg in die Geschäftsstelle bisher schon beschwerlich war.“

Für die Beschäftigten habe man in einem Tarifvertrag mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sozialverträgliche Regelungen vereinbart, heißt es auf entsprechende Anfrage weiter. Bevor die Neuorganisation umgesetzt wird, soll allen eine individuelle berufliche Perspektive bei der Krankenkasse angeboten werden. Schulte: „Die meisten werden auch weiterhin in Schleswig-Holstein arbeiten, sich nur inhaltlich mitunter neu orientieren müssen.“

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