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Zuschuss der Stadt Husum : Eine halbe Million Euro für den Kinderschutzbund

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadt Husum greift dem Kinderschutzbund Nord mit 495.000 Euro unter die Arme. Mit dem Geld soll ein Haus in der Asmussenstraße gekauft werden.

Bis zu 495.000 Euro will die Stadt für den Kinderschutzbund Nord in den Haushalt einstellen. Mit diesem Zuschuss soll ein großes Gebäude gegenüber dem Eingang von „Max und Milla“, dem Vorzeige-Betreuungsprojekt an der Bürgerschule, gekauft und umgebaut werden. Das hat der Hauptausschuss jetzt einstimmig beschlossen – und am Donnerstag, 26. März, ist es an der Stadtvertretung, diese Entscheidung zu bestätigen (Ratssaal im Rathaus, Beginn der Sitzung: 16 Uhr). In der Regel ein Selbstläufer.

Das zum Verkauf stehende Haus in der Asmussenstraße 22 künftig dem Kinderschutzbund nutzbar zu machen, würde gleich zwei Probleme der Verwaltung lösen. Zum einen wäre für die städtische Immobilie Hermann-Tast-Straße 6 ein höherer Verkaufspreis zu erzielen. Denn noch unterhält der Kinderschutzbund im ehemaligen Haus der Jugend die Kindertagesstätte Villa Kunterbunt, die eine Regelgruppe mit 20 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren und eine Hortgruppe für 15 Sechs- bis Zwölfjährige beherbergt. Ein „unbelastetes“ Gebäude, sprich ohne Kindertagesstätte, ließe sich einfacher veräußern. Künftig wäre für die Einrichtung genug Platz in der zum Kauf angebotenen Villa, in der noch bis Ende August die Praxis des Facharztes für Anästhesiologie Albrecht Dix-Bästlein untergebracht ist.

Auch an eine zweite Aufgabe, mit der sich die Stadt seit einiger Zeit beschäftigt, ließe sich auf diesem Wege ein Haken machen: zusätzliche Betreuungsplätze bei „Max und Milla“ an der Bürgerschule und der Klaus-Groth-Schule zu schaffen. Das Projekt ermöglicht Kindern besonders von berufstätigen Eltern nach dem Unterricht ein Mittagessen und Hilfe bei den Hausaufgaben. Außerdem sorgt es – durch Spiel-, Sport- und Musikangebote – für eine sinnvolle Beschäftigung am Nachmittag. Laut Beschlussvorlage der Verwaltung haben Erfahrungen gezeigt, dass es hinsichtlich einer erfolgreichen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund sinnvoll ist, diese auch den Nachmittag in einem Umfeld verbringen zu lassen, in dem Deutsch gesprochen wird. An beiden Grundschulen gibt es derzeit allerdings nicht genügend Plätze, um alle Kinder aufzunehmen, für die ein Antrag vorliegt. Die Warteliste des Kinderschutzbundes Nord umfasst an der Bürgerschule etwa 25 und an der Klaus-Groth-Schule rund fünf Namen. Die Adresse Asmussenstraße 22 würde auch „Max und Milla“ deutlich bessere Rahmenbedingungen schaffen.

Für das Gebäude wird derzeit ein Kaufpreis in Höhe von 495.000 Euro aufgerufen. Erforderliche Umbauten werden dazu mit maximal 250.000 Euro veranschlagt – genau so viel Geld, wie der Kinderschutzbund Nord an Eigenmitteln aufbringen kann. Die Höhe des besagten Zuschusses deckt sich also mit jener Summe, die für den Erwerb der Villa fällig werden würde. Die Zuwendung soll im Übrigen nach dem Willen des Hauptausschusses mit einer auf 30 Jahre angelegten Rückzahlungsverpflichtung verknüpft werden. Die CDU-Fraktion hatte 40 Jahre beantragt, üblich sind 25.

Die letztlich so festgelegte Laufzeit der Rückzahlungsverpflichtung, die – wie Bürgermeister Uwe Schmitz fürs Protokoll festhielt – „gemäß vertraglicher Vereinbarung gestaffelt wird“, ist Gregor Crone herzlich egal. Der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes bedankt sich lieber „für das viele Geld, aber auch für die Geschwindigkeit, in der erst die Verwaltung und dann die Politik die Beratungen und Fraktionsbeschlüsse herbeigeführt haben“. Diesen „bedeutenden Zuschuss“ begreife er als Hinweis, dass der Kinderschutzbund „nicht ganz schlecht“ arbeite – „aber auch als einen Vertrauensvorschuss und unsere Verpflichtung, weiterhin für alle Kinder in Husum da zu sein und ihnen an den Orten, an denen wir mit ihnen zusammen sind, eine Chance zu organisieren, ihr Leben eigenständig und fröhlich zu gestalten“.

Wie Crone auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, soll die Villa in der Asmussenstraße zum 1. September gekauft und bis Ende des Jahres umgebaut werden. „Wir hoffen, dann zum 1. Januar 2016 einziehen zu können – in ein wunderschönes, über hundert Jahre altes Gebäude, das einfach Stil hat.“ Der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes weiß zwar, „dass die Vorteile eines Zweckbaus, der vielleicht optimal geschnitten, Betriebskosten-freundlich und energetisch optimiert Arbeitsabläufe gut strukturiert, durch den Charme dieser Villa nicht aufgewogen werden können“. Doch seien die Räume des Hauses so geschnitten, dass man die unterschiedlichen Arbeitsbereiche ohne Eingriff in die bestehende Raumaufteilung unterbringen könne. Im Erdgeschoss werde der Kindergarten einen großen Gruppenraum und zwei kleine Räume beziehen, drei weitere Räume stünden für die Erweiterung von „Max und Milla“, Sprachkurse an den Vormittagen und kleinere Gruppenaktivitäten zur Verfügung. „Im Obergeschoss wird der Hort sein neues Zuhause finden“, blickt Crone voraus.

Während sich die inhaltliche Arbeit des Kindergartens nicht verändern müsse, stelle der andere Standort an den Hort allerdings einige neue Anforderungen. Durch die räumliche Nähe zur Bürgerschule werde die Trennung beider Gruppen undeutlicher, „obwohl auch die Kinder, die ein höheres Maß an struktureller Klarheit benötigen, weiterhin im Hort betreut werden“. Die Entfernung zur Klaus-Groth-Schule, deren Kinder sich der Kinderschutzbund nach wie vor ebenfalls verpflichtet fühle, werde größer. Hier werde man Crone zufolge „geeignete Maßnahmen erfinden“, um auch diejenigen Kinder zu betreuen, die die Überschaubarkeit des Hortes eher benötigten als die offene Struktur von „Max und Milla“.

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erstellt am 26.Mär.2015 | 09:30 Uhr

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