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Mikros gestohlen und Opferstöcke geknackt : „Eine Grenze ist überschritten“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Bordelumer Kirchenratsmitglieder sind fassungslos über den Diebstahl in ihrer Kirche und überlegen, die Öffnungszeiten drastisch einzuschränken.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 07:00 Uhr

„Tritt ein! Die Kirche ist offen“ steht einladend auf einem Schild am Stegel, dem Tor zur Bordelumer Kirche St. Nikolai. Damit könnte es bald vorbei sein, denn ein oder mehrere Unbekannte nutzten die Gelegenheit, um die Kirche zu betreten und zu stehlen. Ihre Beute war mager, denn in dem Gotteshaus ist nichts zu holen. Funkmikrofone, kleine, tragbare Verstärker und der geringe Inhalt des Opferstockes – das war es. Weiterhin brachen sie an der Orgelempore die Tür aus einem Schrank und durchwühlten ihn. Verschwunden sind auch zwei Feuerzeuge und Nachfüllkartuschen.

„Man fragt sich: Wer macht so etwas? Was erwarten sie denn in einer Kirche zu finden?“, sagt Hellen Steensen. Sie ist seit einigen Monaten stellvertretende Vorsitzende des Kirchenrates. Schlimmer, als der materielle Verlust, der sich ersetzen lässt, sei vielmehr, dass eine Grenze überschritten wurde. „Ich empfinde die Tat als eine Schändung, es ist ein Vertrauensbruch“, sagt sie. Ein Diebstahl an der Allgemeinheit. Moral und Ethik seien auf der Strecke geblieben. „Gotteshäuser sind heilig und sollten ein Tabu sein. Egal, ob es Moscheen, christliche Kirchen oder Synagogen sind.“

Rechtlich gesehen handelt es sich bei dem Vorfall in Bordelum um keinen Einbruch, denn die Tür stand zum Zeitpunkt der Diebstähle ja offen. Passiert ist das Ganze am 22. März – einem Mittwoch. Einen Abend zuvor hatte Hellen Steensen die Kirche verlassen und abgeschlossen. „Ich bin mir da sicher, denn ich habe da einen Tick: Ich fasse immer noch einmal an die Türklinke und drücke sie herunter.“ Am nächsten Tag war die Kirche, wie es das Schild verspricht, ab 8 Uhr geöffnet. Der Küster und Friedhofsgärtner Mario Petersen war ja anwesend und in einem entlegenen Teil des Friedhofes damit beschäftigt, ein Begräbnis vorzubereiten. „Das etwas Schlimmes geschehen war, wurde erst kurz vor Beginn der Trauerfeier entdeckt“, sagt Hellen Steensen.

Das Entsetzen bei der Pastorin und den weiteren neun Kirchenratsmitgliedern war und ist noch groß. „Wir gehen derzeit von mehreren Tätern aus – einer, der aufgepasst, und ein zweiter, der die Kirche durchsucht hat.“ Jetzt wird überlegt, wie derartige Vorfälle künftig verhindert werden können. Eine Konsequenz ist schon jetzt, dass Mikros und Verstärker nach den Gottesdiensten aus der Kirche mitgenommen, die Opferstöcke sofort geleert werden.

Was die Öffnungszeiten der Kirche betrifft, ist noch keine Entscheidung gefallen. „Es wird wohl eine neue Regelung zu finden sein“, sagt Hellen Steensen. Über die macht sich das zehnköpfige Gremium seit der jüngsten Sitzung nun Gedanken. Möglich ist, dass in Zukunft die Kirche nur noch betreten werden darf, wenn sie beaufsichtigt wird. Ein Einschnitt, nicht nur für Einheimische, sondern auch für die vielen Touristen, die St. Nikolai in Bordelum besuchen und ihre Stille genießen wollen.

Im tiefsten Inneren wünscht sich Hellen Steensen, dass eine solche Maßnahme nicht nötig ist. „Kirchen müssten eigentlich zu jeder Zeit, bei Tag und Nacht, geöffnet sein.“

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