Wie im 16. Jahrhundert : Eine Glocke für den Klosterfriedhof

Das Vorhaben klingt gut: Peter Eggers (links) und Uwe Hauptenthal mit der 440 Jahre alten Bronzeglocke.
Das Vorhaben klingt gut: Peter Eggers (links) und Uwe Hauptenthal mit der 440 Jahre alten Bronzeglocke.

Seit mehr als 100 Jahren steht im Husumer Nissenhaus eine Glocke, die im Besitz des Klosters genannten Gasthauses zum Ritter St. Jürgen ist. Nun soll sie auf dem Klosterfriedhof an einem Holzturm aufgehängt werden.

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05. Mai 2015, 11:30 Uhr

Nun kann man es ja ruhig mal wieder an die große Glocke hängen: 1465 wurde das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen, einst Zentrum der Armenpflege in der Stadt, vom dänischen König Christian I. erstmals urkundlich erwähnt – das heutige Seniorenstift, seit dem 16. Jahrhundert auch Kloster genannt, feiert also sein 550-jähriges Bestehen. Dazu kommt noch ein anderes historisches Datum: 450 Jahre Klosterkirche! Zwei runde Jubiläen also, die es im Osterende zu begehen gilt – oder besser gesagt: Zu denen geläutet wird. Das erhoffen sich im übertragenden Sinne jedenfalls all jene, die der altehrwürdigen Einrichtung mit ihren 36 Wohnungen für ältere Husumer amtlich verbunden sind.

So wie Peter Eggers, seines Zeichens stellvertretender Speisemeister: „Unser Ziel ist es, diese Anlässe im September zu feiern und dabei gleichzeitig den Glockenturm einzuweihen.“ Oder wie Klosterarchivar Dr. Ulf von Hielmcrone, der die Umsetzung eben dieses Vorhabens als „wichtig für unsere Stadtgeschichte“ einstuft. Er war es auch, der auf die Idee kam, das Rad um ein halbes Jahrtausend zurückzudrehen und in der nordöstlichen Ecke des Klosterfriedhofs wieder einen Glockenturm zu installieren. Wohl im 16. Jahrhundert muss dort schon mal ein hölzernes Exemplar aufgestellt worden sein. Darauf deuten historische Quellen wie der Bildkarten-Kupferstich in der „Newe Landesbeschreibung“ 1652 von Caspar Danckwerth und Johannes Mejer hin. Nicht der Nachwelt überliefert ist allerdings die Antwort auf die Frage, welche Glocke in diesem frei stehenden Turm, der 1658 erneuert wurde, geläutet hat.

Historiker von Hielmcrone hat denn auch – nicht zuletzt in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Nissenstiftung – einen ganz bestimmten Klangkörper im Sinn: eine 1575 von Melchior Lukas Brant, genannt Melcher Grapengeter (Topfgießer), gegossene Glocke, die im Besitz des Klosters und seit etwa 1900 im Nissenhaus zwischengelagert ist: „Dort steht sie sicher, aber nicht gut.“ Das findet auch Uwe Haupenthal, der Leiter des Nordsee-Museums, wo das gute Bronze-Stück eine Menge Platz wegnimmt. Nachtrauern würde er der 261 Kilogramm schweren Glocke, die einen Durchmesser von 73 Zentimeter hat, deshalb nicht.

Damit sie künftig ihren Klang, ein zweigestrichenes Cis, im Dunstkreis der Familiengruft von Theodor Storm entfalten kann, muss jetzt zunächst die Finanzierung sichergestellt werden. Rund 20.000 Euro sind dafür nach Angaben von Eggers aufzubringen. Zusammen mit Speisemeister Rainer Maaß geht er denn auch Türklinken putzen. Auf der Grundlage eines Beschlusses der Weiteren Gasthausversammlung wurde bei der Stadt ein Zuschuss in Höhe von 3000 Euro beantragt – und vom Hauptausschuss bewilligt. Sponsoring-Gespräche mit der Nord-Ostsee-Sparkasse und der Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte laufen. Kollekten bei Gottesdiensten in der Klosterkirche tun ihr Übriges.

Aufstellen soll den Glockenturm am Ende die Hamburger Spezialfirma Iversen Dimier. Die hat auch schon ihren Mitarbeiter Jens Meiser zum Ortstermin nach Husum geschickt. Gedanken an eine ebenso elegante wie preiswerte Stahlkonstruktion erteilte der Experte dabei schon mal eine Absage. Volker Scheibe, Glockensachverständiger der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, rät davon ebenfalls ab: „Glocken hängt man heute wieder grundsätzlich auf Holz auf, weil dadurch die hohen unangenehmen Frequenzen abgedämpft werden“, erklärt der Niebüller.

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