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Neujahrsempfang in Husum : Eine Garnisonsstadt zum Wohlfühlen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das hat in Husum Tradition: Stadt und in Bundeswehr rufen zum gemeinsamen Neujahrsempfang – und alle kommen. Am Freitag (6. Februar) konnten rund 250 Gäste in der Fliegerhorstkaserne begrüßt werden.

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erstellt am 07.Feb.2015 | 08:00 Uhr

„Living in perfect harmony“ – an diese Textzeile aus einem Lied von Stevie Wonder fühlte man sich beim Neujahrsempfang am Freitag (6. Februar) in der Fliegerhorstkaserne unwillkürlich erinnert. Sind es bei dem US-Sänger „ebony and ivory“ – also Ebenholz und Elfenbein – als Synonym für Schwarz und Weiß, die in perfekter Harmony zusammenleben, so sangen Stadt und Bundeswehr vor rund 250 Gästen aus dem öffentlichen Leben gegenseitig ein Loblied auf ihre nahezu vollkommene Symbiose.

Dem Kommodore des Flugbabwehrraketengeschwaders 1 „Schleswig-Holstein“, Oberst Bernd Stöckmann, war es als Erstem vorbehalten, ins Schwärmen zu geraten. Der gemeinsam ausgerichtete Empfang sei auch ein „Zeichen unserer gegenseitigen Verbundenheit und Wertschätzung sowie der beispielgebenden Integration und des Miteinanders der Stadt Husum und seiner Soldaten“. Der Standortälteste sprach in diesem Zusammenhang gar von einer Wohlfühl-Garnisonsstadt – „es ist ein Traum hier“. Das rief im Unteroffizierheim natürlich genauso viel Beifall hervor wie die Erwiderung von Bürgervorsteher Peter Empen: „Ein solches Prädikat fliegt nicht zu, ist vielmehr Resultat persönlicher Freundschaften, Wertschätzung und Anerkennung und will täglich neu bestätigt werden – und das tun wir nach Kräften!“

Aber es wurde in den beiden Reden der Gastgeber natürlich nicht nur verbal gekuschelt, sondern auch die sicherheitspolitische Lage beurteilt (Stöckmann) und Gesellschaftskritik betrieben (Empen).

Seit Januar 2013 sei das Geschwader im Rahmen der Operation Active Fence Turkey (AFTUR) im Einsatz und schütze 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche die türkische Stadt Kahramanmaras im Grenzgebiet zu Syrien, erklärte der Chef der in Husum stationierten Truppe. Der erfolgreiche Einsatz Deutschlands, der USA und der Niederlande und neuerdings auch Spaniens habe sich in seinem rein defensiven Charakter bewährt und sei Ausdruck verlässlicher Bündnis-Solidarität.

Dabei dürften aber auch die Belastungen, denen die Soldaten und das eingesetzte Material des FlaRakG 1 ausgesetzt seien, nicht vergessen werden. „Dieser Einsatz geht an allen nicht spurlos vorüber“, so Stöckmann. Zahlreiche Soldaten seien bereits mehrfach bei AFTUR gewesen – mit allen Konsequenzen für die Familienangehörigen. „Ein erster Soldat hat mittlerweile mehr als 360 Einsatztage auf sich vereinigt.“ Man versuche jedenfalls alles, um die Belastung auf viele Schultern zu verteilen, die Stehzeiten im Einsatz gering zu halten und die Abstellung planbar für den Einzelnen zu gestalten. „Einer meiner großen Wünsche für 2015 ist, dass alle unsere Soldaten aus ihren Einsätzen gesund an Körper und Seele zu ihren Familien zurückkehren können!“

Der Kommodore sprach noch einen zweiten Aspekt an: die Schwierigkeiten, Nachwuchs für die Bundeswehr zu gewinnen. „Um unsere zahlreichen Aufgaben im In- und Ausland, im Friedensgrundbetrieb und in den Einsätzen als Freiwilligen-Armee zu erfüllen, brauchen wir auch weiterhin belastbare und engagierte Mitarbeiter, die sich den anspruchsvollen körperlichen, charakterlichen und sozialen Anforderungen an den Dienst in den Streitkräften stellen.“ Das Angebot in Deutschland in der entsprechenden Zielgruppe werde knapp, junge und leistungsfähige Talente hätten mehr denn je die freie Wahl, „welchen Beruf sie nehmen und welche Chance sie ergreifen wollen“. Stöckmann zufolge müsse es daher gelingen, sich als attraktiver Arbeitgeber einen vorderen Platz im Wettbewerb um die besten Köpfe zu sichern. Hier setze die Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ an, bei der es unter anderem auch um moderne Arbeitszeitmodelle, mehr Unterstützung in allen Lebenslagen und eine leichtere Vereinbarkeit von Privatleben und Dienst gehe.

Der Bürgervorsteher warb als zweiter Redner darum, die Bereitschaft zum Diskurs wiederzubeleben und „sich selbst dabei sachlich und vorurteilsfrei einzubringen“. Kommunikation, so Empen, sei „in unserer medialen Welt“ immer noch das Zauberwort. Dass der Mensch gläsern geworden sei, öffentlich als personale Litfaßsäule durch die Gegend laufe, „erleben wir durchaus mit Schrecken und Furcht“. Das möge vielleicht ein technischer Wertzuwachs sein, „ist aber deshalb so bedrohlich, weil wir die Geister, die wir riefen, manchmal nicht mehr beherrschen“.

Austauschbare, nichtssagende, unverbindliche und bedeutungsarme Aussagen – wie sie zu zuhauf in sozialen Netzwerken zu finden seien – beherrschten nicht nur den privaten Bereich, sie griffen auch auf der gesellschaftspolitischen Ebene, erklärte der Bürgervorsteher. „Wir brauchen eine kollektive Ehrlichkeit, müssen wieder lernen, miteinander zu sprechen und einander zuzuhören und endlich unserer Rede mehr Inhalt zu geben!“ Sonst komme nicht nur die Gesprächskompetenz abhanden, „sondern wir werden auch die politische Freiheit verlieren“.

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