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Winterküche für Bedürftige : Eine ganz bunte Tischgemeinschaft

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Ehepaar Elke und Walter Beck initiiert zum zweiten Mal mit der Husumer Kirchengemeinde St. Marien und Köchen von der Westküste eine „Winterküche“.

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erstellt am 04.Dez.2015 | 17:30 Uhr

Essen ist mehr als die Aufnahme von Nahrung. So hilft eine ausgewogene Kost, gesund zu bleiben. Im Winter wärmt einen die richtige Mahlzeit gut durch und ist in einer Gemeinschaft genossen auch noch gut für die Seele. Letzteres sollen die Gäste der zweiten „Winterküche“ der St. Marien-Kirchengemeinde erleben. Sie ist die norddeutsche Variante der süddeutschen „Vesperkirche“. Vor allem Menschen, die finanziell schwächer gestellt oder obdachlos sind, bekommen vom 22. bis 31. Januar 2016 – jeweils von 12 bis 15 Uhr – für einen symbolischen Beitrag von einem Euro ein Mittagessen in der Altenbegegnungsstätte und an den Sonntagen in der Marienkirche. Kaffee, Tee und Kuchen stehen als Nachtisch bereit.

Initiatoren der wohltätigen Aktion sind Elke (68) und Walter (69) Beck aus Bredstedt. Das Paar lebt seit fünf Jahren in Nordfriesland. In ihrer früheren Heimat Baden-Württemburg haben sie die „Vesperkirche“ kennengelernt. „Dort kommen auch Frisöre und Ärzte dazu, um Bedürftigen zu helfen“, erzählt Elke Beck. Sie stellt jedoch klar, dass – unabhängig von seiner Konfession – jede und jeder zum Essen willkommen ist. Die Einladung richtet sich an alle Generationen, und so wünscht sich die Wahl-Bredstedterin, dass neben Senioren auch Familien am Tisch Platz nehmen. „Kinder und Jugendliche brauchen nichts zu bezahlen.“ Aus Süddeutschland ist ihr bekannt, dass ganze Schulklassen die „Vesperkirche“ besuchen – „die Lehrer kennen die Kinder, die in ärmeren Verhältnissen leben – doch wenn alle kommen, gibt es für niemanden eine Sonderrolle“.

Elke Beck: „Gerade im Januar ist das Geld oft knapp. Viele Rechnungen für das ganze Jahr werden am Jahresanfang ausgestellt. Da kann es für Familien finanziell schnell eng werden. Mancher spart notgedrungen am Essen, aber dann friert man noch schneller. Hier kann die ‚Winterküche‘ helfen.“ Die engagierte Frau betont, dass auch Alleinstehende, die in Gesellschaft essen möchten, und Normalverdiener keine Scheu haben sollten, vorbeizuschauen – wer mehr im Portemonnaie habe, dürfe dann eben etwas in das Spendenschweinchen werfen. Alle gesellschaftlichen Schichten sollen sich treffen und für eine bunte Tafel sorgen. „Wir sagen keinem, Du darfst nicht herein.“

Bei der Premiere im Januar 2015 hatte die „Winterküche“ eine Woche lang geöffnet. „40 bis 50 Menschen waren täglich zu Gast.“ Elke und Walter Beck erzählen von älteren Gästen, die erst etwas verschämt durch die Tür getreten waren – doch die „familiäre Atmosphäre in der warmen Stube“ habe allen gut getan. Elke Beck: „Das war für sie wie Weihnachten – nachträglich.“

Er war bereits im Januar mit dabei und ist es auch 2016, wenn gleich an zehn Tagen leckeres Essen auf den Tisch kommen soll: Klaus Carstensen vom Verein „Köche der Westküste“. Carstensen hatte sich ohne zu zögern für die „Winterküche“ an den Herd gestellt – ebenso wie einige seiner Berufskollegen, die für die gute Sache ihre Freizeit opferten. Bei der Premiere 2015 waren ihnen freiwillige Helferinnen und Helfer zur Hand gegangen. Diesmal wird das Ganze als Workshop für Koch-Lehrlinge gestaltet. Die lernen dann unter anderem im Handwerkerhaus dazu, wo Thomas Friess der Chefkoch ist. Er steht auch an der Spitze des Westküsten-Vereins.

Ist alles zubereitet, wird das Essen zur Altenbegegnungsstätte oder zur Kirche transportiert. Die Kreisstadt Husum und auch die Altenbegegnungsstätte seien ausgewählt worden, weil es zentrale Orte sind, klärt die 68-Jährige auf.

Satt werden sollen alle – und so gibt es auf Wunsch auch einen Nachschlag. Angeboten werden Gerichte aus der „guten hiesigen Küche“, verrät Elke Beck. Gemüse gehört immer dazu, sodass sich Vegetarier eine Mahlzeit aus den Beilagen zusammenstellen können. Niemand bekomme ohne Rücksprache einfach einen Teller in die Hand gedrückt – „wir rechnen auch mit vielen Flüchtlingen; und wer muslimischen Glaubens ist, würde ja beispielsweise kein Schweinefleisch essen“. Einmal wird es als süßen Abschluss Futjes geben, freut sich Elke Beck. Sie durfte die von Klaus Carstensen bereits probieren – und die seien einfach köstlich.

>Das Projekt wird ausschließlich über Spenden finanziert, alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich. Privatleute, die Lebensmittel spenden möchten, sind bei Koch Klaus Carstensen (Telefon 0174/2510039) an der richtigen Adresse.

Wer das Projekt, das auch nach 2016 weiterlaufen soll, finanziell unterstützen möchte, kann unter dem Stichwort „Winterküche“ mit IBAN: DE  38 217500000080 007271 bei der Nord-Ostsee-Sparkasse (BIC: NOLADE 21NOS) einen Beitrag auf das Konto der Kirchengemeinde St. Marien überweisen. Gesucht werden noch Freiwillige, die an einem der zehn Tage bei der Essensausgabe helfen – für diesen Einsatz ist Elke Beck unter Telefon 04671/9424373 die Ansprechpartnerin.

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