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Gala zum geburtstag : Eine eingeschworene Gemeinschaft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Schulzirkus der Hermann-Tast-Schule in Husum hat Geburtstag. Er wird „volljährig“. Und das soll mit einer großen Gala gefeiert werden. Geplant sind vier Vorstellungen in der schuleigenen Aula – mit Joglange, Clownerie und Luftakrobatik aller Art.

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erstellt am 21.Mai.2014 | 11:30 Uhr

Sie hat gerade Abitur gemacht, er wird volljährig. Und in nicht allzu ferner Zeit werden sie wohl getrennte Wege gehen müssen. Aber noch bilden Anna (19) und der Zirkus Miraculix eine verschworene Gemeinschaft. Seit zehn Jahren ist die junge Frau Mitglied im Zirkus der Hermann-Tast-Schule (HTS), dessen 18. Geburtstag in dieser Woche mit einer großen Gala gefeiert werden soll. Klar, dass Anna und Schulfreundin Lisa, ebenfalls 19 und ebenfalls Abiturientin, noch einmal dabei sein und noch einmal alles geben wollen.

Wie dieses „Alles“ aussieht und dass die Zirkusarbeit an der HTS die Grenzen gewöhnlichen Schulsports längst überschritten hat, wird deutlich, als Anna in den Luftring steigt. Mehrere Minuten dauert ihre figurenreiche Choreografie. Anna absolviert sie mit der Ruhe und Konzentration eines Profis. Lasse Weißmann applaudiert. Der Lehrer weiß, dass die vermeintliche Leichtigkeit das Produkt harter Arbeit ist. Akrobatik war ein Schwerpunkt seines Sportstudiums.

Anna hat sich eigens wegen des schuleigenen Zirkus für die HTS entschieden. „Ja“, räumt sie ein, Ute Tobegen-Hill trage eine gewisse Mitschuld: „Sie ist unsere Nachbarin.“ Und habe sie schon früh mit der Zirkus-Idee infiziert. „Aber ich würde mich immer wieder so entscheiden.“ Zunächst interessierte sich Anna für Jonglage. Die Leidenschaft für Luftakrobatik, die sie mit Lisa teilt, kam erst später hinzu. „Das haben damals noch nicht so viele gemacht“, sagt sie. Anna und Lisa müssen es wissen, beide sind alte Zirkus-Hasen.

Das Jonglieren hatte Lehrerin Ute Tobegen-Hill 1995 von einem Lehrgang mit- und spontan in den Unterricht eingebracht. Karsten Rüsch, damals stellvertretender Schulleiter, reagierte mit der ihm eigenen, verhaltenen Form von Begeisterung: „Das ist ja ausbaufähig“, befand er – und wusste gar nicht, wie recht er damit hatte. Seine Fortsetzung fand die Sache in einem Sportprojekt namens „Bewegungskünste“, an deren Ende eine Aufführung mit Schülern der fünften Klasse stand. Zuschauer waren angehende Schüler – und der Zirkus-Virus in die Welt gesetzt. Kurz danach gründete Tobegen-Hill die gleichnamige AG. Trainiert wurde jeden Mittwoch, und 1998 folgte schon die erste Gala. Spätestens jetzt war auch die Öffentlichkeit infiziert.

Im Jahr 2000 wirkte Miraculix beim Zirkusfestival Zappalott in Celle mit. Dort lernten die Schüler den Umgang mit dem Vertikaltuch kennen. Und 2004 wurde sogar ein Zelt angemietet, um Grundschüler und Kindergarten-Kinder in die Zirkuswelt einzuführen. Miraculix wurde „wettbewerbsfähig“. Höhepunkt war 2008 der Auftritt von Ingke und Lisanne in der Sendung KIKA-Live „Magie und Fantasie“. Als Lohn für ihre Vertikaltuch-Nummer durften die beiden im Zirkus Roncalli auftreten.

Inzwischen ist die Schulaula zum neuen Zirkus-Domizil geworden. Dort finden von Donnerstag, 22. Mai, bis Sonnabend, 25. Mai, auch die drei neuen Gala-Auftritte zum Thema „Wandlungen“ statt. Beginn: jeweils um 19.30 Uhr. Am Sonnabend gibt es ab 15 Uhr eine zusätzliche vierte Vorstellung.

Zurück in der Turnhalle. Während die ersten Schüler bereits zusammenpacken, feilt Anna noch an ihrer Nummer. Sie hat Zeit. Der Schulstress liegt hinter ihr. Auch Ute Tobegen-Hill ist „noch“ entspannt. 20 Jahre wolle sie voll machen, sagt die Lehrerin unvermittelt, aber jetzt sind erst einmal der Geburtstag und die zehnte Gala an der Reihe. „Schon erstaunlich, was aus alledem geworden ist“, sinniert Tobegen-Hill.

Als schulisches Projekt wird der Zirkus zwar nicht gefördert, „doch dafür ist er nachhaltig“, sagt sie und ist genau wie die Kollegen Sven Rohloff und Ilka Vagt überzeugt, dass die 50 Aktiven hier mehr mitnehmen als zirzensische Fertigkeiten. „Der kreative Prozess war uns immer wichtiger als das Endprodukt.“

„Schon enorm, wie schnell die lernen“, freut sich das Lehrerquartett und denkt dabei nicht nur an die Großen, die „natürlich auch bei der Betreuung helfen“. Überhaupt: Zusammenarbeit wird groß geschrieben. So stammen die Ideen für die Choreographien zwar meist von den Kindern, „aber wir machen sie dann bühnentauglich“, sagt Tobegen-Hill. Auch das ist eine Herausforderung und – wie das Zirkusleben selbst – immer wieder anders.

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