Feuerwehr Friedrichstadt : Eine Drehleiter für Friedrichstadt

Unter den Augen vieler Friedrichstädter wurde die Drehleiter vor der Feuerwache auf Eiland vorgeführt.
Unter den Augen vieler Friedrichstädter wurde die Drehleiter vor der Feuerwache auf Eiland vorgeführt.

Nach langem Ringen hat die Feuerwehr jetzt doch das lang ersehnte Fahrzeug bekommen – geholfen hat dabei Kollege Zufall.

shz.de von
11. Mai 2018, 14:00 Uhr

Die ganze Mannschaft grinst von einem Ohr zum anderen. Denn die Ankunft dieses ganz besonderen Fahrzeugs auf dem Marktplatz hat für die Friedrichstädter Feuerwehr große Bedeutung: Die Einsatztruppe der Holländerstadt hat wieder ein Drehleiterfahrzeug. „Wir sind überglücklich“, sagt Wehrführer Birger Thomsen. Wie es dazu kam, ist eine kuriose Geschichte.

Schon an der B 5 in Höhe Bütteleck wurden die Feuerwehrleute, die den Zwölftonner in einer zwölfstündigen Fahrt nach Friedrichstadt lenkten, von ihren Kollegen begrüßt, die sich auf die restlichen Einsatzfahrzeuge verteilt hatten. Der Ehrenrunde auf dem historischen Marktplatz folgten unter den Augen vieler Friedrichstädter Vorführungen vor der Feuerwache auf Eiland. Ununterbrochen zuckten hier die Blitzlichter auf, Feuerwehrleute ließen sich in schwindelerregende Höhen hinauffahren.

Doch einfach war der Weg bis hierher nicht: Nachdem das vorhandene Drehleiterfahrzeug den Tüv für den Leiteraufbau im Dezember 2016 nicht erhalten hatte, stand Friedrichstadt ohne Drehleiter da. Die Feuerwehr schlug Alarm, da sie diesen Zustand im wahrsten Sinne des Wortes für brandgefährlich hielt. Unsere Zeitung berichtete über diese Misere, den Artikel las auch ein Autohändler aus Bonn. Er schickte Birger Thomsen eine Mail. „Rein aus Neugier“ antwortete Friedrichstadts Feuerwehr-Chef und bekam von dem Bonner sogleich ein Angebot für ein gebrauchtes Drehleiterfahrzeug. „Der Preis war der absolute Hammer“, erklärt Thomsen. Und tatsächlich: Der Bonner bot ihm ein Fahrzeug für 48.000 Euro an. Zum Vergleich: Ein neues Vehikel kostet 600.000 bis 700.000 Euro.

Dann ging alles blitzschnell: Gerätewart Manuel Fritz-Paulsen setzte sich in den Zug, begutachtete das Fahrzeug und „war sofort vollkommen überzeugt“, wie er sagt. „Absolut kein Rost und keine undichte Stelle an den Dichtungen.“ Auch Friedrichstadts Stadtverordnete reagierten prompt. Sie beschlossen einstimmig, den Kaufpreis von 48.000 Euro in den Nachtragshaushalt mit aufzunehmen. „Der Nachtragshaushalt ist in trockenen Tüchern, er wurde von der Kommunalaufsicht genehmigt“, verkündet Bürgermeister Eggert Vogt, der sich sehr über diesen glückliche Zufall freut. „Ein neues Fahrzeug anzuschaffen wäre für die Stadt unmöglich gewesen. Aber mit diesem Betrag können wir gut leben“, so Vogt. „Nun ist die Kuh vom Eis.“

Wehrführer Birger Thomsen und Gerätewart Manuel Fritz-Paulsen nahmen dann am Montag (7.) den Zug nach Bonn, ließen sich den ganzen Tag über in das Fahrzeug einweisen und traten einen Tag später die Rückfahrt an.

Und hier ein paar technische Daten: Das neue Drehleiterfahrzeug trägt die Bezeichnung DLK 18/12 cc und ist computergesteuert. Es handelt sich um einen Zwölftonner der Marke MAN – und trägt den Funkrufnahmen „Florian Nordfriesland 72/33/1“. Das Fahrzeug aus dem Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz mit Baujahr 1992 habe Thomsen und Fritz-Paulsen zufolge immer in der Halle gestanden. Der Tacho weist nach Ankunft in Friedrichstadt gerade mal 25.000 Kilometer auf. Die Rettungshöhe der Drehleiter beträgt 18 Meter – tatsächlich kann die Leiter aber bis auf 23 m ausgefahren werden. Das Fahrzeug kann nicht nur zum Löschen, sondern vor allem auch für die Personenrettung eingesetzt werden, wie die Einsatzkräfte betonen. Ein Trage-Gestell befindet sich auf dem Drehleiterfahrzeug, das übrigens gerade erst neue Tüv-Plaketten erhalten hat.

Mit dem Besitz eines Drehleiterwagens steigt gleichzeitig die überregionale Bedeutung der Friedrichstädter Feuerwehr: Einsätze mit diesem Fahrzeug können sich zukünftig bis hin nach Tönning, Stapelholm und in den gesamten nördlichen Bereich von Dithmarschen erstrecken, so Thomsen. Auf dem nordfriesischen Festland sind aktuell Drehleiterfahrzeuge in Friedrichstadt, St. Peter-Ording, Husum, Bredstedt und Niebüll stationiert.

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