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Sinfoniekonzert im Nordsee-Congress-Centrum : Eine Cellistin lässt aufhorchen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die 19-jährige Anouchka Hack spielt den Solopart im Sinfoniekonzert des Collegium musicums. Auch Bariton Ansgar Hüning wird zusammen mit dem Amateur-Orchester auftreten.

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erstellt am 28.Jan.2016 | 16:30 Uhr

„Etwas schmerzvoller!“, „Mehr Tempo!, „Und jetzt langsamer!“ – Anouchka Hack weiß, was sie will, und gibt ihren Orchesterkollegen strikte Anweisungen. Die Aula der Husumer Theodor-Storm-Schule ist an diesem Abend hell erleuchtet. Die Schüler sind schon lange zu Hause. Doch für die rund 60 engagierten Amateurmusiker des Collegiums musicums fängt der Unterricht gerade erst an. Sie proben für ihr Sinfoniekonzert am Sonntag, 21. Februar, im Nordsee-Congress-Centrum. Gerade widmen sie sich dem Cellokonzert von Antonín Dvorák, in dem Hack die Rolle der Solistin übernommen hat.

Schon im vergangenen Jahr hatte das Orchester geplant, zusammen mit ihr zu konzertieren. Doch Hack fiel aus. Ein eingeklemmter Nerv führte dazu, dass sie ihre Arme kaum noch bewegen konnte. Für knapp drei Monate musste ihr heiß geliebtes Cello im Instrumentenkoffer bleiben. Nach Nordfriesland, genauer gesagt nach Niebüll, kam sie damals trotzdem – um ihrer Schwester Katharina zuzujubeln, die im einzigen Klavierkonzert, das Edvard Grieg jemals fertig geschrieben hat, einen großen Erfolg feierte.

Der Hang zur Musik scheint den Schwestern, die in Dortmund aufgewachsen sind, in die Wiege gelegt worden zu sein. „Mein Vater hat, während meine Mutter mit mir schwanger war, ausgerechnet das Cellokonzert von Dvorák geübt“, erzählt die 19-Jährige lächelnd. Die junge Frau ist ehrgeizig – das wird schnell deutlich. Sie studiert Violoncello an der Musikhochschule Lübeck. Zwei Jahre Bachelor- und zwei Jahre Masterstudium hat sie noch vor sich, dann will sie das Konzert-Examen absolvieren. Ihr Ziel: eine Karriere als Solistin. Und das Nachwuchstalent ist auf dem besten Weg dorthin.

Hack ist unter anderem Mitglied im Bundesjugendorchester, gewann 2013 den ersten Bundespreis beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ und wurde 2015 mit dem Förderpreis des 52. Possehl-Wettbewerbs ausgezeichnet. Wenn sie nicht gerade für die Uni lernt, macht sie Kammermusik – zusammen mit der zwei Jahre älteren Katharina. Ist es nicht besonders anstrengend, mit der eigenen Schwester so eng zusammenzuarbeiten? „Im Gegenteil“, antwortet Hack. „Ich finde es sogar förderlich, wenn man mit einem Partner spielt, der einem so nahesteht. Wir haben eine gesunde Streitkultur. Ich kann ihr alles sagen oder auch mal brüllen – und dann ist die Sache wieder bereinigt.“

Doch nicht allein Dvoráks Cello-Konzert steht am 21. Februar auf den Notenblättern. „Wir wagen uns das erste Mal an Werke von Gustav Mahler heran“, sagt Henning Bock. „Das ist die hohe Kunst – und wir werden alles geben“, verspricht der Kreismusikschul-Direktor. Seit 28 Jahren ist das Collegiums musicum fester Bestandteil der Kreismusikschule. Die Musiker des Amateur-Orchesters kommen aus Nordfriesland, Schleswig, Dithmarschen und Kiel. Einige reisen sogar aus Frankfurt an. Das jüngste Mitglied ist 14 Jahre alt, das älteste 80. Bock selbst spielt Trompete und Horn, hält aber diesmal den Dirigentenstab in der Hand. Bariton Ansgar Hüning, Mitglied des Ensembles des Landestheaters und Kreismusikschul-Lehrer, führt mit dem Collegium musicum ein frühes Werk von Mahler auf: die „Lieder eines fahrenden Gesellen“. Darin verarbeitet der Komponist die gescheiterte Liebe zu einer Sängerin. Im Gegensatz dazu drückt das Adagietto aus der 5. Sinfonie die Zuneigung zu Mahlers späteren Frau Alma aus.

Genug geredet – die Probe muss weitergehen. Es bleibt nicht mehr viel Zeit bis die 60 Musiker ins Rampenlicht treten sollen. Und dann muss jeder Ton sitzen.

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