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Naturschutz auf Eiderstedt : Eine bessere Kinderstube für die Vögel

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein 250 Hektar großer Komplex im Naturschutzgebiet Oldensworter Vorland wird für Uferschnepfe, Rotschenkel, Kiebitz & Co. optimiert. Nachdem mit einer Rinder-Herde bereits tierische Naturschützer im Einsatz sind, werden nun künstliche Wasserflächen geschaffen.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 19:33 Uhr

Die Gänse äsen, während die Rinder in aller Seelenruhe an ihnen vorüberziehen. Es gibt nahezu keine Fluchtdistanz zwischen den Tieren. Die schwarz-bunten Fersen haben nur Augen für Olaf Ingwersen. Vielmehr für dessen Bagger. Mit diesem entnimmt Ingwersen Erde aus dem Oldensworter Vorland und verfüllt damit teilweise Gräben – er schafft Übergänge und erschließt neue Weideflächen. Die Maßnahme ist eine von vielen, die die Stiftung Naturschutz in Auftrag gegeben hat, um die Feuchtwiesen an der Eider für Wiesenvögel zu optimieren.

Seit den 1990er-Jahren hat das Landesamt für Natur, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) umfangreiche Maßnahmen in dem gut 250 Hektar großen Areal umgesetzt, um das Schutzgebiet für Wiesenvögel und rastende Gänse zu verbessern. Die Projektpartner wollen auf der Grundlage von Planungen des LLUR und des Naturschutzbundes (Nabu) in weiteren Schritten dafür sorgen, dass die Charaktervögel der Westküste eine prall gefüllte Speisekammer vorfinden und die Kinderstube für die Aufzucht der Jungen optimal eingerichtet ist. „Uns ist nicht nur wichtig, dass die Vögel dort brüten, sondern dass sie auch Erfolg haben, Küken großziehen“, sagt Oliver Granke, Projektleiter der Stiftung Naturschutz. „Den Vögeln geht’s wie uns Menschen – sie haben auch mit dem demografischen Wandel zu tun. Die Zahl der Alttiere nimmt von Jahr zu Jahr zu.“

In den nächsten Wochen wird gleich ein Bündel von Maßnahmen in Angriff genommen: Zäune werden abgebaut, um die Areale naturschutzgerecht zuzuschneiden. So können Grabenränder mit beweidet werden, denn sie bieten mit Schilf und Weidengebüschen Räubern, wie Fuchs und Iltis, gute Verstecke bei der Jagd auf die Wiesenvögel. Darüber hinaus werden neue Kleingewässer angelegt und Gräben gestaut, um mehr Wasser in der Fläche halten zu können. Durch die Beweidung entsteht ein übersichtliches Terrain für Wiesenvögel direkt an der Eider.

Als „Spielwiese für Ökokraten“ bezeichnet hingegen Winfried Massow das Areal. Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Oldenswort kritisierte die Vorgehensweise des LLUR. Seines Erachtens würden Landwirte, die seit Generationen das Vorland bewirtschaftet hätten, vertrieben. Überdies sei die Gemeinde bei sämtlichen Planungen und Maßnahmen nicht mit einbezogen worden, bemängelte er.

Steffen Gaehme vom LLUR erklärte, dass er Gespräche mit den Bauern geführt habe, es jedoch zu keiner Einigung gekommen sei. Er betonte, dass noch weitere Maßnahmen im Oldensworter Vorland denkbar seien. Unter anderem könne er sich einen neuen Rad- und Fußweg auf der 4,5 Kilometer langen Deichkrone zwischen dem Ortsteil Altendeich und Tönning vorstellen. „Doch da müssen noch dicke Bretter gebohrt werden“, sagt Gaehme mit Blick auf das Planungsverfahren und die unterschiedlichen Interessen aller Beteidigten.

Rund 6,1 Millionen Euro fließen bis 2022 in das Artenschutzprojekt zur Umsetzung von Maßnahmen in „Natura 2000“-Gebieten in Schleswig-Holstein, die Hälfte kommt aus dem EU-Förderprogramm „LIFE+“.

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