Schau im Kreishaus : Eine Ausstellung wider das Vergessen

Auf vielen Schautafeln wird die Judenverfolgung in der Region in Wort und Bild dargestellt.
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Auf vielen Schautafeln wird die Judenverfolgung in der Region in Wort und Bild dargestellt.

Die „Reichskristallnacht in Schleswig-Holstein“ ist das Thema einer neuen Schau im Kreishaus anlässlich des Holocaust-Gedenktags. Pastor Friedrich Mörs und Kreispräsident Heinz Maurus sprachen zur Eröffnung.

shz.de von
29. Januar 2015, 14:00 Uhr

Anlässlich des nationalen Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus ist im Kreishaus die Ausstellung „Die Reichskristallnacht in Schleswig-Holstein – 9. November 1938“ eröffnet worden. Pastor Friedrich Mörs erinnerte in seiner Predigt daran, dass vor 70 Jahren das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde. „Mehr als 7000 Überlebende wurden vorgefunden, die näher dem Tod als dem Leben waren.“

Im Rückblick erinnerte er an die Jahreslosung von 1930: „Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben.“ Dieses Wort habe in den folgenden 15 Jahren während der nationalsozialistischen Diktatur die Menschen begleitet und herausgefordert. Viele standen den verfolgten Juden bei, versteckten sie und schämten sich dafür nicht. „Sie haben sich zu dem Gott der Juden bekannt und daran festgehalten. “ Erscheckend aber sei, wie Menschen in dieser Zeit hasserfüllt andere Menschen vernichtet hätten. „Und dass judenfeindliches Gedankengut immer noch in manchen Köpfen vertreten ist, ist besonders beschämend.“ Das unvorstellbare Leid dürfe nicht in Vergessenheit geraten: „Eine Versöhnung ohne Erinnerung gibt es nicht“, so der Theologe. In der Erinnerung läge das Geheimnis der Befreiung.

Seit 1996 ist der 27. Januar ein bundesweiter Gedenktag. Darauf verwies Kreispräsident Heinz Maurus. „Und seit 1997 wird im Kreishaus der Gedenktag mit einer entsprechenden Ausstellungseröffnung verbunden.“ Auch er beklagte, dass das Gedankengut der Unmenschen weiterhin vorhanden sei. Und immer noch werde an vielen Orten der Welt die Menschenwürde mit Füßen getreten.

Maurus erinnerte daran, dass am 9. November 1938 Angehörige von SA und SS wie die wilden Tiere in ganz Deutschland wüteten, mehrere hundert Menschen ermordeten und Synagogen, Geschäfte und Wohnungen zerstörten. „Da machte Nordfriesland keine Ausnahme.“ 1925 wurden in den Kreisen Husum, Eiderstedt und Südtondern insgesamt 31 Menschen jüdischen Glaubens gezählt. „Am frühen Morgen des 10. November 1938 legten SA-Männer aus Husum und Eiderstedt in der Friedrichstädter Synagoge eine Bombe, zündeten den Betsaal an und zerstörten jüdische Geschäfte und Wohnungen“, berichtete Maurus. Die Friedrichstädter Juden wurden ins Gefängnis gesteckt, viele von ihnen starben später in Konzentrationslagern. Einzelne Menschen halfen den jüdischen Mitbürgern und versteckten sie. „Doch die meisten brachten die Zivilcourage nicht auf, sich für die zu Unrecht verfolgten Mitbürger einzusetzen.“

In der Wanderausstellung werden die brutalen Folgen der Judenverfolgung und -vernichtung dargestellt. „Wichtig für uns war es, die Ausstellung nicht nur am Gedenktag zu präsentieren, sondern über einem längeren Zeitraum einem breiten Publikum als Gedächtnis unseres Landes zu zeigen“, so Prof. Dr. Dr. Rainer Hering, leitender Archivdirektor des Landesarchivs Schleswig-Holstein. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von der Kuratorin Julia Liedke. „Wir zeigen die persönlichen Schicksale der Menschen auf und wie sich die jüdische Bevölkerung gegen die Ausgrenzung wehrte, beziehungsweise, wie sie sich auf die mögliche Auswanderung vorbereitete.“ So wird unter anderem die Zwangsausweisung der Familie Fertig in Flensburg in beeindruckender Weise dokumentiert. Weiter sind Fotos von zwei jüdischen Männern in Kiel zu sehen. Sie fotografierten die in der Pogromnacht angerichteten Schäden insbesondere an der Synagoge. Nur vereinzelte Überlebende des Holocaust kehrten in ihre ehemalige Heimat zurück, die meisten wanderten aus. Auch darauf wird in der Ausstellung hingewiesen. Sie ist noch bis zum 27. Februar im Kreishaus zu sehen.

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