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Vom Tropenfisch bis zum Dexter-Rind : Eine Arche für Wild- und Haustiere

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Den Westküstenpark in St. Peter-Ording nutzen Zugvögel als Rastplatz. Außerdem werden dort alte Haustierrassen gezüchtet. Mehr als 850 Tiere sind auf dem Areal heimisch.

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erstellt am 24.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Eine Attraktion für Klein und Groß in St. Peter-Ording ist seit fast 25 Jahren der Westküstenpark. Mehr als 850 Tiere – vom tropischen Fisch bis zum Nandu, vom Schlammpeitzger bis zum Seehund – können Tierfreunde in dem weitläufigen Gelände am Rand des Badeorts in Ruhe beobachten. Auch Esel, Schafe, Ziegen und Ponys finden sich dort. 14 Hektar umfasst der Park mit großen Gehege, idyllischen Spazierwegen – und Deutschlands größtem Robbenbecken.

Inzwischen haben auch Zugvögel den Haus- und Wildtierpark als Rastplatz entdeckt. „Ab August fallen hier regelmäßig abertausende Stare ein“, berichtet Peter Marke, der den Park 1992 zusammen mit seiner Frau Maren gegründet hat. Der Tierfreund freut sich, dass die Wildvögel auf seinem Gelände mit den ausgedehnten Wasserflächen eine Pause einlegen. „Die brauchen das Süßwasser.“ Im Moment kann der Besucher mit Glück einen Blick auf die seltenen schneeweißen Silberreiher erhaschen. Aber man muss sich ruhig verhalten. „Die haben eine große Fluchtdistanz“, weiß Marke. Auch Uferläufer, Regenpfeifer, Bekassinen und viele, viele Enten sind unter den Besuchern.

Einige seiner Parkbewohner laden sich regelmäßig Gäste ein. So wohnt ein wildes Singschwan-Paar im Park. „Im August fliegen die beiden fort und kommen im Spätwinter wieder, häufig bringen sie 20 bis 30 Freunde mit.“ Das ist dann ein beeindruckender Anblick und eine beeindruckende Geräuschkulisse. Auch Graukraniche finden sich immer mal wieder ein, sehr zur Freude ihrer Artgenossin, die im Tierpark lebt.

Längst zu einer Attraktion des Parks sind die freilebenden Störche geworden, die dort ihren Lebensmittelpunkt haben. „Mit den Störchen fing damals alles an, die haben wir noch aus Langenhorn mitgebracht“, erinnert sich Peter Marke. „Wenn sie einmal über Winter bei uns bleiben, erlischt der Zugtrieb. Die Witterung bei uns ist für die Störche gar nicht das Problem. Sie finden bloß nichts zu fressen, deswegen müssen sie fortziehen.“ Er und seine Frau haben immer mal wieder Störchen über die dunkle Jahreszeit geholfen, und so tummeln sich inzwischen drei Dutzend im Park. Hier und da haben sie ihre Horste auf Volieren gebaut.

Aber auch exotische Tiere sind unter den Bewohnern. Beispielsweise ein Marabu-Paar. Das Männchen dieser afrikanische Storchenart ist eher ein Eigenbrötler, er hält nicht viel von seiner Frau. Lieber steht er vor dem Fenster der Gaststätte im Park und schaut hinein. Zu gern würde er bei den Besuchern vom Teller naschen. Da er das nicht darf, steht er still da und sieht ein wenig griesgrämig aus. Seine erste Frau wird der eine oder andere Strandspaziergänger noch kennen. Sie flog morgens zur Sandbank hinaus, ging dort spazieren und kehrte im Laufe des Tages wieder zurück.

Peter Marke nimmt gern auch neue Arten auf, die ihm von anderen Tierparks oder Zoos angeboten werden. Ganz neu im Bestand ist ein drolliger Fisch, der eher wie ein Mittelding zwischen Eidechse und Frosch aussieht und Glubschaugen hat: der indische Schlammpeitzger. Die kleine Gruppe lebt im Terrarienhaus. Sie sind recht lebendig – und streitsüchtig. Kommen sich zwei zu nahe, wird mit der aufgestellten Rückenflosse gedroht.

Aus ihrer Leidenschaft heraus für alles, was kreucht und fleucht, haben Peter und Maren Marke vor 25 Jahren noch einmal den beruflichen Neustart gewagt. Zuvor war er als Pharmazeut tätig, seine Frau als Grundschullehrerin. Als ihre Tochter, die Sängerin Isgaard, flügge wurde, stand fest: Jetzt gründen wir einen Tierpark. Damals wohnten sie in Langenhorn. „Uns lag und liegt am Herzen, die Verbindung zwischen Mensch und Natur zu schaffen. Denn kein Film kann den direkten Kontakt ersetzen.“ Von Kindesbeinen an hat sich der gebürtige Husumer für Tiere und Pflanzen interessiert. Und er wollte eine andere Form der Haltung als damals in Zoos üblich: „Unser Anspruch war und ist, Tiere in großen Gruppen zu zeigen, wenn es ihrer Art entspricht. Koloniebrüter müssen eben in Kolonien gehalten werden.“ Es muss artgerecht sein, das ist Marke sehr wichtig. So hat er für die Seehunde beispielsweise extra eine Sandbank mit Flachwasserzone in ihrem Becken eingebaut. Die Seehund-Mütter finden das prima, sie säugen dort ihre Lütten. „Und daher haben wir noch nie erlebt, dass ein Junges abgelehnt wurde.“

Die Markes stellten damals ihr Konzept in verschiedenen Gemeinden vor. In St. Peter-Ording erhielten sie schließlich den Zuschlag. „Wir waren der zweite Haustierpark in ganz Deutschland, nach der Arche Warder in der Nähe von Kiel.“ Denn auch die ursprünglichen Haustierrassen liegen den Markes am Herzen, so sind sie Mitglied in der Gesellschaft zum Erhalt alter Haustierrassen (GEH). Diese sind viel robuster als moderne Hochleistungsformen von Rind, Schwein, Schaf oder Huhn. Allerdings liefern sie nicht so viel Milch, Fleisch, Wolle oder Eier. So sind viele alte Rassen ausgestorben. Im Westküstenpark haben unte anderem Island- und Walliser Schwarznasenschafe eine Heimat gefunden. Aus den Bentheimer Schafen versucht Marke, das französische Alpenschaf zurückzuzüchten. Auch die kleinen schwarzen Dexter-Rinder aus Irland, die weißen Barockesel aus Österreich und Schwarzhals-Ziegen aus der Schweiz tummeln sich auf den Koppeln.

Aber es gibt noch viel mehr im Park zu entdecken: Greifvögel, Eulen, Tiere aus Südamerika, Vögel der Küstenregion und natürlich die Seehunde, bei deren Fütterung man zweimal täglich zuschauen kann.

Der Westküstenpark hat noch bis zum 15. November täglich geöffnet, heute noch einmal von 9.30 bis 18 Uhr, ab morgen dann von 10 bis 16 Uhr. Seine Winterpause unterbricht der Park vom 27. Dezember bis zum 5. Januar. Im Januar und Februar ist nur an den Wochenenden geöffnet und auch nur, wenn es das Wetter zulässt.

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