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Bredstedt : Einbrecher und die Angst der Opfer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Einbrüche häufen sich – mit schweren Folgen für die Opfer. Weißer Ring, Polizei und Sicherheits-Experten geben Hauseigentümern Tipps zum Schutz ihres Eigentums.

Während seiner Zeit als Polizist in Husum, Niebüll und auf Sylt hat Rolf Johannsen hunderte Einbrüche aufgenommen. Dabei immer im Blick: die Täter. „Mir war zu der Zeit nicht wirklich klar, wie es den Opfern danach geht“, erzählte er jetzt bei einer Info-Veranstaltung zum Thema „Einbruchschutz“ beim Baustoffhändler HBK Dethleffsen in Bredstedt. Bewusst wurde Rolf Johannsen die Rolle der Opfer erst, als ihm Eheleute erzählten, dass sie ihr Haus verkauft haben. „Sie konnten nach einem Einbruch nicht mehr darin wohnen“, so der inzwischen pensionierte Polizist. Seitdem kümmert er sich um die Opfer, die nicht selten traumatisiert sind.

Als Vorsitzender des Weißen Rings, ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten, organisierte Johannsen schon viele Info-Veranstaltungen mit Fachvorträgen durch das Landeskriminalamt und Fachfirmen, die sich mit dem Schutz gegen Langfinger auskennen. So auch in Bredstedt, wo Joachim Prechtel vom Landespolizeiamt, Zentralstelle Polizeiliche Prävention, Interessierte beriet und anhand von Statistiken Einblicke gab.

Danach hat es im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein mehr als 7500 erfasste Einbruchsfälle gegeben – mit einer Aufklärungsquote von rund zwölf Prozent. „Die wenigsten Einbrecher kommen nachts, sondern zwischen 8 und 13 Uhr oder zwischen 16 und 21 Uhr“, sagte er. Zwei Drittel aller Einbrüche fänden in der dunklen Jahreszeit von November bis März statt. Es seien nicht nur materielle und ideelle Schäden, mit denen sich die Opfer konfrontiert sehen, sondern auch psychische Schäden, sogenannte Einbruchstraumen. Und die seien letztlich dafür verantwortlich, dass etwa 15 Prozent der Opfer ihre Häuser verkaufen beziehungsweise die Wohnungen verlassen würden.

Joachim Prechtel unterschied zwischen Gelegenheits- und gewerbsmäßigen Tätern sowie Profis. Erstere führten in der Regel keine Waffen mit sich, ein Schraubenzieher in der Tasche reiche ihnen. Zudem bereiteten sie sich nicht lange auf den Einbruch vor, nutzten günstige Gelegenheiten mit möglichst wenig Risiko. „Sie wollen in der Regel in drei Minuten in einem Objekt sein und halten sich darin nur kurz auf, da sie den Kontakt mit Bewohnern vermeiden wollen“, so Prechtel.

Er riet davon ab, als Opfer selbst Polizei zu spielen. „Machen Sie sich bemerkbar durch Geräusche und lassen Sie den Täter ziehen“, so seine Empfehlung. Ein Besucher der Veranstaltung war Opfer eines Einbruchs geworden, wie er selbst erzählte. „Ich leide dadurch nicht psychisch, aber mein Sicherheitsgefühl leidet, seitdem die Polizei keine Zeit mehr hat. Ich setze mich jetzt selbst zur Wehr.“ Das sei keine Lösung, machte der Sicherheitsbeauftragte deutlich. Auch die Anschaffung eines Hundes nicht. Es sei denn, der Vierbeiner komme einem ausgebildeten Polizeihund gleich.

Joachim Prechtel zeigte auf, wie man es Einbrechern leicht macht – offene und gekippte Fenster und Türen, leicht erreichbare Balkone, Kellerschächte, Dachfenster. Anschließend verdeutlichte er, durch welche Sicherheitsvorkehrungen man es ihnen schwer machen kann. Allerdings: „Eine hundertprozentige Absicherung gibt es nicht.“

Wie schnell ein Fenster mit Hilfe eines einfachen Schraubenziehers und eines Kuhfußes geöffnet werden kann, demonstrierte Lars Neumann von der Firma Abus-Sicherheitstechnik. Er und der Bredstedter Tischlermeister Kai Lorenzen hatten Anschauungsmaterial für Einbruchssicherungen dabei.

Außerdem gab es jede Menge Verhaltenstipps, wie beispielsweise die Haustür zwei Mal zu verriegeln, Sperrbügel und Türspion zu nutzen, Briefkästen während des Urlaubs leeren zu lassen sowie Fenster bei Abwesenheit zu schließen. Auf Nachfrage, ob Alarmanlagen oder Video-Überwachungen Einbrecher abschrecken würden, sagte die Fachleute aus ihren Erfahrungen: „Mechanik kommt vor Elektronik“. Eine Alarmanlage melde den Einbruch zwar, verhindere ihn aber nicht, und eine Videoaufnahme sei kein Schutz im privaten Bereich. „Einbruchsopfer können gern zu uns kommen, wir bieten Unterstützung an“, sagten Rolf Johannsen und Susanne Borrett vom Weißen Ring (www.weisser-ring.de) am Ende zu.

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