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Wohnprojekt am Trommelberg : Ein Zuhause für alle Generationen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die künftige Genossenschaft „Statthus“ sucht weitere Mitstreiter: Am 6. März wird umfassend über das generationenübergeifende Wohnprojekt in einer alten Schule in Husum informiert.

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erstellt am 23.Feb.2016 | 13:15 Uhr

Beim Nachdenken darüber, wie sie in Zukunft wohnen möchten, bekunden immer mehr Menschen Interesse an neuen Formen des Zusammenlebens. Und so entstehen in ganz Deutschland auch immer mehr Projekte, die es möglich machen, dass alle Generationen – ob als Familie, Paar oder Single – unter einem Dach ein Zuhause gestalten. Was nicht bedeutet, dass die Struktur einer Wohngemeinschaft gewählt werden muss. Es gibt bei diesen Vorhaben eigene Wohnungen oder sogar Häuser, doch Räume für Versammlungen und Veranstaltungen der großen Gemeinschaft gehören mit zum Konzept. Die Idee, ein Netzwerk zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen, eint ebenfalls alle.

In Husum haben sich engagierte Nordfriesen unter dem Namen „Statthus“ (frei übersetzt: anstatt eines Eigenheims) zusammengetan, um ihren Traum von einer solchen gemeinschaftlichen Adresse am Trommelberg 11 in der Osterhusumer Schule (frühere Pestalozzischule) wahr werden zu lassen; das Gebäude aus den Fünfzigern steht heute unter Denkmalschutz. Seit gut zwei Jahren arbeitet ein harter Kern von zehn Gleichgesinnten zwischen Mitte 20 und 72 an der Realisierung.

Inzwischen ist „Statthus“ eine eingetragene Genossenschaft in Gründung. Denn noch fehlen die Unterschriften auf dem Kaufvertrag mit der Eigentümerin, der Stadt Husum – dieser sei jedoch „so gut wie fertig“, erklären die Vorstandsmitglieder Irene Fröhlich und Michael Graf. „Von der GLS-Bank haben wir eine vorläufige Finanzierungszusage erhalten. Unser Architekt vom Planerkollektiv Hamburg ist bereits beauftragt – und die Stattbau-Hamburg berät uns als Projektentwickler.“

Vorschusslorbeeren in Form eines Zuschusses von 200.000 Euro hat es für „Statthus“ bereits im Oktober 2015 gegeben. Ein Förderbescheid über diese Summe stammt aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Damit gehört der Trommelberg zu 29 von mehr als 200 Wohnprojekten, die sich „durch eine besonders hohe fachliche Qualtät, einen vorbildlichen Praxisbezug sowie gelungene innovative Ideen auszeichnen“. In Schleswig-Holstein ist es das einzige Vorhaben dieser Art, dass Fördermittel aus diesem Programm erhält.

„Wir haben kein Startkapital. Deshalb müssen wir 400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche ansetzen. Eigentlich hätten es 500 Euro sein müssen. Doch wir setzen den Großteil der 200.000 Euro dafür ein, dass es 400 Euro werden“, erläutert Michael Graf. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gebe es ein Extra-Programm zur Förderung von Genossenschaftsanteilen, merkt er an.

Das Gelände um die alte Schule hat eine Fläche von 20.000 Quadratmetern – „etwa 12.000 stehen unserer Gemeinschaft zur Verfügung“, erläutert Graf. Das restliche Grundstück wolle die Stadt für Wohnbebauung veräußern.

Die Trommelberger planen 22 Wohnungen in Größen von 50 bis 100 Quadratmetern. Auch das „Behindertengerechte Bauen“ wird behandelt. So werden „vielleicht nur zwei bis drei Wohnungen nicht vom Lift erreichbar sein“, sagt Graf, der selbst Architekt ist. Irene Fröhlich ergänzt mit Blick auf eine andere Gruppe: „Wir werden bis zum Schluss ein paar Wohnungen für Familien frei halten.“ Beide erklären, dass es möglich sein werde, zu mieten oder Eigentum zu erwerben – letzteres ist limitiert auf ein Drittel der Wohnungen.

Für Fröhlich steht fest, dass die Storm-Stadt von Zuzug geprägt sein wird: durch die Bundeswehr, aus dem Umland und aus anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen. „Aber kleine, günstige Wohnungen fehlen – hochpreisige gibt es dagegen reichlich“, weiß Irene Fröhlich. Die frühere Grünen-Politikerin, die ihre Partei in der Stadtvertretung sowie im Kreis- und im Landtag vertrat, ist nun Seniorenbeiratsvorsitzende der Stadt Husum.

Michael Graf und seine Mitstreiterin haben Erfahrungen mit dem Wohnen in Gemeinschaften. Für sie ist es die ideale Lebensform – auch um einer Vereinzelung in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Mit ihrem Projekt seien sie ein „Experimentierfeld“ und das brauche „mutige Menschen“. Ein Wille zur Gemeinschaft wäre gut – keiner sei aber zu irgendetwas verpflichtet. Es werde eine Genossenschaftsversammlung und einen Bewohnerbeirat geben. Verschiedene Räume für die Gemeinschaft sind fest eingeplant: für Zusammenkünfte, zum Werken, für die Fahrräder.  .  . „Wir wollen aber auch in das Quartier ausstrahlen“, betont Graf und kann sich unter anderem ein Stadtteil-Café vorstellen.

Die Frage nach dem Energiekonzept beantwortet Irene Fröhlich: „Zum einen sind eine gute Wärmedämmung, entsprechende Fenster und eine Dachisolierung vorgesehen. Die solide Bauart des Gebäudes kommt uns dabei sehr zugute, denn wir haben eine ausreichende Luftschicht zwischen der Außenwand und den 20 Zentimeter dicken Innenwänden. Über Solaranlagen dürfen wir leider nicht nachdenken, da ist der Denkmalschutz davor. Wir wünschen uns, mit unseren Nachbarn über eine Kraft-Wärme-Kopplung der neu zu installierenden Gasheizung ins Gespräch zu kommen.“

Tag der Informationen

Das Wohnprojekt „Statthus“ wird am Sonntag, 6. März, im Trommelberg 11 vorgestellt. Von 14 bis 17 Uhr sind alle Interessierten willkommen, sich zu informieren und sich umzuschauen. Auskunft geben folgende Experten: Architekt Wolfram Tietz (Planerkollektiv Hamburg), Projektentwickler Tobias Behrens (Stattbau-Hamburg), Fred Heinsohn von der GLS-Bank (Gemeinschaft für Leihen und Schenken) sowie Liz Kistner und Malte Willms, die im Wohnprojekt „StattSchule“ in Hamburg-Altona leben. Dort ist ebenfalls eine Mischung aus Eigentum und Genossenschaft umgesetzt worden – und auch der Denkmalschutz spielt eine Rolle. Moderieren wird Josef Bura, Vorsitzender des bundesweit tätigen Forums für Gemeinschaftliches Wohnen.

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