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Anti-Mobbing-Tag in Nordfriesland : Ein Zeichen gegen Ausgrenzung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Anti-Mobbing-Tag: Mit einem Theaterstück und einem Flash-Mob machen Nordfrieslands Schüler auf ein brisantes Thema aufmerksam.

„Was ist denn da los?“, fragen zwei Spaziergänger, die gerade an der Husumer Hermann-Tast-Schule vorbeischlendern. Auf dem Sportplatz herrscht jede Menge Trubel. Rund 500 Kinder haben sich hier versammelt, um ein Zeichen der ganz besonderen Art zu setzen. Schnell wird klar, dass das anfängliche Durcheinander Methode hat. Die Schüler verteilen sich so auf der Rasenfläche, dass drei riesige Buchstaben und zwei Zahlen entstehen: AMT 16 – die Abkürzung für Anti-Mobbing-Tag 2016. Die Idee für diesen Flashmob hatten die Sozialarbeiter der Husumer Gymnasien und Gemeinschaftsschulen.

Am Freitag fand in Schleswig-Holstein der Anti-Mobbing-Tag statt. Seit 2010 machen sich am 2. Dezember immer mehr Klassen und Jugendgruppen dafür stark, Mobbing den Kampf anzusagen. „Vielfalt rockt!“ ist das Motto in diesem Jahr. „Begleitet von zahlreichen Aktionen ist der Anti-Mobbing-Tag mittlerweile ein buntes Fest des respektvollen Miteinanders geworden“, heißt es in einer Mitteilung des Kreises Nordfriesland. Tagtäglich werden Kinder und Jugendliche ausgegrenzt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dazu gehören anders aussehende Frisuren, flippige Kleidung oder gute Noten genauso wie die soziale Stellung der Familie. Besonders problematisch ist das sogenannte Cybermobbing – das Hänseln, Beschimpfen und Bedrohen in sozialen Netzwerken. Whatsapp und Facebook machen Smartphones zur psychologischen Waffe in den Händen von jungen Tätern, die in vielen Fällen gar nicht absehen können, was sie damit anrichten. Die Opfer kämpfen nicht selten mit Depressionen oder verletzen sich selbst. Eltern und Lehrer stehen dem oft hilflos gegenüber.

„Mobbing ist immer noch ein Tabuthema – niemand gibt gern zu, dass er zu den Opfern zählt“, erklärt der Kreis-Jugendschützer Svend Goldenbaum. Es wird davon ausgegangen, dass bundesweit fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung von Mobbing betroffen sind. „Doch die Dunkelziffer ist sehr hoch. Deshalb sind auch die Zahlen für Nordfriesland schwer zu ermitteln“, macht Goldenbaum deutlich.

Das Thema Cybermobbing steht auch im Mittelpunkt des Theaterstücks „Nicht egal“, das die Jungen und Mädchen aus dem Breklumer Jugendzentrum in der Aula der Hermann-Tast-Schule am Freitag auf die Bühne gebracht haben. In der Geschichte geht es um die fleißige und freundliche Schülerin Emma. Mandy, die Anführerin einer gefürchteten Gang, hat sie ins Visier genommen – und erpresst Emma mit einem Foto, das sie heimlich von ihr auf der Toilette aufgenommen hat. Wenn Emma ihr kein Geld zahlt, will sie das Bild ins Netz stellen. Das Unheil nimmt seinen Lauf und Emma lässt das Geld von der Klassenfahrt mitgehen. Wie gut, dass die 16-Jährige Freunde hat, die zu ihr halten. „Es ist unglaublich wichtig, sich Freunden anzuvertrauen, wenn einem so etwas passiert“, gab Thomas Lötzsch den Fünft- und Sechstklässlern mit auf den Weg, bevor sie Richtung Sportplatz strömten. Der Leiter des Jugendzentrums hat das Stück mit seinen Schützlingen einstudiert und darin die Rolle des Lehrers übernommen. Auch einen Anti-Mobbing-Song hat der Musiker – viele dürften ihn als Sänger der Gruppe „Illegal 2001“ kennen – mit seiner Schauspiel-Truppe komponiert.

„Leider wird noch zu oft über solche Vorfälle geschwiegen“, sagt Sozialpädagoge Goldenbaum. „Deshalb ist die Sensibilisierung am Anti-Mobbing-Tag so wichtig. Und ich freue mich, dass Nordfrieslands Schüler sich in diesem Jahr so stark engagiert haben.“

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erstellt am 03.Dez.2016 | 08:00 Uhr

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