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Pilotprojekt in Schleswig-Holstein : Ein Werkzeug für die Energiewende

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein virtuelles Kraftwerk für Erneuerbare Energien ist in Breklum in Betrieb genommen worden. Dort wird die Stromproduktion aus Wind, Sonne und Biogas gebündelt. Mehr als 450.000 Euro wurden investiert.

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erstellt am 01.Feb.2014 | 17:00 Uhr

Und wieder sind es die Nordfriesen. Ist deren Pioniergeist in punkto Windkraft ebenso berühmt wie berüchtigt, so wurde mit der Inbetriebnahme des ersten Erneuerbare-Energien-Kraftwerks ein weiterer Meilenstein erreicht. Energiewendeminister Dr. Robert Habeck gab gestern den Startschuss.

Vier große Bildschirme, verbunden mit einem handlichen Computer und der Minister an der Tastatur – mehr war nicht erforderlich, um das virtuelle Kraftwerk im Hause der „Arge Netz“ in Breklum in Betrieb zu nehmen. Via Internet stellte der Grünen-Politiker den Kontakt zu einem Windpark auf Nordstrand her – der Strom der sechs Anlagen im Elisabeth-Sophien- und Morsum-Koog wird fortan in das „Kraftwerk“ eingespeist.

In diesem wird die Stromproduktion unterschiedlicher Erneuerbarer Energien (Wind, Sonne, Biogas zusammen mit Kraft-Wärme-Koppelung und Energiespeichern) so gesteuert, dass der Betrieb eines Großkraftwerks nachgebildet wird. Kernstück sind ein leistungsfähiger Server und ein modulares Rechnersystem, dass den speziellen Anforderungen angepasst wird. In Breklum werden zudem die unterschiedlichen Schnittstellen der Anlagen gebündelt. Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik ist neben der Universität Flensburg als Partner der „Arge Netz“ mit im Boot.

Dieter Harrsen lobte das Engagement der Unternehmer, die er allein schon in unternehmerischer Hinsicht als „Kraftwerk“ der Region bezeichnete. Das Breklumer Projekt stünde der Modellregion Nordfriesland gut zu Gesicht, so der Landrat weiter. Im gleichen Atemzug lobte er sowohl Ministerpräsident Torsten Albig als auch Minister Robert Habeck für deren bundesweites Engagement in Sachen Energiepolitik. Harrsen kann es nicht nachvollziehen, dass „man während eines laufenden Spiels die Regeln ändert“. Umso stärker sei der Einsatz der schleswig-holsteinischen Politiker in Berlin zu bewerten.

Minister Habeck teilte den Weg zur Energiewende in vier Abschnitte ein. Mit einem Anteil von 25 Prozent an erzeugter Energie sei Schleswig-Holstein bereits der „Jugend“ entwachsen. Jetzt gehe es darum, die „neue Energie in die alte Welt zu integrieren“. Der Kampf um Mehrheitsanteile habe schon begonnen und werde die Zukunft auf dem Energiesektor bestimmen, prophezeite er. „Es ist eine Machtfrage“, sagte Habeck, „Deshalb ist der Kampf schon jetzt so laut und hart.“

Bevor der Minister das virtuelle Kraftwerk freischaltete, übergab er dem Geschäftsführer der Arge Netz, Dr. Martin Grundmann, einen Förderbescheid in Höhe von 200.000 Euro aus dem Programm „Umweltinnovationen“. Die Gesamtkosten betragen mehr als 450.000 Euro. Für Grundmann war nicht nur die Inbetriebnahme des Kraftwerks eine Premiere, sondern auch die finanzielle Förderung. „Seit unserer Gründung im Jahr 2009 ist es das erste Mal, dass wir öffentliches Geld in Anspruch nehmen“, erklärte der Geschäftsführer.

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