zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

24. Oktober 2017 | 12:12 Uhr

Nicolaus Bruhns : Ein universeller Musiker

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nicolaus Bruhns, einstiger Kantor von St. Marien in Husum, wäre dieser Tage 350 Jahre alt geworden. Es gibt nur wenige Zeugnisse über diesen virtuosen Musiker. Aber dafür trägt ein 1989 entdeckter Asteroid seinen Namen.

von
erstellt am 22.Dez.2015 | 18:36 Uhr

„Er ist ein Meister, der bleibt“, schrieb Thomas Mann über seinen Kollegen, den Husumer Schriftsteller Theodor Storm. Eine vergleichbare Auszeichnung wurde zwei Jahrhunderte zuvor, im Jahr 1689, einem jungen Mann zuteil, der aus dem fernen Kopenhagen nach Husum gekommen war – zum Probespiel für die vakante Organistenstelle von Alt-St. Marien. Es sei „vorher seinesgleichen von Kompositionen und Traktierung allerlei Arten von Instrumenten in dieser Stadt nicht gehöret worden“, schrieben die Stadtväter Nicolaus Bruhns (geboren im Advent 1665 in Schwabstedt, gestorben am 29. März 1697 in Husum) ins Stammbuch und machten den damals 24-Jährigen einstimmig zu ihrem neuen Kantor.

Der Erwählte stammte aus einer Musiker-Familie. Sein Vater Paul hatte etwa zur Geburtszeit des Sohnes die Organistenstelle in Schwabstedt übernommen, Pauls Bruder, Friedrich Nicolaus, wurde 1682 Direktor der Hamburger Ratsmusik. Zu seinen Nachfolgern gehörten Georg Philipp Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach.

Im Alter von 16 Jahren schickte Paul Bruhns seinen Sprössling nach Lübeck, wo ihn der große Dietrich Buxtehude, dessen Fähigkeiten auch von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach geschätzt wurden, das Orgelspiel lehrte. Doch damit begnügte sich der Junge nicht, spielte wenigstens ebenso virtuos Violine und Viola da Gamba. Quellen überliefern, dass Bruhns „seine Violine dann und wann mit auf die Orgel nahm (. . .), so dass es schien, als ob sich zwei, drei und mehrere zugleich hören ließen. Wenn er spielte, so zerarbeitete er sich oben mit der Violine, indem er mit den Füßen vermittels einer schicklichen Stimme den Bass dazu spielte.“ Dieser Bericht galt lange Zeit als bloße Legende – bis in der Universitätsbibliothek Bruhns’ Solokantate „Mein Herz ist bereit“ für Bass-Solo, obligate Violine und Basso Continuo aufgefunden wurde.

Die Virtuosität des jungen Mannes sprach sich schnell herum. So versuchte ihn der Kieler Magistrat – „mittels gewisser Vorwände“ – als Organisten an der Nikolaikirche zu gewinnen. Doch die Husumer rochen den Braten und griffen zu einem schon damals probaten Mittel, um Bruhns zu halten. Sie erhöhten sein Salär um 100 auf 500 Taler. Acht Jahre lang wirkte der junge Kirchenmusiker in Husum, bevor er am 29. März 1697 im Alter von 31 Jahren viel zu früh verstarb.

Obgleich eine (ruhende) Gesellschaft seinen Namen trägt und seiner auch musikalisch noch immer gedacht wird, sind außer seiner Musik nur wenige Zeugnisse von Nicolaus Bruhns erhalten geblieben. Die alte gotische Marienkirche wurde 1807 wegen angeblicher Baufälligkeit abgerissen und kann daher nicht von seinem Wirken zeugen. Auch ein Porträt des Musikers und Komponisten gibt es nicht. Geblieben ist – neben einem fragmentarischen Lebenslauf (nicht einmal sein Geburtstag ist bekannt) – nur sein Werk, das, so überschaubar es ist, bis heute internationale Aufmerksamkeit erfährt. Einer seiner Nachfolger, Kirchenmusikdirektor Jens Weigelt, mahnte anlässlich des Jubiläumskonzertes im Sommer in Neu-St. Marien: „Wir haben allen Grund, dem Husumer Meister der Töne in Zukunft ähnlich viel Ehre zuteil werden zu lassen wie dem Husumer Meister des Wortes bereits zuteil wird. “

In universellen Dimensionen gibt es diesbezüglich schon erste Erfolge zu verzeichnen: Der 1989 entdeckte Asteroid 5127 trägt seit 1992 den Namen Nicolaus Bruhns.

 

 

 

Aus Anlass des 350. Geburtstag von Nicolaus Bruhns haben die Husumer Nachrichten eine Grafikmappe mit Farbradierungen von Friedel Anderson, Falko Behrendt, Otto Beckmann und Hans-Ruprecht Leiß sowie einem Holzschnitt von Manuel Knortz herausgegeben. Die Mappe mit dem Titel „Melodie einer Landschaft“ (Stückpreis 490 Euro), aber auch Einzelblättern zum Preis von 135 Euro, sind noch bis Jahresende exklusiv im Kundencenter der Husumer Nachrichten, Markt 23,

Telefon 04841/83590, zu haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen