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Umfrage in der Husumer Innenstadt : Ein Umtausch kommt nicht in die Tüte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Welches Geschenk wird zurückgebracht? Die meisten Befragten wollen ihre Gaben behalten.

Wenn man sich kurz nach Weihnachten unter den Passanten auf dem Marktplatz umhört und zwei Stunden später noch keinen einzigen getroffen hat, der in die Stadt gekommen ist, um ein Geschenk umzutauschen – kann man dann schon von einem Anti-Umtausch-Trend 2016 sprechen? Schwer zu sagen. Zumindest aber scheinen dieses Jahr auffallend viele Leute zufrieden mit dem zu sein, was Heiligabend unter dem Tannenbaum lag.

So wie Jelena aus Bremen, die gemeinsam mit ihrem im Schwarzwald lebenden Bruder Hendrik über Weihnachten beim Papa in Bredstedt war. Anhand ihrer Geschenke konnten die beiden sehen, wie gut sich in der Familie und im Freundeskreis alle untereinander kennen. Alles war „richtig, richtig gut“. Doch selbst wenn dem nicht so gewesen wäre – Geschenke umzutauschen ist für sie ein No-Go: „Schließlich hat sich da jemand Gedanken gemacht, was mir gefallen könnte. Und da ich selbst im Einzelhandel tätig bin, weiß ich, wie umständlich der Umtausch für die Geschäfte ist. Deshalb verzichte ich möglichst darauf“, sagt Jelena, die den kurzen Heimaturlaub sichtlich genießt.

Von einem No-Go spricht auch die aus dem Rheinland angereiste Urlauberin Elke Wolf. Sie plädiert dafür, Geschenke ohne Wenn und Aber zu akzeptieren: „Das hat etwas mit Respekt dem Schenkenden gegenüber zu tun. Wenn ich höre, dass der mit viel Liebe ausgewählte schwarze Schal hinterher gegen einen dunkelblauen getauscht wurde, bin ich traurig“, sagt sie und weiß ihre Familie hinter sich: „Bei uns wird nichts umgetauscht, sondern untereinander weitergegeben. Irgendwer findet sich immer, dem das zu eng gekaufte Hemd passt“, so ihre Erfahrung.

Auch Maike Löwenbrück tauscht prinzipiell nichts um, nicht mal Dubletten: „Wenn tatsächlich mal ein Spiel doppelt geschenkt wird, dann kann man es in den Kindergarten bringen“, findet die Süderbraruperin. Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Und eine zu eng geschenkte Bluse kann auch ein Ansporn zum Abnehmen sein.“

Claus Poppenhusen, der die Feiertage bei den Eltern an der Ostsee verbringt, kauft die Geschenke für sich und seine Frau traditionell in Husum. „Jedes Jahr zu Weihnachten kommen wir zum Einkaufen her“, sagt der Leverkusener und erzählt, dass auch deshalb bisher nie etwas umgetauscht werden musste: „Was wir hier gemeinsam aussuchen, passt und gefällt.“

Genauso geht es Anke aus Frankfurt, die samt Ehemann über Weihnachten in Bergenhusen war: „Was immer er mir schenkt, es ist perfekt“, sagt sie und weiß auch, warum: „Er passt immer sehr gut auf, wenn ich mir etwas wünsche.“ „Das stimmt“, bestätigt der Gatte: „Ich fotografiere alles mit dem Handy, worauf sie mit einem gewissen Nachdruck in der Stimme hinweist. So liege ich mit meinen Geschenken immer richtig.“

Für Tobias kommt eine Rückgabe seines Geschenks überhaupt nicht in Frage. Der Grundschüler aus Witzwort bekam zu Weihnachten die ersehnte E-Gitarre. Weil aber beim Stimmen eine Saite riss, konnte er das Instrument nicht gleich ausprobieren. Mutter Veronika wusste Rat. „Gleich nach den Feiertagen gönnen wir uns in Husum einen Mutter-Sohn-Tag, besorgen eine neue Saite und essen Futjes“, versprach sie ihm. Und so ist Tobias Welt schon wieder komplett in Ordnung. „Alles super“, sagt er zufrieden.

Und dann, direkt vor der Postfiliale, doch noch eine eilige Umtauscherin: „Zum ersten Mal seit vielen Jahren“ muss Karin Wrage etwas zurückgeben. „Mein Mann hat zweimal das gleiche Kochbuch bekommen und die Handy-Hülle passt nicht zu meinem Telefon“, sagt die Itzstedterin bedauernd. Allerdings stammen ihre Fehlkäufe aus dem Internet, deshalb muss sie die nun mit der Post zurückschicken. „Nächstes Mal kaufen wir wieder vor Ort“, sagt sie.

Dem Umtauschwahn längst einen Riegel vorgeschoben hat Hella, die auf dem Weihnachtsmarkt Obst verkaufte: „Ich schenke nur noch Bares und Gutscheine“, sagt die Rosendahlerin. Vor allem die jungen Leute würden sich darüber viel mehr freuen, als über einen gut gemeinten teuren Pullover, der am Ende so gar nicht den Geschmack trifft.

Auf die Frage nach einem „umtauschsicheren Geschenk“ hat sie eine verblüffend einfache Antwort: „Ich würde eine hübsch dekorierte Ananas schenken. Ich glaube nicht, dass die jemand ernsthaft umtauschen möchte.“

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erstellt am 29.Dez.2016 | 10:00 Uhr

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