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Podiumsdiskussion zum Islam : Ein Thema und ganz viele Interpretationen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Einige hundert Schüler hatten sich in der Theodor-Storm-Schule versammelt, um sich über den Islam informieren zu lassen. Imam Adeel Ahmad Shad versicherte, dass diese Religion friedfertig sei.

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erstellt am 26.Feb.2015 | 16:30 Uhr

„Nicht übereinander, sondern miteinander“ reden, war als Botschaft auf einem Transparent in der überfüllten Aula der Theodor-Storm-Schule (TSS) zu lesen, in der sich einige hundert Schüler von TSS, Hermann-Tast-Schule und Beruflicher Schule drängten. Und das war auch das Ziel der Podiumsdiskussion über den Islam, die unter dem Eindruck des blutigen Anschlags auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ organisiert worden war. Die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde hatte den Imam Adeel Ahmad Shad aus Kiel sowie Tahir Chandhry, einen Studenten der Islam-Wissenschaften, aufgeboten, um ihre Religion vorzustellen und die Fragen des Auditoriums zu beantworten. Und die waren zahlreich – und bohrend.

Wie vielschichtig das Thema ist, wurde schon am Anfang durch einen Film verdeutlicht, mit dem die Ahmadiyya-Gemeinde sich, ihre Geschichte und ihr Motto „Liebe für alle, Hass für keinen“ selbst vorstellte – und der so einen ganz anderen Eindruck vom Islam vermittelte als der, der sich einem nach den ständigen Nachrichten von den Gräueltaten des Islamischen Staates (IS) im Irak und Syrien aufdrängt: „Islam steht für Friede, Nächstenliebe und Liebe zur Natur“, erläuterte der Imam. „Und die, die in seinem Namen Gewalt anwenden, haben keinen Blick für die innere Schönheit des Islam.“

Noch deutlicher wurde der 20-jährige Husumer Berufsschüler Daniyal Ahmad, der in einer kurzen Einführung seiner Sorge darüber Ausdruck gab, dass sich „eine verstörende Anzahl junger Muslime aus Europa“ der Terrororganisation IS anschließen würde. „Deren Ziel ist die Zerstörung des Weltfriedens.“

Wieso sei denn aber ausgerechnet der Islam so anfällig für extremistische Auswüchse, wollte ein Schüler wissen. „Extremismus wächst besonders gut in kriegsgeschüttelten Regionen wie Syrien und Irak“, sagte Chandhry. Und wie sei dann der Zulauf von jungen Muslimen aus Europa zu erklären, lautete die Zusatzfrage. „Denen wird erzählt, dass der Islam angegriffen werde und ihre Brüder und Schwestern in Gefahr seien“, so der Student weiter. Man könne ja alles nach Belieben uminterpretieren, wenn man egoistische Ziele habe – und die Ziele des IS seien machtpolitisch und nicht religiös. Hier werde der Islam vorgeschoben.

Interpretation war überhaupt das Schlagwort, das die Debatte beherrschte: Fast alle Fragen aus dem Publikum, die sich um Themen wie die Rolle der Frau oder um die der Nicht-Muslime, um Verschleierung und Scharia oder um Krieg und Frieden drehten und oftmals mit konkreten Koran-Zitaten zum Thema angereichert waren, wurden von dem angehenden Islam-Wissenschaftler mit dem Hinweis auf den historischen Kontext beantwortet – dass der Koran im siebten Jahrhundert entstanden sei, wo die gesellschaftlichen Verhältnisse anders gewesen seien, oder dass das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen oder auch nur mehrdeutig übersetzt wurde. „Der Koran ist kein Nachschlagewerk, man muss ihn auslegen.“

Erst das Thema der Mohammed-Karikaturen von „Charlie Hebdo“ lockte Tahir Chandhry aus der Reserve. „Ja, da habe ich mich verletzt gefühlt, weil wir den Propheten mehr lieben als alles andere und er für uns die Perfektion aller Tugenden ist.“ Witze über den Holocaust, über Farbige und über Homosexuelle seien doch auch verpönt, wieso dürfe man sich dann über den Islam lustig machen, so Chandhry. Menschen fühlten sich eben verletzt, wenn etwas angegriffen werde, was ihnen wichtig ist, und das sollte man nicht tun. „Dann müsste Satire ja ganz verboten werden, weil sich immer jemand angegriffen fühlt“, hakte Schüler-Moderator Simon Thams nach. Werde eine heilige Person zur Zielscheibe, fühlten sich aber besonders viele verletzt, entgegnete Chandhry. „Wir sagen ja nicht, dass das verboten werden soll, aber muss das sein?“ Und am Tag des Anschlags habe es eine besonders provokante Karikatur gegeben, so der didaktisch hervorragend geschulte Student weiter. Was er beklage, sei zudem die Doppelmoral: Antisemitismus werde bestraft, Hetze gegen den Islam hingegen nicht.

„Da bleiben ja noch viele Fragen offen“, schloss Thams die Veranstaltung. „Aber immerhin: Wir haben heute miteinander geredet – und das ist der richtige Weg.“

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