Mehr Jugendbeteiligung : Ein Sprachrohr für den Nachwuchs

Haben bereits Vorgespräche über die Umsetzung geführt: Niklas Denkmann (l.) und Bernd Biermann.
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Haben bereits Vorgespräche über die Umsetzung geführt: Niklas Denkmann (l.) und Bernd Biermann.

Niklas Deckmann möchte einen Kinder- und Jugendbeirat in Husum installieren – und stößt bei Politik und Verwaltung auf Wohlwollen. Von mancher Seite wird allerdings eher eine stärkere Beteiligung bei Einzelprojekten als ein derartiges Gremium favorisiert.

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05. Juni 2014, 13:00 Uhr

Husum hat einen Seniorenbeirat und einen Beauftragten für Menschen mit Behinderung. Was nach Ansicht von Niklas Deckmann fehlt, ist ein Kinder- und Jugendbeirat, der sich um die Belange der jungen Menschen in der Stadt kümmert. Weil aber der 16-jährige Schülersprecher der Ferdinand-Tönnies-Gemeinschaftsschule politisch sehr aktiv ist, beschloss er, die Gründung eines solchen anzustoßen. Und lieferte bei Bürgermeister Uwe Schmitz und den Vorsitzenden der im Stadtverordnetenkollegium vertretenen Parteien ein Papier ab, das nicht nur um die Thematisierung dieses Vorhabens bat, sondern gleich Vorschläge zur konkreten Ausgestaltung beinhaltete. Dabei vergaß er nicht, auf den Paragrafen 47f von Schleswig-Holsteins Gemeindeordnung hinzuweisen, der eine „angemessene“ Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei allen Vorhaben, die die junge Generation betreffen, vorschreibt.

Der Bürgermeister zeigte sich beeindruckt und lud Niklas Deckman zum Gespräch. Und informierte über dessen Inhalte die Vertreter der Parteien – natürlich in Gegenwart des Schülers. „Wir haben bei unserer Unterhaltung ausführlich Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken erörtert“, erläuterte Schmitz. Die Stadt könne da schon auf Erfahrungen zurückgreifen: „Nach Einführung dieser Vorschrift in den 90er Jahren hatte das städtische Haus der Jugend den Auftrag bekommen, sich mit der Gründung eines Kinder- und Jugendbeirates zu befassen.“ Die anfängliche Euphorie sei jedoch schnell auf der Strecke geblieben und das Parlament sanft „entschlafen“, woraufhin vereinbart worden sei, Kinder- und Jugendbeteiligung lieber projektbezogen vorzunehmen – etwa bei der Neuanlage von Spielplätzen oder -anlagen. „Die Jugendlichen wachsen auch schnell aus dem Alter raus, wo das Parlament interessant für sie ist und dann sind schulische oder berufliche Dinge wichtiger für sie“, so Schmitz weiter. Zudem nehme die Offene Ganztagsschule jetzt auch viel mehr Zeit ein als Schule in früheren Jahren. „Vielleicht sollte man eine junge Einwohnerversammlung einberufen, um das Interesse auszuloten.“

Dass die Husumer Jugend in die sie betreffenden Entscheidungen eingebunden werden müsse, darüber herrschte bei den Politikern Einigkeit. Über das Wie allerdings weniger: „Die CDU-Fraktion begrüßt es immer, das Interesse von Heranwachsenden für Politik und Gemeinwohl zu fördern“, führte Lothar Pletowski aus. „Aber wir bezweifeln wie der Bürgermeister, dass ein Beirat den gewünschten Erfolg haben wird.“ Daher favorisiere auch seine Partei eine Projektbeteiligung.

„Geben wir ihnen doch eine Chance“, hielten Reimer Tonder und Helmut Stemke von der WGH dagegen, Horst Bauer (SPD) erinnerte sich an die eigene Vergangenheit und sagte augenzwinkernd: „Früher hätten wir das lautstark eingefordert.“ Heute müsse aber der Bedarf ausgelotet werden, wieviel Resonanz es gebe und wieviel Engagement da hereingebracht werde. Denn: „Demokratie von oben anzuordnen funktioniert mäßig bis gar nicht.“ Und die entsprechende Altersgruppe müsse im Beirat ja am Ende auch repräsentativ vertreten sein. Ursula Vogt (Grüne) wiederum warnte davor, die Idee nur deswegen abzulehnen, weil man früher einmal schlechte Erfahrungen gemacht habe. Die Idee der Bedarfsermittlung schloss sie sich aber an, ebenso wie Pletowski. Und Lothar Knoll (FDP) schlug vor, das Kinder- und Jugendforum BISS als Anlaufstelle mit ins Boot zu nehmen.

Für diesen Ansatz war Niklas Deckmann sofort zu haben. „Die Einrichtung eines Jugendbeirates ist schwierig, aber nicht unmöglich“, sagte er. Und über eine projektbezogene Beteiligung dieses große Ziel zu erreichen, sei eine gute Idee. Die Bedarfsermittlung, so versprach der FTS-Schüler, werde er angehen und den Politikern das Ergebnis mitteilen, damit das Thema Kinder- und Jugendbeirat Eingang auf die Agenda des Sozialausschusses finden kann.

Derzeit läuft die Ermittlung, und mit dem Leiter des BISS, Bernd Biermann, hat es auch schon Gespräche gegeben. „Wir haben das hier in einer Runde diskutiert, wo neben Niklas und anderen FTS-Schülern auch Mädchen vom Mädchentreff und Interessierte aus der offenen Jugendarbeit dabei waren“, sagt Biermann, der sich freut, dass eine stärkere Entscheidungsbeteiligung der Jugend bei den Stadtpolitikern durchweg so positive Resonanz gefunden hat. Ein Ergebnis der dreistündigen Debatte sei aber gewesen, dass sich die Diskussionsteilnehmer mehr für eine Projektbeteiligung interessierten. „Aber vielleicht gelingt es ja, in der FTS genug Mitstreiter für ein Gremium zu finden.“

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