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Kindesmissbrauch im Fokus : Ein Sportverein kümmert sich um Tabuthemen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der TSV Husum 1875 macht die Prävention von sexueller Gewalt gegen Kinder zum Gegenstand von Workshops. Die Trainer sollen auf Anzeichen achten - und selber keine Angriffsflächen bieten, etwa wenn sie Hilfestellung geben.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Als einer der ersten Sportver-eine hat sich der TSV Husum 1875 mit seinen Übungsleitern an das noch sehr wenig verbreitete Thema der Prävention von sexueller Gewalt gegen Kinder gewagt. Die Sportverbände hatten sich des Themas angenommen und befürwortet, dass die Sportvereine es weitertragen. Und bereits im Frühjahr hatte sich der Referent und Präventionsbeauftragte des Kinderschutz-Zentrums Westküste, Lars Wulff, mit dem Vereinsmanager des TSV, Henning Jessen, diesbezüglich in Verbindung gesetzt. „Es hat nicht lange gedauert, bis wir uns einig waren, denn dieses Thema ist ungemein wichtig – und zwar nicht nur für Sportvereine, sondern für die gesamte Gesellschaft“, fasst Jessen die Ergebnisse dieses Gesprächs zusammen.

Sportvereine bieten im allgemeinen eine breit angelegte Kinder- und Jugendarbeit an. Dementsprechend gehört der Sport auch zum Leben eines Kindes dazu. Und Trainer sind wichtige Bezugspersonen. Hier gilt es, weitergehendes Vertrauen aufzubauen, um zum Beispiel Kinder zum Mitteilen und Erzählen zu ermutigen, falls sie etwas in dieser Richtung erlebt haben. Darüber hinaus sollten Übungsleiter sensibilisiert für die Anzeichen von sexueller Gewalt sein, um mögliche Verhaltensauffälligkeiten bei Tätern und Opfern zu bemerken.

Aber die Thematik geht noch weit darüber hinaus. Welche Vereinsstrukturen fördern die Prävention? Worauf müssen Trainer selbst achten, um zum Beispiel beim Geben von Hilfestellungen oder ganz allgemein im Umgang mit dem anderen Geschlecht möglichen Anschuldigungen von Anfang an keine Grundlage zu geben? Wie kann man jungen Nachwuchstrainern das dazu notwendige Wissen und Handwerkszeug geben, um ihnen Probleme zu ersparen? In einer ersten Basisveranstaltung wurden diese und weitere Interessenfelder der Teilnehmer erarbeitet. Daraus entstehen nun weiterführende kleine Workshops, die voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres stattfinden werden.

Die Beteiligung entsprach den aktuellen Erfahrungen: Ein volles Haus hatte keiner erwartet, da das Thema in der Gesellschaft noch immer stark tabuisiert wird und sich noch lange nicht jeder gewappnet fühlt, um sich damit so direkt auseinanderzusetzen. Dennoch fand sich eine engagierte Gruppe zusammen und konnte auf dieser Veranstaltung entscheidend dafür sorgen, dass dieses Thema eine weitere Fortsetzung innerhalb der Arbeit des TSV Husum 1875 finden wird.

Auch Lars Wulff war sehr zufrieden und nahm die Anmerkungen und Ergebnisse gerne mit. „Es ist hochinteressant, den Blickwinkel eines Sportvereins und seiner Trainer zu erleben, denn das hilft uns in unserer Arbeit, die Themen optimal auf das Umfeld eines solchen Vereins zuzuschneiden“, fasste Wulff zusammen. Und warb für weitere Verbreitung: Andere Institutionen, die sich auf diesen Weg begeben möchten, sollten sich nicht von der anfänglich meist geringen Beteiligung enttäuschen lassen, sondern die Notwendigkeit erkennen, dass dieses Thema weitaus mehr Aufmerksamkeit verdient als es bislang hatte.

Der TSV jedenfalls hat mit diesem Auftakttreffen einen guten Anfang gemacht und wird alles daransetzen, den Sport zu einem sicheren und vertrauensvollen Umfeld zu machen. „Nicht zuletzt stärkt die Präventionsarbeit in diesem Bereich auch die Qualität des gesamten Angebotes des Vereins“, ist sich Henning Jessen sicher.

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