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Abschiedsfeier der Alt-Katholischen Gemeinde : Ein Seelsorger mit viel Humor

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Pfarrer Georg Reynders von der Alt-Katholischen Gemeinde Nordstrand wurde in den Ruhestand verabschiedet. 22 Jahre lang war er in dem kleinen Dom auf dem Deich tätig.

Ein letztes Mal zog Georg Reynders unter festlichen Orgelklängen als Gemeinde-Pfarrer der Alt-Katholischen Kirchengemeinde in den kleinen Inseldom von Nordstrand ein. Anders als sonst schritt er nicht allein oder mit Kirchengemeinderatsgliedern in den Altarraum, sondern ihn begleiteten Amtskollegen sowie Bischof Dr. Matthias Ring, Pfarrer Oliver Meik von der Römisch-Katholischen Gemeinde und Pastor Thorsten Wiese von der Evangelischen Kirchengemeinde Odenbüll. Auch Ehefrau Cornelia war mit dabei und stärkte ihrem Mann den Rücken in dieser besonderen Stunde. Nach 22 Jahren ging eine Ära zu Ende. Der auch in Bevölkerung und Politik geschätzte und beliebte Seelsorger verabschiedete sich aus gesundheitlichen Gründen mit 63 Jahren in den Ruhestand.

Mit sehr persönlichen Worten entband ihn der Bischof von den Amtspflichten. „Du bist nach Stationen in Mannheim und Wiesbaden am 13. November 1993 für Nordstrand ordiniert worden. Mit viel Eifer hast Du das Gemeindeleben bereichert. Du hast die Gabe entfaltet, auf Menschen zuzugehen und das Wort lebendig und alltagsnah zu verkünden“, sagte er. Für rund 350 Gemeindeglieder, die auch in Kiel, Hamburg, Lüneburg und Bremen leben, sei er immer da gewesen. Auch in diesen Städten hat Reynders Gottesdienste gehalten, meist in evangelischen oder römisch-katholischen Kirchen, und natürlich im Theresiendom auf Nordstrand. Insbesondere an Festtagen sei das eine Herausforderung gewesen. Als verlässlicher Redakteur habe er für Publikationen und Gestaltung der Gemeindeblätter gesorgt und auch so viele Spuren deutschlandweit hinterlassen. Eigentlich hätte er, so Dr. Ring schmunzelnd, die Bezeichnung „Alt-Katholischer Apostel des Nordens“ verdient. Gelebte Ökumene habe er betrieben, und somit die Bande zwischen den Kirchen auf Nordstrand mit gefestigt. Ökumene stehe ohnehin im Mittelpunkt der Alt-Katholiken nach dem Motto „im Notwendigen Einheit, in Zweifelsfragen Freiheit, in allem die Liebe.“

Lobende Worte für gute Zusammenarbeit fanden denn auch die Vertreter der beiden anderen Konfessionen. Mit launigen Worten dankte Bürgermeister Werner-Peter Paulsen für die seelsorgerische Arbeit – immer mit einem Stück Humor zur rechten Zeit. Von Touristen habe er immer wieder gehört, dass die Gottesdienste nachklangen und die ins Leben gerufenen „Atempausen“, halbstündige Abendandachten mit Orgelmusik, ein Stück Urlaub gewesen seien.

Die Mitglieder des Kirchenvorstandes hatten noch eine besondere Überraschung im Gepäck. Sie hatten zum Lieblingslied des Pfarrers, dem irischen Segen „Möge die Straße…“ einen auf seine Person gemünzten Text gedichtet, in das die Gemeinde einstimmte. „Ermutigende Worte, stärkende Predigt, frei gesprochen, gestisch untermalt und so manchen Witz zum Nachdenken parat“, war eine der vielen treffenden Zeilen. „Macht nicht soviel Aufhebens um mich. Ohne euch alle wäre die Alt-Katholische Gemeinde Nordstrand nicht das, was sie ist. Lasst es euch gut gehen und nehmt meinen Nachfolger auf“, damit verabschiedete sich Reynders. Er dankte seiner Frau und den beiden erwachsenen Kindern für Verständnis und Unterstützung. Manches Weihnachts- und Osterfest musste wegen der weiten Dienstreisen improvisiert stattfinden.

Der Nachfolger Reynders wird in den nächsten Wochen wie üblich von der Gemeindeversammlung gewählt. Die Kirche entstand 1873 im deutschen Sprachraum aus dem Widerstand gegen die auf dem Ersten Vatikanischen Konzil von der Römisch-Katholischen Kirche zur verbindlichen Lehre erhobenen Unfehlbarkeit und oberste Leitungsgewalt des Papstes. Da die Gegner aus der Kirche ausgeschlossen wurden, mündete die Bewegung in der eigenständigen Alt-Katholischen Kirche. Das Zölibat wurde abgeschafft, und auch Frauen durften und dürfen seelsorgerische Aufgaben übernehmen. Heute finanzieren sich die Alt-Katholiken über die Kirchensteuer. Es gibt 40 Gemeinden mit insgesamt rund 16.000 Mitgliedern in Deutschland. Bischofssitz ist Bonn.

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