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Kreis Nordfriesland : Ein Schub für die Kindertagespflege

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Nachfrage übersteigt das Angebot: Um mehr Betreuungspersonal zu qualifizieren, will die Kreisverwaltung das Berufsbild aufwerten.

Seit 1. August 2013 haben Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung. Mit der Folge, dass sich neben der Tagesstätte zunehmend die Tagespflege als vertrauenswürdige Betreuungseinrichtung etabliert – auch in Nordfriesland. In diesem Zusammenhang hat der Bund die Arbeit des entsprechenden Personals aufgewertet: Für Kinder unter drei Jahren gilt die Tagespflege als gleichwertige Alternative zum Kindergarten.

Im Kreis übersteige die Nachfrage allerdings schon jetzt das Angebot – und eine ganze Reihe erfahrener Tagespflege-Personen (so die politisch korrekte Bezeichnung) habe angekündigt, in den kommenden Jahren aus Altersgründen aufzuhören. Das machten jetzt im Rahmen eines Pressegesprächs die zuständigen Fachleute der Kreisverwaltung in Husum deutlich. Angesichts dieser Entwicklung schreibt man sich dort auf die Fahnen, die Kindertagespflege attraktiver zu machen.

„Den größten Bedarf an Kindertagespflege-Plätzen gibt es in Orten mit vielen Arbeitsplätzen, also insbesondere in Husum, Niebüll und auf Sylt“, stellt Anna Woile aus dem Fachbereich Jugend, Familie und Bildung fest. Auch im ländlichen Raum steige die Nachfrage, verteile sich allerdings auf viele Orte. Die Eltern übergeben ihr Kind morgens der Tagespflege-Person und holen es nach Feierabend wieder ab. Rund 50 aktive Tagespflege-Personen gibt es im Kreisgebiet. Die älteste ist 68, die jüngste 23 Jahre alt. Sie betreuen rund 200 Kinder in einem familiären Umfeld und setzen in ihren Angeboten individuelle Schwerpunkte, zum Beispiel eine besonders naturnahe Betreuung, bei der die Kleinen viel an der frischen Luft sind.

„Momentan empfehlen wir Neueinsteigern häufig, sich besonders auf die Bedürfnisse der unter Dreijährigen einzustellen“, erklärt Woiles Kollegin Karin Jacobsen-Jordt. Viele Eltern wollen gleich nach Ende des Elterngeld-Bezuges, also nach zwölf beziehungsweise 14 Monaten, wieder zumindest in Teilzeit arbeiten. Sie können frei wählen, ob sie ihr Kind lieber in eine Kita oder in eine Tagespflege geben möchten – und auch, in welche. Bei so jungen Kindern ist besonders Feinfühligkeit der Tagespflege-Personen gefragt: „Man muss in der Lage sein, schnell einen guten Kontakt zu den Kleinen aufzubauen und intuitiv erfassen, welche Bedürfnisse sie haben“, betont Jacobsen-Jordt. Haben die Kinder den dritten Geburtstag gefeiert, sollen sie nach dem Willen des Gesetzgebers eine normale Kita besuchen. Tagespflege-Personen dürfen höchstens fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Da die Arbeits- und Wegezeiten vieler Eltern nicht genau zu den festen Öffnungszeiten einer örtlichen Kita passen, greifen sie gerne auf Tagespflege-Personen zurück, die die Kinder in den Randzeiten betreuen.

Um dem Berufsbild angesichts des absehbaren Mangels entsprechender Fachkräfte mehr Attraktivität zu verleihen, „denken wir zunächst daran, die Qualität der Ausbildung für Tagespflege-Personen weiter zu steigern“, berichtet Daniel Thomsen. Außerdem – so der Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie und Bildung des Kreises – sollen die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert und die Entgelte erhöht werden. Die Richtung sei mit dem Jugendhilfeausschuss des Kreises abgestimmt, im Herbst erwarte das Gremium konkrete Vorschläge.

Schon seit Jahren bietet der Kreis Nordfriesland spezielle Qualifizierungsmaßnahmen an. In 160 Unterrichtseinheiten und einem Praktikum werden pädagogisches und entwicklungs-psychologisches Wissen sowie rechtliche Aspekte vermittelt. Die ersten 50 Stunden verteilen sich über ein halbes Jahr und liegen dabei jeweils auf einem Sonnabend, der Rest folgt später berufsbegleitend. Nur wer die Prüfungen besteht, erhält vom Kreis eine offizielle Erlaubnis zur Kindertagespflege.

Anna Woile und Karin Jacobsen-Jordt sind die Ansprechpartnerinnen für Tagespflege-Personen in der Kreisverwaltung. Sie beraten Interessierte und organisieren die Kurse. Auch danach bieten sie regelmäßige Fortbildungen für Tageseltern an, die gleichzeitig dem Erfahrungsaustausch und der Besprechung fachlicher Fragen dienen. Die beiden hoffen jetzt auf viele Bewerbungen: „Tagespflege ist ein Beruf mit Zukunft, in dem man sich niemals langweilt!“ Für nähere Auskünfte steht außerdem Andrea Achtmann unter Telefon 04841/67510 zur Verfügung.

Dieter Harrsen sind die Vorteile ebenfalls bewusst. Der Landrat betont: „Tagespflegestellen haben sich einen festen Platz im Bildungs- und Betreuungssektor erobert. Auch ihre Bedeutung für die Wirtschaft ist nicht zu unterschätzen – denn nur Eltern, die ihre Kinder in guten Händen wissen, können sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind Tagespflege-Personen unverzichtbar.“

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erstellt am 04.Apr.2017 | 16:00 Uhr

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