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Frachtsegler „Ontdekking“ : Ein Schmuckstück für den Hafen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der 91 Jahre alte Frachtsegler „Ontdekking“ wird restauriert und soll bald als „Sanidalee“ durch das Wattenmeer fahren. Das neue Besitzer-Ehepaar hat das Schiff in Holland gekauft.

Der Husumer Hafen ist um eine historische Attraktion reicher. Vor wenigen Tagen hat die fast 30 Meter lange und mehr als vier Meter breite „Ontdekking“ den Platz gegenüber dem Rathaus eingenommen und dort festgemacht.

„Wir haben diese Groninger Tjalk von Holland nach Husum überführen lassen“, berichten die neuen Eigentümer Kirsten und Michael Satzkowski aus Oldenswort. Sie haben das ehemalige Lastenschiff aus Stahl in den Niederlanden gekauft. Beim ersten Anblick des historischen Segelschiffes habe er sich sofort in die alte Dame verliebt, so Michael Satzkowski. Nun liegt sie an der Kaimauer im Innenhafen, wo sie eine neue Bleibe gefunden hat. „Husum wird unser Heimathafen sein“, verspricht das Ehepaar. Und nicht nur das, das Schiff soll auch das neue Zuhause für die beiden Eheleute werden. Doch bis es so weit ist, muss noch einiges an dem künftigen schwimmenden Heim getan werden. Schließlich hat das 54 Tonnen schwere Schiff schon 91 Jahre auf dem Kiel.

Die „Ontdekking“ verfügt über eine interessante Biographie. Die 1924 gebaute Tjalk wurde als Segler für das Wattenmeer konzipiert. Erstmals taucht die Bauartbezeichnung Tjalk im Jahr 1673 in einem friesischen Dokument auf. „Die ,Ontdekking‘ hat keinen Balkenkiel, sondern einen komplett flachen Boden“, erläutert der erfahrene Segler. Damit könne das Schiff in flachen Gewässern wie eben dem Wattenmeer mühelos fahren und sich – wenn nötig – auch trockenfallen lassen. Die beiden beeindruckenden Seitenschwerter sind ebenfalls ein typisches Merkmal des Plattbodenseglers: „Die Seitenschwerter sind aus massiver Eiche, mit Stahl eingefasst und wiegen mehrere Tonnen“, so der stolze Eigentümer. Auffällig ist auch der Mast, der immerhin mehr als zwölf Meter über Deck hinausragt.

Wegen ihres vielen wertvollen Stahls wäre die „Ontdekking“ im Zweiten Weltkrieg beinahe abgewrackt und zu Kriegsmaterial verarbeitet worden. Doch die damaligen Besitzer waren ideenreich und ließen sich eine geniale Überlebensstrategie einfallen: „Die haben den Lastensegler einfach in den Grachten absaufen lassen“, berichtet das Ehepaar. Nach dem Krieg wurde er wieder gehoben und flott gemacht. Mit diesem Trick ist der Wattensegler erhalten geblieben und wird, wenn alles gut geht, in neun Jahren seinen 100. Geburtstag feiern können.

Der Eigner sieht nicht nur aus wie ein typischer und erfahrener Seemann, er ist es auch. Und hat gleich mehrere beeindruckende Hobbys: „Sanidalee“ heißt das spannende und fantasievolle Kinder- und Jugendbuch, das aus seiner Feder stammt. Darin spielt das Mädchen Sanidalee, die zusammen mit einem Drachen gegen das Böse kämpft, die Hauptrolle. Doch dieser Name wird nicht nur dem Buch vorbehalten bleiben. Auch die „Ontdekking“ – so heißt sie seit ihrem Stapellauf – soll mit diesem Schriftzug am Bug im nordfriesischen Wattenmeer fahren. Zudem schnitzt Satzkowski noch prächtige Galionsfiguren, mit denen Segelschiffe früher oftmals geschmückt wurden. Ein Exemplar seines Handwerks steht sogar als Leihgabe in der fürstlichen Hofreiterschule in Bückeburg. Auch die „Ontdekking“ beziehungsweise die künftige „Sanidalee“ ist mit einer Galionsfigur ausgestattet. Aber an die, so sagt er, muss er noch Hand anlegen.

Überhaupt soll das ganze Schiff ein Schmuckstück werden. Und mit diesem will er sich bei der Stadt bedanken: „Ich bin sehr freundlich in Husum aufgenommen worden und will im Gegenzug den Hafen mit meinem Schiff verschönern.“


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