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Taufe im Hafen : Ein Schiff, das ihren Namen trägt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für die zwölfjährige Anouk Thordsen war es ein ganz besonderer Tag: Einer alten Tradition folgend durfte sie in Husum den neuen Kümo von ATR-Landhandel taufen – und nahm danach auch noch auf dessen Brücke Platz.

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erstellt am 03.Apr.2017 | 09:00 Uhr

Zuletzt machte der Husumer Hafen ja nicht gerade durch erfreuliche Nachrichten von sich reden. Die geplanten Veränderungen am Husumer Standort des Windkraftanlagen-Herstellers Senvion und der damit womöglich verbundene Stellenabbau steckt den Hafen-Anliegern noch immer in den Knochen. Da kommt jede gute Nachricht recht. Die Taufe des neuen Küstenmotorschiffes der ATR-Landhandel GmbH & Co. KG-Flotte ist so eine Nachricht. Besonders für die kleine Anouk, die dem Stahlkoloss am Sonnabend den Namen – ihren Namen – gab. Vater und Firmeninhaber Jan Thordsen folgte damit der guten Sitte, neue ATR-Schiffe nach den Töchtern der Chefs zu benennen. Ein zweiter Kümo war zuvor bereits nach der Tochter von Hauke Thordsen auf den Namen „Henrike“ getauft worden (wir berichteten). Klar, dass Anouk ein bisschen aufgeregt war, als sie die schwere Sektflasche gegen den großen Schiffskörper schleudern sollte. Das alles glatt ging, war neben dem guten Geschick der Zwölfjährigen auch das Verdienst von Kapitän Michael Hinz. Der Leiter der ATR-Schifffahrtsabteilung hatte nichts dem Zufall überlassen und vorsichtshalber nicht nur mehrere Sektflaschen gekauft, sondern alle drei davon so präparieren lassen, dass sie einfach zerplatzen mussten.

Mit „Henrike“ und „Anouk“ ist das ATR-Schiffsensemble jetzt also vollzählig. Mit jeweils 3000 Tonnen sind sie ein ganzes Stück größer als ihre Schwestern „Ilka“ (Baujahr 1985, 1600 Tonnen) und „Maike“ (1989, 2150 Tonnen). Und tatsächlich hat es eine ganze Weile gedauert, bis ein Makler, den Hinz mit der Suche beauftragt hatte, in Norwegen auf „Henrike“ und „Anouk“ stieß. Die fuhren seinerzeit freilich noch unter anderen Namen. Wenn die „Neuen“ anstelle der möglichen 3000 nur mit 2300 bis 2400 Tonnen beladen sind, können sie Husum direkt anlaufen. Andernfalls müssen sie vor den Sperrwerkstoren geleichtert werden, um nicht auf Grund zu laufen. Denn unter voller Last benötigten „Anouk“ und „Henrike“ einen Tiefgang von 4,65 Metern. Der Hafen gibt aber derzeit nur 4,20 Meter her.

„3000-Tonnen-Schiffe entsprechen genau dem, was wir brauchen“, sagt Anouks Vater Jan Thordsen. Mit ihnen sei das Unternehmen auch für die Zukunft gut aufgestellt. Dennoch plädiert er für eine Hafenvertiefung auf 4,70 Meter, weil die jeweils 90 Meter langen „Anouk“ und „Henrike“ den Hafen dann auch unter Volllast anlaufen könnten. Befördern sollen sie vorwiegend Futtermittel und Getreide – genau wie „Maike“ und „Ilka“, wobei letztere eigens für den Transport von Windkraftanlagen-Komponenten umgerüstet wurde. „Das wird uns durch die Veränderungen bei Senvion natürlich fehlen“, sagt Thordsen. Immerhin seien 80 bis 90 Prozent aller hier produzierten Anlagenteile verschifft worden. Ob das die Auslastung der vier Schiffe beeinträchtigen werde und er die beiden neuen womöglich gar nicht gekauft hätte, wenn er von den Veränderungen bei Senvion gewusst hätte? Darauf antwortet Jan Thordsen mit einem klaren Nein. Es gebe für alle vier Schiffe auch so genügend Ladung.

Und Anouk? Die strahlt bis über beide Ohren. Schließlich tauft man nicht jeden Tag ein 90-Meter-Schiff. Sichtlich stolz bemüht die junge Schiffs-„Mutter“ einen etwas abgewandelten Titel von DJ Ötzi: „Ist doch toll, wenn ein Schiff deinen Namen trägt, oder?“ Recht hat sie.

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