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Testfeld für Windkraftanlagen : Ein Schaufenster innovativer Technik

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Rechtzeitig zur Wind-Messe in Husum wird das Testfeld für Windkraftanlagen in der Südermarsch um einen 180 Meter hohen Prototypen erweitert.

Wer Husum aus südlicher Richtung anfährt, sieht es auf der linken Seite: das Windtestfeld-Nord, ein Areal mit sechs Standplätzen für Windkraftanlagen-Prototypen in der Gemeinde Südermarsch. Deren Bürgermeister Karl-Jochen Maas ist es zu verdanken, dass die 150 Hektar große Fläche für Anlagen mit einer erlaubten Bauhöhe von bis zu 200 Metern entstehen konnte. Der Visionär warf seinerzeit seinen Hut in den Ring, um den Wind-Messe-Standort Husum zu stärken.

Bereits seit Anfang 2009 arbeiteten die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFG) und das von ihr mitinitiierte Projekt „windcomm schleswig-holstein“ hartnäckig an der Gründung der nicht gewinnorientierten Windtestfeld-Nord GmbH, die letztlich am 15. Februar 2013 erfolgte. Einer der Gesellschafter ist die Messe Husum & Congress. Geschäftsführer Peter Becker dazu: „Messen leben von Innovationen – und die muss man ausprobieren können. Daher haben wir uns gerne an diesem Leuchtturm-Projekt vor unserer Haustür beteiligt.“

Entwickler und Hersteller von Windkraftanlagen müssen ihre Prototypen umfangreichen Tests zur Zertifizierung unterziehen. Dazu zählt der Volllastbetrieb über 1000 Stunden. „Die Südermarsch bietet einen starken und beständigen Wind, der wie in einem Windtrichter weht. Dadurch sind Testzeiträume von vier Monaten möglich – üblich sind bis zu neun“, erläutert Holger Arntzen, Geschäftsführer der Windtestfeld-Nord GmbH und Projektmanager der WFG, beide im Husumer Torhaus ansässig. „Darüber hinaus ist die Gemeinde Südermarsch die am zweitdünnsten besiedelte Schleswig-Holsteins. Und die Bürger haben von Anfang an eine hohe Akzeptanz gezeigt.“

Insgesamt zehn Bewerber mussten sich vorab von einem Vergaberat nach strengen Bewertungskriterien durchleuchten lassen: „Uns geht es um die Wertschöpfung für die Region“, betont Arntzen. Faktoren wie
ein Unternehmensstandort in Schleswig-Holstein, die Anzahl der Mitarbeiter, die gezahlte Gewerbesteuer sowie der Innovationsgrad spielten bei der Auswahl eine Rolle. Was Letzteres angeht, so leistete Prof. Dr.-Ing. Torsten Faber vom Wind Energy Technology Institute (WETI) der Fachhochschule Flensburg mit seiner Expertise Unterstützung – denn auch Forschungs- und Entwicklungs-Projekte werden in Kooperation umgesetzt.

Bereits vor drei Jahren ist der erste Standort an die Skywind GmbH verpachtet worden. Das Unternehmen sorgt mit seinem innovativen Zweiflügler für große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. „Anfangs verfügten wir über keine Sicherheiten und erhielten keine Kredite, auch die erforderlichen 35 Hektar Ausgleichsfläche waren nicht vorhanden“, blickt Wirtschafts-Ingenieur Arntzen zurück. Ein großer Dank gelte den Familien Andresen und Alfeld vom Tetenbüller Rosenhof, die Ökopunkte an das Projekt abgetreten hatten, dem Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt, der Kreisjägerschaft Nordfriesland und der Gemeinde Südermarsch für die Überlassung von anrechenbaren Flächen.

Als der Bebauungsplan am 28. September 2016 Rechtskraft erlangte, konnte das Projekt endlich volle Fahrt aufnehmen – und der Startschuss für den Bau der restlichen Anlagen erfolgen. Ende Februar wurde ein Umspannwerk in Betrieb genommen, um den erzeugten Strom direkt in die vor Ort verlaufende 110-kV-Hochspannungstrasse einzuspeisen. Inzwischen sind rund 35 Millionen Euro in den Ausbau geflossen, viele regionale Unternehmen waren beteiligt. Allen Betreibern steht das Areal, das sie gepachtet haben, für zehn Jahre zur Verfügung. Danach gibt es eine neue Ausschreibung. Da weitere Bewerbungen vorliegen, ist geplant, die Gesamtfläche auszudehnen. „Zur nächsten ,Husum Wind 2019‘ erscheinen weitere zwei, drei Prototypen realistisch“, bestätigt Arntzen.

Doch das ist Zukunftsmusik: Rechtzeitig zur diesjährigen Wind-Messe vergrößert erstmal eine 180 Meter hohe Senvion-Anlage die Fläche. In Verbindung mit geführten Exkursionen zum Gelände wird den Fachbesuchern der „Husum Wind“ damit ein beeindruckendes Technik-Schaufenster direkt vor Ort geboten. „Es ist einzigartig, so nah an einem Messe-Standort zu sein. Viele Hersteller fahren mit ihren Kunden zu den Anlagen. Abends werden dann in lockerer Runde Verkaufsgespräche geführt und Verträge unterzeichnet“, schwärmt Arntzen. Das erweiterte Testfeld soll in der ersten September-Woche offiziell in Betrieb genommen werden.

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