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Medizinischer Sprachführer : Ein Rezept für bessere Verständigung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Idee entstand während der Flüchtlingskrise: Der Husumer Verleger Michael Schwarz hat einen medizinischen Sprachführer entwickelt – auf Deutsch, Arabisch und Farsi.

Wer krank ist, geht zum Arzt. Wie aber kann ein Patient sein Anliegen verständlich machen, wenn er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, weil er aus einem anderen Kulturkreis stammt? Das Internet hilft häufig nur begrenzt weiter, führt teilweise sogar in die Irre. Und ein Dolmetscher steht in den seltensten Fällen zur Verfügung. Ein Problem für Hilfesuchende und Mediziner gleichermaßen. Denn wie können diese die richtige Diagnose stellen oder ihre Patienten auf Therapien und Operationen vorbereiten, wenn es an der so wichtigen Verständigung hapert?

Diese Lücke soll jetzt ein neuer Sprachführer schließen – der „MedGuide“, der aus einem engagierten nordfriesischen Verlag stammt. Michael Schwarz, Husumer Co-Verleger rund um Apple-Handbücher, hat sich während der Flüchtlingskrise mit einem Ärzteteam zusammengesetzt, den medizinischen Sprachführer entwickelt und auf Arabisch und Farsi (Persisch) übersetzen lassen. Die 500 Fragen und Antworten böten, so Schwarz, eine Detailtiefe, die sich deutlich von dem unterscheidet, was sich im Netz herunterladen lässt. Die Sprachhilfe kann nun beim Arzt oder in der Klinik-Notaufnahme eingesetzt werden, aber auch beim Apotheker. Dabei ist das Ganze produktneutral gehalten.

Die mehr als zehn Monate dauernde, fast ausschließlich ehrenamtliche Arbeit für dieses Projekt wurde von einem Team geleistet: „Neben einer Ärztin, die sich in der Flüchtlingsarbeit in Seeth – neben ihrer Arbeitszeit – engagiert hatte, trat auch ein Husumer Grafiker hinzu, der fast jeden Gesundheitsaspekt in leicht verständliche Illustrationen übersetzt hat“, erläutert Schwarz. Auch Erst-Übersetzer aus dem Irak und Iran sowie Ärzte aus den regionalen Praxen und der Husumer Klinik hätten sich eingebracht. Ein junger syrischer Arzt aus der dortigen Kardiologie konnte die Übersetzungen punktuell gegenprüfen, so der Initiator Michael Schwarz. „Bisher war alles reines Ehrenamt“, sagt er.

Realisiert werden konnte das aufwendige Gemeinschaftsprojekt dank Unterstützung einer kleinen, aber sehr aktiven Stiftung, in dessen Kuratorium Schwarz schon seit Jahren mitarbeitet. Die Stiftung „Menschenwürdiges Sterben“, hatte Ingrid von Hänisch aus Wobbenbüll vor zwölf Jahren ins Leben gerufen. Seit dieser Zeit waren zwei Dutzend Projekte mit einer hohen, fünfstelligen Summe gefördert worden, um die Themen Sterben, Tod und Trauer zu enttabuisieren. Ihr zehnjähriges Bestehen feierte die Stiftung vor zwei Jahren im Schloss vor Husum mit dem Bremer Ex-Bürgermeister Henning Scherf, der über persönliche Erfahrungen mit demenzkranken und sterbenden Menschen berichtete.

Inzwischen hat sich gesellschaftlich einiges bewegt: „Zwölf Jahre Tod und Sterben – das reicht“, sagt denn auch Ingrid von Hänisch. Die pensionierte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin hat ihrer konfessionell ungebundenen und mit einem Vermögen von 600  000 Euro ausgestatteten Stiftung gemeinsam mit dem Saxofonisten und Soziologen Dr. Dieter Grühn deshalb eine breitere Ausrichtung gegeben. Seit dem Frühjahr firmiert diese unter dem Namen „Stiftung menschenwürdiges Leben“. In den Fokus nimmt sie nun die Integration von Flüchtlingen, Randgruppen, alten Menschen, Benachteiligten oder arbeitslosen Jugendlichen. Ihre Ziele: „Die Stiftung vertritt grundsätzlich eine Einstellung des Maßhaltens und Ausgleichens. Sie unterstützt Menschen und Organisationen, die sich für eine sozial gerechtere und umweltbewusstere Gesellschaft einsetzen, und fördert Projekte und Initiativen, die den Gemeinsinn, die Hilfsbereitschaft und Respekt fremden und andersdenkenden Menschen gegenüber stärken, und die sich für eine gerechtere Verteilung der Ressourcen, für Nachhaltigkeit und gerechtere Bildungschancen und mehr Demokratie einsetzen.“ Um eine Förderung können sich Projektinitiatoren oder Institutionen unter www.stiftung -menschenwuerdiges-leben.de bewerben. Ein Kuratorium entscheidet dann, ob und in welchem Umfang Stiftungsmittel fließen können. Diese sind als Anschubfinanzierung gedacht, um Impulse zu geben und Mut zu machen, so Ingrid von Hänisch. Und da hat die Stiftung seit ihrem Bestehen „bereits ordentlich Spuren hinterlassen“, sagt Dieter Grühn.

Mit dem Sprachführer „MedGuide“ kommt jetzt eine neue hinzu. Das Projekt ist schon bei einem bundesweiten Ärztekongress in Hamburg vorgestellt worden und auf hohe Akzeptanz gestoßen. Inzwischen ist er als eines von weltweit 25 Projekten für den Aspirin Social Innovation Award, über dessen Vergabe die Jury am 9. Dezember entscheidet, nominiert, freut sich der Verleger Michael Schwarz. Und wie ein ins Wasser geworfener Stein kleine Wellen Kreise ziehen lässt, ist es ganz im Sinne der Stiftungsziele auf Nachhaltigkeit angelegt: Der Erlös der Erstauflage von 1500 Exemplaren soll dazu dienen, weitere Sprachführer aufzulegen, etwa in Türkisch und Kurdisch.

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erstellt am 06.Dez.2016 | 10:00 Uhr

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