Interview mit SHMF-Künstlerin : „Ein Querschnitt meines Lebens“

Sabine Meyer spielt seit ihrem achten Lebensjahr Klarinette.
Sabine Meyer spielt seit ihrem achten Lebensjahr Klarinette.

Die diesjährige Porträtkünstlerin Sabine Meyer spielt heute Abend beim Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Husum.

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13. Juli 2018, 09:00 Uhr


Die in Lübeck wohnende Klarinettistin Sabine Meyer pflegt das Alte, öffnet sich aber auch gern dem Neuen. Als Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) präsentiert die 59-jährige bis Ende August 19 Konzerte mit eigens entwickelten Programmen, von zeitgenössischer bis klassischer Musik, von schwungvollen bis lyrischen Klängen. Heute kommt sie mit dem Trio di Clarone ab 20 Uhr in die Messe Husum & Congress.

Sie sind in diesem Jahr Porträtkünstlerin des SHMF. Wie ist es dazu gekommen?
Das war ganz unspektakulär. Mein Mann und ich saßen mit dem Intendanten Christian Kuhnt und seiner Frau in Lübeck beim Abendessen und Herr Kuhnt fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, Porträtkünstlerin des Festivals zu werden. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Das ist schon etwas Besonderes.

Was hat Sie daran gereizt?
Ich bin ein großer Fan von Schleswig-Holstein. Mir sind fast alle Orte vertraut, an denen ich spielen werde, und ich freue mich auf die Atmosphäre, die dort herrscht. Außerdem kann ich so die Vielseitigkeit der Klarinette zeigen und zudem viele unterschiedliche und vielschichtige Projekte mit ganz besonderen Kollegen spielen. Das ist eigentlich ein Querschnitt meines Lebens.


Waren Sie es leid, dass sich Klassik-Veranstalter bei der Auswahl von Solowerken fast jedes zweite Mal nach wie vor für Mozarts Klarinettenkonzert entscheiden und Sie beim SHMF ganz andere Freiheiten haben?
Das Klarinettenkonzert von Mozart kann man eigentlich gar nicht oft genug spielen. Jedes Mal, wenn ich auf die Bühne komme, habe ich das Gefühl, ich spiele es zum ersten Mal. Daher kann ich nachvollziehen, dass es immer wieder angefragt wird, weil es einfach ein tolles Stück ist, das sich nie abspielt. Allerdings bin ich auch jemand, der schon immer mal wieder den Veranstaltern sagt: Hört mal, es gibt auch noch andere Stücke. Und diese Vorschläge werden durchaus angenommen. Wir haben natürlich nicht ein so großes Repertoire wie die Geige oder das Klavier. Aber das, was wir an Stücken haben, ist einfach von unglaublicher Qualität und Intensität – egal ob in der Kammermusik oder bei Orchesterkonzerten.

Sie haben mit fünf Jahren begonnen, Geige und Klavier zu spielen, mit acht kam dann die Klarinette hinzu. Was schätzen Sie an der Klarinette?
Ich habe alle drei Instrumente viele Jahre lang parallel gespielt. Wir hatten ein Musikgeschäft zuhause und da konnte man alles ausprobieren. Aber es wurde schnell klar, dass es ein Blasinstrument werden würde – damit kann man wie beim Singen die Töne wunderbar formen und modellieren. Das ist sehr sinnlich. Anders als beim Klavier: Wenn dessen Ton mal da ist, kann man nichts mehr verändern. Die Klarinette hat von allen Blasinstrumenten das größte Klangspektrum und eine ungeheure dynamische Bandbreite – vom absolut Leisen bis zum Fortissimo kann die Klarinette mit großer Leichtigkeit spielen.

Liegt das Klarinettenspiel auch in den Genen? Immerhin war Ihr Großvater ebenso Klarinettist wie Ihr Vater, und auch Ihr fünf Jahre älterer Bruder Wolfgang spielt dieses Instrument.
Ich habe nie überlegt: Was werde ich mal in meinem Leben machen? Es war für mich immer klar: Ich wollte Musik machen. Natürlich hätte ich auch weiterhin Geige oder Klavier spielen können. Aber ich hatte mit der Klarinette am meisten Spaß zu üben. Und als sich relativ bald die ersten Erfolge einstellten, stand mit elf Jahren für mich fest, dass ich Klarinettistin werden wollte.

Ihr Ehemann Reiner Wehle spielt das gleiche Instrument, Sie musizieren auch gemeinsam im Trio di Clarone, mit dem Sie nach Husum kommen. Kommt es da schon mal zu einem musikalischen Ehestreit oder sind Sie sich immer einig?
Nein, gar nicht! Doch wenn wir diskutieren, so geschieht dies im positiven Sinne. Etwa wenn ich unbekannte neue Werke einstudiere, dass ich sage: Hör’ dir das mal an, was sagst du dazu – und wir uns dann über das Stück und die Interpretation auseinandersetzen. Eine Konkurrenz hat es bei uns nie gegeben, sondern wir haben uns immer mit dem anderen wohlgefühlt und gesagt: Wir arbeiten zusammen, bereiten gemeinsam neue Programme vor und haben auch das Ensemble zusammen aufgebaut.

Worauf darf das Publikum sich bei Ihrem Konzert „Paris Mécanique“ freuen?
Das ist wirklich ein sehr ungewöhnliches und interessantes Programm, mit dem wir das Publikum in die „années folles“, die „verrückten Jahre“, wie die Franzosen die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen nennen, entführen. Allein schon die Drehorgel, mit der wir kommen, ist nicht nur ein Ohrenschmaus, sondern auch ein Hingucker. Pierre Charial stellt die Kartons mit den Lochstreifen selbst her und dreht dabei immer mehr auf und erzeugt die wildesten Sounds, die nur noch entfernt an die Drehorgelklänge in unseren Einkaufszonen erinnern. Wir haben einen Spannungsbogen von Eric Satie über Leroy Andersons Hit „The Typewriter“ bis zu den Komponisten der Groupe des Six, Francis Poulenc, Jean Francaix und Darius Milhaud. Auf das Programm können die Besucher sehr gespannt sein.
 

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