zur Navigation springen

Husum-Schobüll : Ein Ortsteil ohne Mobilfunk-Netz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Während der Kirchturm-Sanierung bleibt die Antenne abgeschaltet: In Schobüll sind Internet und Handy-Empfang derzeit tagsüber lahmgelegt.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 13:00 Uhr

„Kein Netz“ steht auf dem Display des Smartphones. Auch E-Mails empfangen und verschicken fällt in diesen Tagen im Husumer Ortsteil Schobüll schwer. Der Grund: Seit Anfang Mai werden – wie geplant – die Dachschindeln auf dem Kirchendach verlegt. Seit etwa drei Wochen arbeiten Dachdecker und Maurer auf dem Kirchturm. Und während der Arbeiten muss die im Kirchturm installierte Mobilfunkantenne der Telekom abgeschaltet werden.

Dieses Abschalten sorgt für ein Funkloch rund um das Kirchlein am Meer. „Selbst in Afrika kann man mit dem Mobiltelefon telefonieren – aber in Schobüll nicht“, ärgert sich der Schobüller Tim Esser. Wie groß das Problem ist, spürt auch Marielene Hinrichsen vom Restaurant „Glücklich am Meer“: „Die Gäste rufen auf meinem Handy an und kommen nicht durch“, sagt die Gastronomin. „Wir sind davon sehr betroffen. So kann ich wirklich nicht arbeiten.“

Von Montag bis Freitag wird die Mobilfunkanlage etwa von 8 bis 16 Uhr abgeschaltet, um die Arbeiter auf dem Dach vor Strahlung zu schützen. Vom Fuß der Turmfahne bis etwa zweieinhalb Meter tiefer reicht der gefährliche Bereich. „Die Strahlung ist gesundheitsschädigend. Die Handwerker haben keine Messgeräte dabei und alle befinden sich noch im zeugungsfähigen Alter. Das will ich nicht verantworten“, so der zuständige Bauleiter des Kirchenkreises Nordfriesland, Torsten Domnick. „Es tut uns leid, aber das ist ein Muss. Das alte Dach war hinfällig und musste saniert werden. Das neue hält jetzt aber auch wieder 100 Jahre.“

Eigentlich sollte die Mobilfunkanlage auf eine andere Antenne umgeschaltet beziehungsweise ein mobiler Ersatzstandort installiert werden. Dann habe es jedoch Lieferprobleme durch den Hersteller gegeben, heißt es von Seiten der Telekom. „Da die Arbeiten nun soweit fortgeschritten sind, haben wir uns jetzt aus wirtschaftlichen Gründen gegen eine Ersatzanlage für die restliche Zeit entschieden“, teilte ein Sprecher des Mobilfunkanbieters auf Nachfrage mit. „Wir bitten die vorübergehenden Unannehmlichkeiten für unsere Kunden zu entschuldigen, bitten aber auch um Verständnis.“

Zu Beginn der Kirchensanierung befanden sich die Maurer noch nicht in der Gefahrenzone, deswegen war keine Abschaltung notwendig, doch nun arbeiten sie ebenfalls auf dem Dach, allerdings zeitgleich mit den Dachdeckern. „Es ist alles minutiös durchgeplant, damit das Netz nie länger als nötig abgeschaltet werden muss“, lobt der Dachdecker Olaf Jordt. „Wir arbeiten wirklich alle mit Hochdruck.“ Seine Arbeiter fahren morgens um 6.15 Uhr los. Und die Abschaltung der Antenne beginne erst, wenn sie auf der Baustelle ankommen. „Wöchentlich wird eine Abschaltgenehmigung herausgegeben. Wir rufen dann jeden morgen eine bestimmte Nummer an und schalten die Antenne erst vor Ort ab“, sagt Jordt.

Einen festen Termin für den Abschluss der Arbeiten gebe es nicht. „Wir wollen aber so schnell wie möglich fertig werden“, so der Dachdecker. Seine Mannschaft würde auch am Wochenende arbeiten, wenn es gefordert wäre, aber dann müsste die Antenne am Sonnabend und Sonntag ebenfalls abgeschaltet werden.

Auch wenn in der Kirche Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Trauerfeiern stattfinden, werde bis zur letzten Minute gearbeitet. „Wir lassen dann oft unsere Mittagspause ausfallen, arbeiten durch und machen Feierabend, wenn die Veranstaltung beginnt.“ Vor ein paar Tagen habe sein Team eine Plane aufgespannt, um auch bei Regen weitermachen zu können, erzählt Jordt. „Wir sind schon so schnell wie möglich. Ich kann aber die Anwohner verstehen.“

Internet und Mobilfunk sind mit der Abschaltung komplett lahm gelegt. „E-Mails abrufen und verschicken geht nicht“, sagt Marielene Hinrichsen. Das Festnetztelefon funktioniere zwar manchmal noch. „Aber die Telefonanlage läuft zum Teil ja auch übers Internet.“

Gerade jetzt, wo die Saison richtig starte und die Feriengäste nach Schobüll kommen, sei ein funktionierendes Telekommunikationsnetz immens wichtig. „Die Feriengäste beschweren sich schon“, sagt Tim Esser. Doch auch wenn das Wetter so gut bleibt, werden die Arbeiten mindestens noch zwei Wochen dauern, schätzt Jordt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen