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Butendiek offiziell Am Netz : Ein Offshore-Windpark der Superlative

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

1,3 Milliarden Euro teures Projekt in Husum offiziell eingeweiht: Butendiek versorgt etwa 370.000 Haushalte mit Strom, der mitten auf der Nordsee erzeugt wird.

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erstellt am 09.Sep.2015 | 07:00 Uhr

Vor 16 Monaten hatte das geschäftige Treiben draußen auf der rauen Nordsee begonnen. Fünf Wochen ist es her, da die Arbeiten an der 80. und damit letzten Windenergieanlage ihren Abschluss fanden und Butendiek in Betrieb genommen werden konnte. Am Dienstag (8. September) nun stieg im Nordsee-Congress-Centrum in Husum die offizielle Einweihungsparty für den neuen Offshore-Windpark rund 32 Kilometer westlich von Sylt.

Zur Feier des Tages gab es einen Empfang für rund 300 geladene Gäste, unter anderem aus Frankreich, der Schweiz, Dänemark, Luxemburg, den Niederlanden und dem fernen Taiwan. Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Dr. Robert Habeck gehörte ebenso zur illustren Gesellschaft wie Bremens Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günthner, und der ehemalige Bundesumweltminister und heutige Bundestagsabgeordnete der Grünen, Jürgen Trittin. Sie alle lauschten – wenn sie nicht gerade selbst am Pult standen – interessiert den zahlreichen Redebeiträgen, in denen man sich gegenseitig Loblieder sang, aber auch die eine oder andere kritische Bemerkung über politische Rahmenbedingungen fallen ließ. Abgerundet wurde der feierliche Akt durch einen Butendiek-Werbefilm und eine vom Journalisten Andreas Neumann, dem Leiter der Tagesschau-Redaktion von Radio Bremen, moderierte Podiumsdiskussion. Und nicht zu vergessen – sozusagen als Krönung vor dem gemeinsamen Abendessen – eine Live-Schaltung in den Windpark, bei der auf der Bühne symbolisch ein überdimensionierter Stecker in eine ebensolche Buchse geschoben wurde.

Alles in allem ein würdiger Rahmen für den Abschluss eines in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerten Projektes. So handelt es sich beim Windpark Butendiek zum Beispiel um das am schnellsten umgesetzte Offshore-Vorhaben, wie Martin Lehnhoff bereits im Vorfeld festgestellt hatte. „Nur elf Monate nach Baubeginn hatten bereits Anfang Februar die ersten Anlagen Strom in das öffentliche Netz eingespeist“, so der Projektleiter vom Bremer Planer und Betreiber wpd.

Bei Weitem nicht der einzige Superlativ, auf den die Macher stolz sind. Dank der intensiven Zusammenarbeit aller Beteiligten sei das Ganze in vielerlei Hinsicht zu einer wahren Erfolgsgeschichte geworden, stellte etwa auch Achim Berge Olsen, Geschäftsführer der OWP Butendiek GmbH & Co. KG und der wpd offshore solutions GmbH, fest: „Eines der ersten Projekte ohne Zeitverzögerung, Budgetüberschreitung und Unfälle.“ Und: Bei der Installation seien bezüglich der Schall-Emissionen die bislang niedrigsten Werte gemessen worden. Aufgrund seiner günstigen Voraussetzungen – das Windvorkommen, eine Wassertiefe von 20 Metern und hervorragende Bodenbedingungen – gilt Butendiek denn auch als eines der attraktivsten Offshore-Windprojekte in der deutschen Nordsee.

Die bietet einzigartige Lebensräume für Flora und Fauna – und sollte von Vornherein unter allen Umständen, vor allem bei jeglichen ökonomischen Eingriffen, geschützt und erhalten werden. Für Butendiek wurden drei Jahre lang alle potenziellen Einflüsse auf das Ökosystem untersucht – mit besonderem Fokus auf Benthos (Bodenlebewesen), Fische, marine Säugetiere sowie Rast- und Zugvögel. Aufgrund der Lage im Naturschutzgebiet wurde außerdem während der Bauphase auf den Schallschutz besonderes Augenmerk gelegt.

Was die technischen Dimensionen angeht, so hinterlässt der Offshore-Park ebenfalls eine Menge Eindruck (siehe dazu auch unten stehenden Info-Kasten). Zum Beispiel ist jedes der Rotorblätter an den 80 auf konischen Stahltürmen montierten Windturbinen 58,5 Meter lang und mit einem Pitch-Mechanismus ausgestattet, der eine kontinuierliche Optimierung des Betriebes gewährleistet. Der Großteil der Komponenten wurde in Dänemark hergestellt und von Esbjerg aus herangeschafft. Um die Mühlen mit dem Offshore-Umspannwerk zu verbinden, wurde Butendiek intern mit Kabeln vernetzt, die insgesamt rund 85 Kilometer lang sind. Besagtes Umspannwerk ist eines der komplexesten Bausteine des Windparks – und dient unter anderem als Sammelpunkt für den produzierten Strom.

Um die Übertragungsverluste zu minimieren, wird die von den Butendiek-Anlagen erzeugte Mittelspannung von 33 Kilovolt (kV) in 155 kV umgewandelt und über eine 864 Megawatt umfassende Netzanbindung zur Konverter-Plattform SylWin von Tennet weitergeleitet. Von dort nimmt der Strom über rund 160 Kilometer See- und 45 Kilometer Landkabel den Weg bis zur Konverter-Station in Brunsbüttel.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist unter anderem auch Jürgen Trittin in seiner Eigenschaft als Bundesumweltminister, der er von 1998 bis 2005 war, zu verdanken. „Ohne ihn wäre das Projekt Butendiek seinerzeit gleich in den ersten Monaten gestorben“ – mit diesen Worten holte Moderator Neumann den Politiker als Festredner auf die Bühne. „Die deutsche Energiewende ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte der 61-Jährige unter anderem: „Sie war erfolgreicher als viele gedacht haben – mich eingeschlossen!“ Mittlerweile werde in der Bundesrepublik ein Drittel des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen – „so irre ich mich gerne“. Die deutsche Energiewende habe längst globale Züge angenommen und die erneuerbaren Energien wettbewerbsfähig gemacht, so Trittin.

Sein Parteifreund Habeck, Umweltminister des Landes, bezeichnete das Projekt Butendiek als Mahnmal, bei den klimapolitischen Anstrengungen nicht lockerzulassen. „Die Chance der Energiewende ist, Wohlstand und Fortschritt mit den natürlichen Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft zu versöhnen.“

Zahlen und Fakten

 

❍ 80 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 288 Megawatt (MW)

❍ Eckdaten der einzelnen Windturbinen vom Typ SWT-3.6-120

(Siemens Wind Power): Nabenhöhe: 91 m; Rotordurchmesser:

120 m; Nennleistung: 3,6 MW; Einschaltgeschwindigkeit: 3-5 m/s; Nennwindgeschwindigkeit: 13-14 m/s; Ausschaltgeschwindigkeit: 25 m/s; Gewicht (Gondel und Rotor): 250 Tonnen

❍ Wassertiefe: etwa 20 Meter


❍ Investoren: Marguerite Fund, Siemens Financial Services,

Industriens Pension (IP), Pensionskassernes Administration (PKA), CDC Infrastructure, ewz (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich) und wpd


❍ Versorgung von ca. 370.000 Haushalten mit erneuerbarer Energie


❍ Gesamtinvestitionssumme: 1,3 Milliarden Euro

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