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KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing : Ein neuer Blick in die Vergangenheit

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Alles neu in der Gedenkstätte: Das ehemalige KZ Husum-Schwesing wird Ende April wiedereröffnet – mit einem zeitgemäßen Informationssystem für Besucher.

„Gegen das Vergessen“ – eine unausgesprochene Mission und konzertierte Aktion zugleich, die kurz vor dem erfolgreichen Abschluss steht: Ende April soll die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing neu eröffnet werden. „Wir sind sehr, sehr gut davor“, zog Burkhard Jansen jetzt vor dem Kuratorium der Stiftung Nordfriesland Bilanz. „Wir“ – das sind außer dem Fachbereichsleiter für Kreisentwicklung, Bauen, Umwelt und Kultur selbst noch Johanna Jürgensen und Heiko Stöven. Die eine treibt als Stiftungs-Geschäftsführerin den Ausbau der Erinnerungsstätte vor den Toren Husums konzeptionell voran, der andere ist als Projektleiter aus dem Fachdienst Gebäudemanagement und Liegenschaften des Kreises für die bauliche Umsetzung zuständig.

„Wir haben das Gelände in relativ großem Umfang freischneiden lassen“, sagte Jansen. Es komme jetzt „kahl, leer und nicht mehr so schön“ daher. Aber, so der Fachbereichsleiter des Kreises, schließlich handele es sich auch um eine Gedenkstätte, „die widerspiegeln soll, was Menschen dort erlebt haben“. Grausamkeiten nämlich, die Husum-Schwesing die höchste Sterblichkeitsrate aller 87 Außenstellen des Konzentrationslagers Neuengamme einbrachten: Schwerste Zwangsarbeit, ständige Misshandlungen und notdürftige Kleidung bei zum Teil eisigen Temperaturen führten in Verbindung mit den mangelhaften sanitären Einrichtungen und der völlig unzureichenden medizinischen Versorgung dazu, dass dort innerhalb von nur drei Monaten 300 Menschen krepierten.

Ein schrecklicher Abschnitt der Geschichte, der nie in Vergessenheit geraten darf – je zeitgemäßer das Fenster zu dieser dunklen Vergangenheit geöffnet werden kann, desto eindringlicher die Botschaft für nachfolgende Generationen: Seht her, welches Leid Menschen einander antun können – auf dass nie mehr ein solches Verbrechen geschehe!

In Schwesing ist in den vergangenen Monaten alles dafür getan worden, diese Mahnung ein Stück weit fester im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern. Jahrelang war sich der geneigte Besucher der Gedenkstätte in der Regel ein wenig verloren vorgekommen, eher unzureichend informiert über das, was dort – in der Gemarkung Engelsburg – im Herbst und Winter 1944 geschah. Und damit auch in relativer Unkenntnis der Bedeutung, die von diesem Ort eigentlich ausgeht. Das soll in Zukunft nicht mehr so sein – dank eines neuen Vermittlungskonzeptes und einer einfachen, aber zweckmäßigen Ausstattung. Dazu gehört eine Ausstellung genauso wie ein Besucherzentrum und ein Lotsen-System.

395  000 Euro werden am Ende in der neuen KZ-Gedenkstätte stecken, rechnete Jansen dem Kuratorium vor. „Das finanzielle Restrisiko liegt bei 5000 bis 7000 Euro – das ist bei einem solchen Projekt mehr als vertretbar.“ Weitere Spenden, unter anderem von der Bürgerstiftung schleswig-holsteinische Gedenkstätten, seien in Aussicht gestellt worden. Was die neue Ausstattung angeht, so berichtete Jansen unter anderem vom so genannten Audioguide: „Wir werden mehrsprachige Angebote auf Deutsch, Englisch, Dänisch, Niederländisch und Polnisch haben.“ Das macht insofern Sinn, als die Schergen des Nationalsozialismus’ vor 73 Jahren zum großen Teil junge Männer aus Nachbarländern wie Polen, Dänemark und den Niederlanden nach Schwesing deportiert hatten – eingepfercht in Viehwaggons.

Für Hörgeschädigte wurde ebenfalls ein Informationssystem mit Induktionsschleife entwickelt – und für Gehörlose gibt es laut Jansen später noch ein Druckerzeugnis. Man werde nicht nur Besuchern, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, „vollumfänglich barrierefrei“ gerecht, sondern biete insgesamt ein „sehr modernes Konzept, das für alle Bevölkerungsgruppen nutzbar ist“.

Zur neu konzipierten Gedenkstätte wird auch das Haus der Gegenwart gehören – ein Besucherzentrum „mit klarem Profil“ (Jansen). Dort führen mehrere Workshops dreisprachig an drei Themen-Komplexe heran: „Strafverfolgung  / Kriegsverbrechen“, „Weiterleben mit der Geschichte“ sowie „Handlungsspielräume: Zivilcourage und Widerstand“.

Anlässlich der am Freitag, 28. April, geplanten Neueröffnung werden 6000 Euro bereitgestellt. Das beschloss das Kuratorium am Ende von Jansens Ausführungen, die schließlich in die Vorstellung des Programms mündeten. Demnach erwartet man bis zu 250 geladene Gäste zu den Feierlichkeiten. Diese werden ab 12.30 Uhr mit drei Shuttle-Bussen von der Messe Husum & Congress nach Schwesing gebracht, wo sie eine halbe Stunde später die neu konzipierte KZ-Gedenkstätte besichtigen. Danach geht es wieder zurück ins Nordsee-Congress-Centrum. Dort beginnt um 14.15 Uhr ein Festakt, dem ein würdiger musikalischer Rahmen verliehen werden soll. Unter anderem steht Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk auf der Gästeliste.

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erstellt am 05.Apr.2017 | 13:00 Uhr

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