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Für ein Stück Freiheit : Ein Netzwerk hilft Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Jakob Jepsen und Bernhard Paulsen reparieren auf Nordstrand alte Fahrräder, die sie dann an Flüchtlinge verschenken. Zwei Nordstrander Lehrerinnen geben Deutschunterricht und haben ein ganzes Hilfsnetzwerk initiiert.

Es gibt Menschen, die können auch im Alter nicht einfach ihre Hände in den Schoß legen. Zu ihnen gehört der fast 80-jährige Jakob Jepsen. „Gestern hat Omar aus Syrien sein Fahrrad abgeholt und fuhr damit stolz vom Hof“, strahlt er. Der gelernte Schlosser, der auch auf einem Rettungskreuzer zur See fuhr, repariert alte Drahtesel, um sie kostenfrei an Flüchtlinge weiterzugeben.

Die Räder bekommt der Nordfriese entweder geschenkt – oder sie werden ihm vom Fahrradhändler Dirk Clausen aus Husum nach Nordstrand gebracht. „Dirk brachte mir einmal einen ganzen Anhänger: beladen mit neuen und alten Rädern und einer Menge Ersatzteile. Damit war der Schuppen und meine Werkstatt voll bis zur Decke und los ging es mit der Bastelei“, lacht Jepsen.

Alles hatte begonnen, nachdem Christa Formeseyn und Anneline Kleeberg, zwei ehemalige Nordstrander Lehrerinnen, einen Hilferuf für Flüchtlinge starteten, die auf die Halbinsel gekommen waren. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Iran, aus Eritrea oder dem Jemen. Die engagierten Frauen haben über ein Netzwerk Unterstützung organisiert, die vom Deutschunterricht über Fahrdienste bis zur Hilfestellung handwerklicher Art reicht. Als Jakob Jepsen und Bernhard Paulsen, der ebenfalls Fahrräder erneuert, den Aufruf hörten, waren sie sofort mit von der Partie. „Die Menschen haben es hier doch schon schwer genug – sie leben in einer für sie fremden Welt. Wenn sie ankommen, sprechen sie unsere Sprache nicht und sind sehr verunsichert. Wir müssen doch etwas tun. Sie haben nichts und können sich auch nicht fortbewegen“, drückt Jepsen sein Mitgefühl aus.

Inmitten seiner kleinen Werkstatt voller Werkzeuge und Maschinen, Ersatzteile und natürlich Räder, wird schnell klar, dass ihm die Lebenssituation der Flüchtlinge sehr am Herzen liegt. Nach dem Motto „Aus alt mach’ neu“ ist er zu jeder Tageszeit – auch bei kalter Witterung – in seinem Arbeitsraum anzutreffen, wo der Nordstrander unermüdlich werkelt, um möglichst viele verkehrssichere Fahrräder an Neuankömmlinge weitergeben zu können. Seine Frau Inge erzählt, ihr Mann habe früher gern Akkordeon gespielt sowie Wolle gesponnen und verknüpft. „Für diese Hobbys hat er nun keine Zeit mehr“, lacht sie. Aber auch sie kümmert sich um Flüchtlinge.

Jakob Jepsen sieht sich nur als kleines Teilchen im Räderwerk der Nächstenhilfe und betont in seiner Bescheidenheit immer wieder, dass er nicht allein sei und es eine Reihe weiterer Helfer gebe: „Die sind ebenso fleißig für die Flüchtlinge tätig wie ich und halten auch ständig Ausschau, wie sie ihnen weiterhelfen können.“

Ein Lächeln der Menschen ist ihm Dank und Lohn genug. „Oft werden meine Frau und ich von den Flüchtlingen eingeladen. Das ist für uns immer spannend. Denn wir lernen dabei viel von ihnen und ihren Heimatländern.“ Mit Begeisterung erzählt Jakob Jepsen, dass sie zum Grillen bei zwei irakischen jungen Männern eingeladen sind. „Und zu Vassin und Foat aus Syrien sollen wir auch kommen“, freut er sich.

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