zur Navigation springen

Vereinbarkeit von Familie und Beruf : Ein Modell kann Schule machen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit einem Projekt erhalten Arbeitgeber über die Fachhochschule Flensburg Hilfe bei ihrer Personalpolitik. Private Bedürfnisse von Arbeitnehmern spielen dabei eine immer größere Rolle.

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Lassen sich Familie und Beruf unter einen Hut bringen? Vor dieser Frage stehen viele Arbeitnehmer, vor allem Alleinerziehende. Die Antwort darauf wird künftig mehr denn je darüber entscheiden, ob Unternehmen und Betriebe qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und halten können. Das gilt insbesondere auch für Branchen mit wechselnden oder ungünstigen Arbeitszeiten, wie Gastronomie und Tourismus. Dort klagen Betriebe schon heute über einen Mangel an Fachkräften. Kluge Arbeitgeber bauen vor, gehen auf Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ein und betreiben eine vorausschauende Personalpolitik.

Einer von ihnen ist Hans Jürgen Thomsen, der Inhaber des „Hotel zur Treene“ in Schwabstedt. Er führt das seit 1921 bestehende Haus mit Restaurant-, Saal- und Hotelbetrieb in der vierten Generation. Der gelernte Koch mit Meistertitel ist in seinem Betrieb mit 29 Mitarbeitern für das Management und das Marketing verantwortlich. Probleme bereitet es ihm, Fachkräfte mit Leitungsaufgaben für die Küche und das Hotel zu finden.

Aufgeschlossen für Neuerungen und kreative Lösungen stellte Hans Jürgen Thomsen sich und seinen Betrieb auf Vermittlung der Wirtschaftsförderung Nordfriesland für ein besonderes Projekt zur Verfügung: Die WAL Nord (Wirtschaft, Arbeit Leben), ein von der EU und Partnern gefördertes Projekt an der Fachhochschule Flensburg setzt sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Landesteil Schleswig ein. Während der dreieinhalbjährigen Laufzeit des Projektes – es endet im Juli 2015 – berät Organisations-Entwicklerin Barbara Schüssler ausgewählte kleine und mittlere Unternehmen zum Thema Arbeit und Familie. „Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist in Nordfriesland von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Deshalb war es uns wichtig, die Personalarbeit in einem Betrieb dieser Branche zu analysieren“, sagte Professor Rainer Kreuzhof, Leiter des WAL-Projekts, bei dessen Präsentation im Husumer Kreishaus.

Die sogenannte Modellberatung im „Hotel zur Treene“ startete im Sommer vergangenen Jahres. Die Erkenntnisse aus der Unternehmensanalyse für ein modernes Personalmanagement sollen nach und nach auch anderen Betrieben zugänglich gemacht werden. Die Botschaft von Barbara Schüssler: „Ja, auch kleine Unternehmen können systematische Personalarbeit betreiben.“ Und: Soziale Angebote kosteten häufig nicht einmal viel Geld, könnten aber entscheidend sein. Denn Mitarbeiter würden ihren Arbeitgeber nach „weichen Faktoren“ auswählen und danach, ob Familien- und Arbeitsleben vereinbar sind. Habe es früher geheißen, „Arbeit war sein Leben“, sei ein Wertewandel zu spüren, bestätigte Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen. Auch in Verwaltungen, wie bei dem als familienfreundlich zertifizierten Kreis Nordfriesland ist das ein Thema: „Beispielsweise die Telearbeit, die Möglichkeit der Ausbildung in Teilzeit, Führung in Teilzeit und die Elternzeit für Väter gehören heute einfach zu einem modernen Arbeitgeber“, betonte der Landrat in diesem Kontext.

Hans Jürgen Thomsen jedenfalls hat die Herausforderungen in Zeiten des Fachkräftemangels längst verinnerlicht. Er bekennt sich dazu, Anreize zu schaffen, dass die Mitarbeiter gern in seinem Betrieb arbeiten und sich begeistern lassen: „Das strahlen sie dann auch aus.“ Und: „Ich muss mit meinem Betrieb authentisch sein.“ Barbara Schüssler findet für den Hotel-Chef denn auch nur lobende Worte: „Ihre Personalarbeit ist beispielhaft.“

Ansatzpunkte der zusammen mit dem Schwabstedter Familienbetrieb erarbeiteten Studie (www.wal-nord.de) sollen sich in punkto modernes Personalmanagement auf andere Betriebe übertragen lassen. Dazu zählen auch strukturierte Mitarbeitergespräche, die helfen, Wünsche und Ziele von Arbeitgebern und Arbeitnehmern abzugleichen. Mitarbeiter-Akquise mittels neuer Medien und Kooperationen mit Schulen bieten außerdem die Möglichkeit, Jugendlichen die Vielfältigkeit und Kreativität der Berufe im Hotel- und Gastronomiegewerbe näher zu bringen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen