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Todesfalle Schöpfwerk : Ein Modell für ganz Deutschland

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Schöpfwerk Saxfähre in Koldenbüttel soll für 60.000 Euro mit einer Fischrettungsanlage ausgerüstet werden. Noch fehlen aber die Geldgeber für das Vorhaben, das zu einem Modell für ganz Deutschland werden könnte.

Die Zahl der Rezepte für die verschiedenen Zubereitungsarten ist groß. Am bekanntesten sind wohl Aal in Aspik, Brat- und Räucheraal. Doch Fischliebhaber stellen bereits seit Jahren fest: Die Preise steigen kontinuierlich. Das hat aber nicht nur mit der jährlichen Inflationsrate zu tun, sondern damit, dass es um den Bestand des europäischen Aals schlecht steht. Er wird immer rarer in den Gewässern und damit natürlich auch teurer. Das heutige Glasaalaufkommen entspricht nur noch einem Prozent der Höchstwerte Ende der 1970er Jahre. Viele der Jungtiere gingen zuvor spanischen und japanischen Fischern in die Netze. Denn während der Wanderung der Jungtiere von der Sargassosee nach Europa entwickeln sich die Tiere von der Larve zum Glasaal – und der gilt in Spanien und Japan als Delikatesse. Für ein Kilogramm Glasaal werden daher locker bis zu 600 Dollar gezahlt.

Doch nicht nur die Fischerei, auch die Umweltverschmutzung und vor allem der Verbau der natürlichen Wasserläufe haben dazu geführt, dass immer weniger geschlechtsreife Aale aus Flüssen und Seen wieder ins Meer wandern können, um dann die Reise zum Ablaichen fortzusetzen. „Der Aal befindet sich außerhalb biologisch sicherer Grenzen“ – stellt etwa der Internationale Rat zur Erforschung der Meere fest.

Mit dem Schöpfwerk Saxfähre beschäftigt sich daher bereits seit Jahren die Lokale Agenda 21-Gruppe aus Koldenbüttel und der Kreisanglerverband. Zunächst bestand wegen der immer geringer werdenden Aalfänge der Verdacht, dass durch das Schöpfwerk die Einwanderung von Jungaalen verhindert wird. Doch schon bald wurde klar, dass auch die laichbereiten Blankaale nur durch die Schöpfwerkspumpe in Richtung Eider und weiter Richtung Nordsee gelangen konnten. Sie werden aber in den zwei Pumpen mit einer Gesamtleistung von maximal 2,7 Kubikmeter in der Sekunde regelrecht geschreddert. Das bedeutet für das hinter der Saxfähre liegende 38 Kilometer lange Gewässersystem, das 1786 Hektar entwässert, dass der Aalbestand sich nicht regenerieren kann.

2011 bewilligte der Fischereiabgabeausschuss des Landes 4000 Euro, damit der Kreisanglerverband eine Machbarkeitsstudie zum Umbau des Schöpfwerkes in Auftrag geben konnte. Ein Ingenieurbüro wurde damit Anfang 2012 beauftragt, ließ jedoch die Angler und die Agenda im Stich. Ende des vergangenen Jahres aber war es soweit, der für den Ingenieur eingesprungene Dr. Reinhard Hassinger von der Versuchsanstalt und Prüfstelle für Umwelttechnik und Wasserbau der Universität Kassel, und sein Masterstudent Sascha Ries legten ein erstes Ergebnis vor.

Der Umbau der Anlage wird demnach rund 60.000 Euro kosten, ist damit aber immer noch günstiger, als die alte Hauptpumpe mit einer Leistung von 1,8 Kubikmeter in der Sekunde im Schöpfwerk zu ersetzen. Nun wollen sich die Lokale Agenda 21-Gruppe und der Kreisanglerverband Nordfriesland schnellstmöglich auf die Suche nach Finanziers machen. „Die Suche soll jetzt beginnen“, sagt Jürgen Töllner vom Verband. Er ist optimistisch, dass sich Geldgeber finden lassen, denn schließlich könnte dort das erste funktionierende Fischschutzsystem an einem deutschen Schöpfwerk entstehen – und letztendlich Vorbild für weitere Umbauten im Land werden.

Dr. Hassinger aus Kassel stellte in Koldenbüttel seine Ideen vor. Die laichbereiten Aale werden durch eine Lockströmung in ein zick-zack-förmig verlegtes Kunststoffrohr am Gewässergrund gelockt und mit Hilfe einer Vakuumpumpe in das Speicherbecken in Richtung Eider gepumpt. Der Aufstieg der kleinen Glasaale kann mit Hilfe eines einfachen Borstenpasses recht problemlos ermöglicht werden, wie es schon vor Jahrzehnten an der Schleuse Nordfeld praktiziert wurde, aber mangels Glasaal jetzt nicht mehr geschieht.

 

Aalbabys sind fast unsichtbar

Aale haben einen außergewöhnlichen Lebenszyklus. Die alten Tiere laichen in der Sargasso-See, rund 6000 Kilometer von den europäischen Küsten entfernt. Knapp drei Jahre später sind die zunächst weidenblattförmigen Larven zu sieben Zentimeter langen Glasaalen herangewachsen und kommen an Europas Küsten. Die Fische bleiben zeitlebens in den Küstengewässern oder wandern in die Binnengewässer ein. Sie bekommen eine dunkle Haut, wachsen und bleiben je nach Wassertemperatur als Gelbaale etwa sechs bis zwölf Jahre in den europäischen Gewässern. Schließlich wandeln sie sich zum Blankaal und wandern zum Laichen zurück in die atlantische Sargasso-See. Ihr Verhalten dort ist trotz langjähriger Studien noch weitgehend unbekannt. Ein laichender Aal wurde nämlich noch nie gefangen.

 

 

 

 

 

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erstellt am 08.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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