Anerkennung für Helfer : Ein Minister auf Stippvisite

Zutritt verboten – Blick in die moderne Küche, wo das Essen ohne Schweinefleisch zubereitet wird.
Zutritt verboten – Blick in die moderne Küche, wo das Essen ohne Schweinefleisch zubereitet wird.

In der Stapelholmer-Kaserne in Seeth nahm Innenminister Stefan Studt die Unterbringung von Flüchtlingen unter die Lupe. Er zeigte sich sehr zufrieden mit dem Fortschritt in der Erstaufnahme-Einrichtung.

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22. Juli 2015, 11:00 Uhr

Mit großem Tross reiste Innenminister Stefan Studt in die neue Erstaufnahme-Einrichtung in der Stapelholmer-Kaserne nach Seeth. Tief beeindruckt zeigte er sich dort von der großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und lobte die Willkommenskultur, die im ganzen Land zu spüren sei. „Was hier in Seeth innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft worden ist, verdient allerhöchste Anerkennung“, sagte Studt und machte sich auf einen Rundgang durch den Komplex. Er unterstrich, dass das Land richtig gehandelt habe, vorausschauend für die Unterbringung von Flüchtlingen zu sorgen. Denn als Anfang des Jahres Schleswig-Holstein die Zahl 20.000 für das Jahr 2015 in den Ring warf, sei das Bundesamt noch von 8000 Flüchtlingen für Schleswig-Holstein in diesem Jahr ausgegangen. „Diese Zahl haben wir jetzt schon erreicht, am 19 . Juli waren es bereist 8460, wir werden bei 20.000 landen“, sagte er.

Wünschenswert wäre nach seinen Worten eine schnellere Bearbeitung. Denn nicht das Land sei für die Bearbeitung der Asylanträge zuständig, sondern das Bundesamt. „Wir sind lediglich für die Erfassung da, die eigentlichen Entscheidungen fällt dann das Bundesamt.“ Es seien dort zwar 1500 neue Stellen geplant, doch müssten die auch besetzt werden können, denn auch die Länder suchten schließlich Fachleute. Auch in Schleswig-Holstein soll das Personal aufgestockt werden, gegenwärtig behelfe man sich überwiegend mit Personalverschiebungen.

Der Innenminister suchte das Gespräch mit Vertretern der Hilfsorganisationen, nicht aber mit den Flüchtlingen selbst, wohl aber mit Lars Christophersen, Einsatzleiter des DRK-Kreisverbandes Nordfriesland. Unserer Zeitung sagte er, dass mittlerweile die Zusammenarbeit mit den vielen freiwilligen Helfern gut funktioniere, die Anfangsschwierigkeiten seien größtenteils behoben. Auch mit der Versorgung klappe es hervorragend, nach wie vor würden viele Spenden gebracht. Allerdings wurde gestern mehrfach darauf hingewiesen, dass keine Elektrogeräte oder Möbel benötigt werden – vorrangig Männerkleidung. Höchst willkommen sind auch Fußballschuhe, denn auch während des Ministerbesuchs kickten einige der Asyl-Bewerber vor der Unterkunft. Sportschuhe sind sehr gefragt.

Auch gestern wurde wieder ein Transport von Flüchtlingen aus Neumünster, wo noch 198 in einer Turnhalle untergebracht sind, nach Seeth gebracht. Einquartiert werden sie in Zwei- und Vier-Bett-Zimmern.

Maria von Glischinski, Leiterin der Aufnahme-Einrichtung in Boostedt, zeigte sich von den Räumen in der ehemaligen Kaserne in Seeth sehr angetan. „Tolle Räume für die Flüchtlinge gibt es hier. Die Kaserne ist ja in einem Top-Zustand. Und auch die Hilfe der Bevölkerung läuft wie in Boostedt“, sagte sie. Ralf Heßmann, Amtsvorsteher des Amtes Nordsee-Treene unterstrich, dass auch sein Amt und die Kommunen gemeinsam ihre Unterstützung zugesagt hätten. So sei unter anderem in einer Sitzung des Amtsausschusses festgestellt worden, dass man Seeth nicht allein lasse.

Beeindruckt zeigte sich der Ministertross vom Speisesaal und der modernen Küche, in der das Technische Hilfswerk die Hoheit hat. Wegen der Essenszubereitung wurde auch der Zutritt zur Küche untersagt, schließlich war es kurz vor 12 Uhr.

Die in Zusammenarbeit zwischen Kreis Nordfriesland und der Autokraft extra eingerichteten Busroute, sechs Fahrten am Tag von der Kaserne Seeth Richtung Husum, wurde am gestrigen Tag noch nicht stark angenommen, doch, so unterstrich Katja Rahlfs, Dezernatsleiterin der Landesanstalt für Ausländerangelegenheiten, „wir haben alle darüber informiert.“

Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge in Schleswig-Holstein sind Syrien 24,9 Prozent, Albanien 15,5 Prozent und Kosovo 13,8 Prozent. In den ersten Monaten des Jahres kamen im Januar: 1087, Februar: 1262, März: 1058, April: 1028, Mai: 1145, Juni: 1709, Juli (Stand 19.): 1175.

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