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Hilfe im Advent : Ein Lichtblick im tristen Alltag

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Tönninger Tafel hilft Eiderstedtern, mit wenig Einkommen über die Runden zu kommen. Bis zu 45 Menschen finden sich dienstags und freitags zur Lebensmittelausgabe ein. Betreiber ist das Diakonische Werk in Husum.

Um es gleich klarzustellen. Eigentlich sollte es gar keine Tafel geben. Harte Worte. Und hätte nicht Dieter Pelties selbst die Tönninger Tafel vor sieben Jahren aus der Taufe gehoben, gäbe es sicherlich so manchen Zeitgenossen, der dem Geschäftsbereichsleiter des Diakonischen Werkes energisch widersprechen würde. Pelties hebt den Zeigefinger: „Unser Ziel muss es sein, dass solche Einrichtungen gar nicht erst erforderlich sind.“ Doch der Alltag sieht für viele sozialschwache Menschen in Nordfriesland immer noch anders aus: grau, trist und gerade so viel Geld in der Tasche, um über die Runden zu kommen. Zwischen dänischer Grenze und Eider gibt es Tausende, die in Einkommensarmut leben oder unmittelbar von ihr bedroht sind – meist sind es Langzeitarbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner. Sie müssen sparen. Und das tun sie auch. Meistens an der Ernährung, und das zu Lasten der eigenen Gesundheit, sagt Ina Hinrichsen. Die Tönningerin gehört zu den guten Seelen hinterm Tresen der Tafel. Seit dem Beginn im Jahr 2006 ist sie mit von der Partie. Sie war zu jener Zeit eine von 20 Ehrenamtlichen, die Pelties halfen. Er hatte 2004 schon die Eröffnung einer Tafel in Husum angeschoben.

Bevor die Tönninger Tafel dann am 14. Dezember 2006 ihre Arbeit aufnehmen und erste Lebensmittel ausgeben konnte, wurden die hiesigen Supermärkte, Discounter und Bäckereien um Unterstützung gebeten. Dort nämlich fallen täglich große Mengen an Lebensmitteln an, die – obwohl einwandfrei – nicht mehr verkauft werden können und nicht selten im Müll landen. Dazu zählen Backwaren vom Vortag, Produkte mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum, Überproduktionen, Saisonartikel sowie Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern. Diese werden „verkehrsfähig“ gemacht, bevor sie über den Tresen wandern. Welke Salatblätter werden gezupft, matschige Weintrauben aussortiert und angeschlagene Eier weggeworfen. Irina Penner, Gretchen Düsterhöft und Hildegard Gloe bereiten das Obst und Gemüse sorgfältig für die Ausgabe vor. In den Regalen werden die Waren dann ansprechend präsentiert.

Die Tafel kann jeder in Anspruch nehmen, der nachweisen kann, dass er ein zu geringes Einkommen hat. Gegen eine Spende in Höhe von einem Euro für Einzelpersonen und zwei Euro für Familien darf der Kunde dann aussuchen. Bis zu 45 Personen stehen dienstags und freitags am Tresen in der Johann-Adolf-Straße 7. Pünktlich um 10.30 Uhr geht Ina Hinrichsen dann mit einen Beutel durch die Reihen – der Inhalt: kleine Holzmünzen mit Nummern darauf. „Jeder zieht sein Glück selbst“, sagt die Leiterin der Tafel, die danach die Zahlen der Reihe nach aufruft. Kein Gedränge, kein Neid und kein Vorwurf, dass jemand bevorzugt behandelt würde. Im Gegenteil: „Es wird viel gelacht“, sagt Ina Hinrichsen, die der Tafel auch eine Sozialfunktion zuspricht. Kontakte und Gespräche – die Tafel als Treffpunkt, als Kommunikationsbörse.

Vier Fahrer sind für die Tafel unterwegs. Tag für Tag steuern sie die Lidl-Märkte in St. Peter-Ording, Tönning, Friedrichstadt und Erfde an, um die Waren abzuholen. Auch der neue Netto-Markt in Tönning stellt Brot sowie Obst und Gemüse zur Verfügung. Milchprodukte kommen von Edeka Pioch in Garding, Brot und andere Backwaren von Edeka Rathjens und Bäcker Balzer in Tönning. Vom Drogerie-Markt Rossmann gibt es Dekoartikel sowie hin und wieder Windeln und Babynahrung. „Es ist ein hartes Geschäft, an die Ware zu kommen“, sagt Pelties. Die Unternehmen würden immer knapper kalkulieren.

Kalkulieren muss aber auch die Tafel, die keinerlei direkte finanzielle Zuschüsse erhält und auf Sponsoren angewiesen ist. So wurde das Abholfahrzeug ebenso gespendet wie das Aggregat, das die Kühlzelle klimatisiert. „Wir müssen die Mietkosten für das Gebäude und den Unterhalt der Fahrzeuge erwirtschaften“, sagt Pelties. Und da ist er wieder: der erhobene Zeigefinger und der Hinweis darauf, dass es im besten Fall keine Tafel geben sollte. Doch das Gegenteil ist der Fall, muss der Diakonie-Mitarbeiter zugeben. „Wir werden leider gebraucht, denn es kommen immer mehr Menschen zu uns.“

Wer die Einrichtung unterstützen möchte: Tönninger Tafel, Ev. Darlehnsgenossenschaftsbank (EDG), Bankleitzahl 210 602 37, Konto 84 999, Verwendungszweck Tönninger Tafel, Haushaltsstelle 9313.

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