Managementplan für das Treene-Gebiet : Ein Leitfaden für den Naturschutz

Die Treene bei Schwabstedt: Was idyllisch aussieht, ist in vielerlei Hinsicht in Gefahr.
Die Treene bei Schwabstedt: Was idyllisch aussieht, ist in vielerlei Hinsicht in Gefahr.

Der fertige Managementplan für das Treene-Gebiet in Nordfriesland soll eine verbindliche Handlungsleitlinie für Behörden werden

shz.de von
07. Februar 2018, 11:00 Uhr

Um alle Risiken zu minimieren, die dazu beitragen könnten, das ökologische Gleichgewicht an und in der Treene zu verschlechtern, hat die Integrierte Station Eider-Treene-Sorge und Westküste einen Managementplan erarbeitet. Das geschah im Auftrag des Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung und in enger Zusammenarbeit mit Behörden, Flächeneigentümern und lokalen Akteuren. Die Integrierte Station ist eine Außenstelle des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR).

Die im Managementplan genannten Maßnahmen sollen den eingedeichten Verlauf der Treene zwischen Hollingstedt und Friedrichstadt schützen und eine nachhaltige Gebietsentwicklung ermöglichen. Zehn Monate nach der Auftaktveranstaltung in Seeth stellte Julia Jacobsen im Auftrag des LLUR an gleicher Stelle den finalen Entwurf vor, der alle bis dato eingegangenen Stellungnahmen und Einwände enthält. Dass im Gegensatz zu damals an diesem Abend nur etwa zwei Dutzend Interessenvertreter zur Aussprache gekommen waren, werte-te sie als grundsätzliche Zustimmung: „Vielleicht hat sich ja die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Plan gar nicht weh tut“, so ihre Vermutung. Und tatsächlich gab es kaum noch Diskussionsbedarf bei den Maßnahmen, die ausführlich vorgestellt wurden.

So sollen die kleinen Wiesen im Polder Winnert regelmäßig gemäht und das Mahdgut abtransportiert werden. Vorher sei allerdings noch zu klären, ob der Bereich langfristig in eine Dauerpolder-Nutzung überführt werden kann, um das Gewässer wieder mit der Aue zu verbinden und eine Auwald-Bildung einzuleiten. „Von einer solchen Maßnahme würden einige Arten profitieren“, erklärte die Referentin und verwies auf die Kleine Flussmuschel, die im Wilden Moor anzutreffen ist. Ebenso erhaltenswert: Fische wie Rapfen und Nordseeschnäpel, einige Neunaugen-Arten und die Lebensräume der Brut- und Rastvögel.

Diskussionsbedarf gab es bei der Frage, ob die für jedermann frei zugängliche Slipmöglichkeit an der Natobrücke bei Süderhöft gesperrt werden sollte, um das Befahren der Treene mit Motorbooten zu erschweren. Weil sich immer mehr Bootsführer nicht ans Tempolimit von sieben Stundenkilometer halten, habe der Wellenschlag im Gewässer zugenommen, und der sei mit ursächlich für die Schädigung und den Rückgang des Schilfbestands im Uferbereich, machte Julia Jacobsen deutlich. Während einige Anwesende für die Sperrung plädierten, gaben andere zu bedenken, dass dies anderenorts zur Bildung wilder Einstiegsstellen führen könnte. „Damit schneiden wir uns ins eigene Fleisch“, folgerte ein Teilnehmer, zumal dies auch die gewünschte Ausweitung der Geschwindigkeitskontrollen durch die Wasserschutzpolizei erschweren würde. Die Sachlage soll noch einmal sorgfältig geprüft werden.

Eine ähnliche Gefährdung geht von den Weidetieren auf den Deichen und Vorlandflächen aus. „Da im Uferbereich oft keine Abzäunung zum Gewässer vorhanden ist, führen Vertritt und Verbiss insbesondere durch Rinder und Pferde zur Reduzierung der Röhrichtbestände und zu Kanten-Abbrüchen. Die Beweidung sollte möglichst nur mit Schafen erfolgen“, empfahl die Referentin. Da auch Schilfkrankheiten den Uferpflanzen zu schaffen machen, soll eine Voruntersuchung zum Schilfrückgang im Unterlauf der Treene eingeleitet werden, um die Gesamtsituation korrekt bewerten zu können.

Konkret sei der Schilfbewuchs zwischen Friedrichstadt und Süderhöft zu fördern – durch Abzäunung und Schutz vor Fraß und Vertritt und durch die Anlage von Uferrandstreifen am Rande des Wilden Moores. In den Zuflüssen des Oberlaufs sollen Sandfänge installiert und im Bereich Hude im Rahmen eines Pilotprojektes verschiedene Maßnahmen erprobt werden: Buhnen, schwimmende Wellenbrecher, Deckwerk aus Stein und Faschinen. Für die Huder Schleife, den Polder Winnert und die Treeneschleife ist ein wiesenvogelfreundliches Management geplant.

Nachdem ein Vertreter der Anglervereine beobachtet hat, dass an manchen der 13 Treene-Schöpfwerke große Fischmengen geradezu gehäckselt werden, wird eine Nachrüstung für alle Schöpfwerke angestrebt, die noch keine Schutzvorrichtungen für Fische haben. Zu guter Letzt soll die 2010 vom Kreisanglerverband Nordfriesland initiierte Treene-Konferenz wieder belebt werden, um mit allen Akteuren und Betroffenen im Gespräch zu bleiben. Julia Jacobsen betonte, dass es das wertvolle Nutzungs- und Lebensraummosaik der Treene zu erhalten und weiterzuentwickeln gelte.

Im Ergebnis soll der Plan, der in enger Kooperation und weitgehendem Einvernehmen mit den Beteiligten vor Ort erstellt wurde, zu einer verbindlichen Handlungsleitlinie für Behörden werden. Sollte es bei notwendigen Erhaltungs- oder Wiederherstellungs-Maßnahmen kein Einvernehmen mit Eigentümern oder Nutzungsberechtigten geben, können sie unter Umständen vom Land verpflichtet werden, die Durchführung durch die Naturschutzbehörde zu dulden.

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