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Denkmal Für Franziska zu Reventlow : Ein Lebensmotto in Stein gemeißelt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit einer Arbeit der 2015 verstorbenen Künstlerin Elsbeth Arlt soll im Husumer Herzoginnengarten an Franziska Gräfin zu Reventlow erinnert werden. Mit Styropor-Blöcken wurde schon einmal Maß genommen.

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erstellt am 09.Apr.2016 | 11:00 Uhr

„Alles möchte ich immer“ – mit diesem Satz hat Franziska zu Reventlow (1871  -1918) im Jahr 1905 der Gleichzeitigkeit und Unvereinbarkeit ihrer Wünsche an das Leben ein sprachliches Denkmal gesetzt. Die charakteristische Selbstaussage wurde später Titel einer Wanderausstellung, die an das Leben und Werk dieser außergewöhnlichen Frau erinnern sollte. Neben Lübeck, Kiel, Berlin und München war sie 2011 im Schloss vor Husum zu sehen, jenem Ort, an dem Franziska (eigentlich Fanny) Gräfin zu Reventlow am 18. Mai 1871 das Licht der Welt erblickte. „Das war wie die symbolische Heimkehr der verlorenen Tochter“, sagt Dr. Dörte Nicolaisen, eine der beiden Ausstellungs-Kuratorinnen. „Zum ersten Mal rückte Franziskas Kindheits- und Jugendort ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit“, pflichten Namensvetterin Franziska Horschig und Angelika Zöllmer-Daniel von der Frauentheatergruppe 5plus1 ihr bei. Gemeinsam wollen sie der Schriftstellerin, Kosmopolitin und überzeugten Pazifistin ein Denkmal setzen und damit zugleich an eine zweite große schleswig-holsteinische Künstlerin erinnern: die 2015 verstorbene Malerin und Grafikerin Elsbeth Arlt.

„Wir tragen uns schon lange mit dem Gedanken, Franziska zu Reventlow ein Denkmal zu setzen“, sagt Angelika Zöllmer-Daniel. Und Elsbeth Arlt (1948  - 2015) hat diesem Gedanken ein Gesicht gegeben. In ihrem Werk nahm die Flensburgerin immer wieder Bezug auf Sprache und Literatur. So inszenierte sie 2007 zur „Husum WindArt“ einen Dialog zwischen Theodor Storm und seiner damaligen Verlobten Constanze Esmarch. Als Basis dafür diente der Briefwechsel des Paares, aus dem Arlt prägnante Zitate herausnahm und auf Schilder prägen ließ, die in der Großstaße aufgehängt wurden.

Das Reventlow-Zitat war – so gesehen – eine „Steilvorlage“. Doch wäre Elsbeth Arlt nicht gewesen, wer sie war, wenn sie dafür nicht nach einer ganz eigenen Form gesucht hätte. So entstand – als eine ihrer letzten Arbeiten überhaupt – die Idee, die vier Worte auf vier Blöcke zu verteilen, die aus einem einzigen Jurakalkstein geschnitten und dann links vor dem Haupteingang des Schlosses aufgestellt werden sollten. „Daraus wird allerdings nichts, denn der Kreis Nordfriesland hat mit dieser Fläche anderes vor“, berichtet Zöllmer-Daniel. Stattdessen soll das Werk nun im südlichen Teil des Herzoginnengartens platziert werden.

Dort trafen sich die Initiatorinnen nun mit Elsbeth Arlts Mann Jochen und Steinmetz Gerd Heuer aus Sterup, der die vier Wort-Steine im Maßstab eins zu eins als Styropor-Modell mitgebracht hatte. Ausgehend von Arlts Zeichnungen und einem Papiermodell schoben sie die Blöcke auf der Suche nach der richtigen Achse hin und her und ließen schließlich den „Ich“-Stein symbolisch Richtung Stadt ausbrechen – so wie Franziska zu Reventlow einst aus der Enge des Schlosses ausgebrochen war. „Wir wollen ihr ein Denkmal setzen“, sagen die drei Frauen, „aber nicht in Form einer klassischen Büste, sondern mit einem Kontrapunkt, der zu ihrem Leben passt.“

Mehr noch: Die Steine laden nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Verweilen ein. „Man kann sich auch darauf niederlassen“, sagt Franziska Horschig.

Bis es so weit ist, werden allerdings noch ein paar Wochen vergehen – und zwar nicht nur, weil der Stein noch nicht fertig ist. Auch in der Finanzierung des 25.000 Euro teuren Projekt klafft noch eine Lücke. „Den größten Teil haben wir zusammen“, sagt Zöllmer-Daniel. „Aber um ganz sicher zu sein, brauchen wir noch etwa 4000 Euro. Aus diesem Grund will 5plus1 Fanny am Sonntag, 1. Mai, ab 19 Uhr im Kulturkeller Husum (Schlossgang 7) literarisch und musikalisch wieder auferstehen lassen. Der Titel dieses „Soli-Abends für ein Kunstwerk“, an dem Mitglieder des Ensembles Texte von Fanny zu Reventlow rezitieren und die Band Amariszi spielen wird, ist Programm: „Alles möchte ich immer.“ Der Eintritt ist frei, aber Spenden werden natürlich gern entgegengenommen.

Wenn alles glatt geht, soll Arlts Gedenkstein rechtzeitig zu Fannys 145. Geburtstag am 18. Mai seiner Bestimmung übergeben werden. Parallel dazu erinnern Ausstellungen im Schloss vor Husum an die Gräfin, aber auch an Elsbeth Arlt.

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