Geburtstagsempfang für Karl Ernst Laage : Ein Leben für Storm und die Literatur

Prof. Karl Ernst Laage mit einem Bildnis von Theodor Storm.
Prof. Karl Ernst Laage mit einem Bildnis von Theodor Storm.

Der Storm-Kenner und letzte lebende Ehrenbürger der Stadt Husum, Prof. Karl Ernst Laage, feiert am 9. Juni seinen 95. Geburtstag. An diesem Tag erscheint auch sein neues Buch "Begegnungen mit Theodor Storm".

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08. Juni 2015, 13:00 Uhr

„Ich wusste erst gar nicht, was ich machen wollte“, sagt Prof. Karl Ernst Laage und spricht von seinem neuen Buch „Begegnungen mit Theodor Storm“, das anlässlich seines 95. Geburtstages am Dienstag, 9. Juni, im Boyens Verlag erscheinen wird. Bücher über Husums bekanntesten Sohn hat der langjährige Präsident der Storm-Gesellschaft ja schon einige geschrieben. Wie viele, weiß er selbst nicht mehr. Der neue Band beinhaltet daher auch ein bisschen was von allem: „Ich wollte wissen, wie ich Storm heute, mit dem Abstand von 50 Jahren lese, aber mehr noch“ – und hier spricht der Pädagoge aus Laage –, „wie ich Leuten, die ihn nicht so gut kennen, einen Zugang zu Storm verschaffen kann.“ Dazu hat sich Laage eines „Kunstgriffes“ bedient und die Stormschen Schriften „frecherweise“ neu betitelt. „Um ihren historischen und literarischen Hintergrund deutlicher zu machen“, sagt Husums letzter lebender Ehrenbürger.

Zu Storm kam der gebürtige Kieler eher zufällig, doch dafür sollte dieser sein Leben umso nachhaltiger beeinflussen. Erste Berührungspunkte gab es schon in der Kindheit. So las Vater Carl dem Sohn regelmäßig aus Storms „Kleinem Häwelmann“ vor. Und als Junge tobte Laage immer um das Grab des Dichters herum, „das dem Haus meiner Großeltern genau gegenüberlag“. Aber wer dieser Storm war, wusste er nicht. Überhaupt hatte Karl Ernst Laage beruflich andere Interessen, wollte eigentlich Architekt werden. Und so wäre es vielleicht auch gekommen, wenn der Zweite Weltkrieg nicht alles über den Haufen geworfen hätte. Als blutjunger Mann wurde Laage Soldat, geriet im Russland-Feldzug in Gefangenschaft und musste in der russischen Stadt Twer zerstörte Häuser wieder aufbauen. Das reichte fürs Leben.

Doch die Gefangenschaft, die Laage viele Jahre später in einem eigenen Buch aufarbeitete, führte auch zu einer neuen Begegnung mit Storm. Nachdem er sich beklagt hatte, dass es im Lager nichts zu lesen gab, schenkte ihm eine russische Familie Iwan Turgenjews „Weschnije Wody“ (Frühlingswogen), und Laage entdeckte darin Ähnlichkeiten mit Storms „Immensee“-Novelle.

Von nun an nehmen die Dinge ihren Lauf. Carl Laage, damals Sekretär der Storm-Gesellschaft, macht ihn nach dem Krieg darauf aufmerksam, dass im Kieler Landesarchiv Turgenjews Briefe an Storm liegen. Das interessiert den jungen Mann, der jetzt auch beruflich in die Fußstapfen des Vaters treten will und sich für ein Lehramtsstudium in den Fächern Germanistik, Latein und Russisch einträgt. Daneben forscht er zum Verhältnis von Turgenjew und Storm.

Weil die Laages während des Krieges ausgebombt werden, zieht die Familie zu den Großeltern nach Husum. Nach dem Tod des Vaters übernimmt Karl Ernst 1966 dessen Funktion als Sekretär der Storm-Gesellschaft, wird später auch deren Präsident und Direktor der Hermann-Tast-Schule. Spätestens jetzt ist Storm zu einem unverrückbaren Bestandteil seines Lebens geworden. Dabei hat er nicht nur dessen Werk im Blick. Als 1969 Storms Wohnhaus in der Wasserreihe zum Verkauf steht, schmiedet Laage ein Bündnis mit der Stadt, um es zu erwerben und ein Museum daraus zu machen. Ein gewagtes, aber erfolgreiches Unterfangen. Zudem gelingt es ihm mit „Geduld und Spucke“, bei Nachfahren Mobiliar, Bücher und Gemälde des Dichters ausfindig zu machen und für das Museum zu sichern. „Nur so kann Storms Wohnhaus zu einem authentischen Ort werden“, sagt er. Parallel dazu baut Laage das Storm-Archiv auf, legt den Grundstein für das jährliche Storm-Symposium und holt, was nicht nur der Präsident der Storm-Gesellschaft, Prof. Heinrich Detering, für sein größtes Verdienst hält, Storm aus der Ecke des Heimatdichters heraus.

Karl Ernst Laage hat sich seinen Storm mühsam erarbeitet, hat ihm nicht nur literaturwissenschaftlich, sondern real seinen Ort zugewiesen. So hat es mit der Architektur im übertragenen Sinn doch noch geklappt. Aber sein ureigenstes Interesse gilt der Literatur als solcher. „Thomas Mann ist mir genauso wichtig wie Theodor Storm“, sagt er. Dass er gerade dieses Beispiel wählt, lässt allerdings tief blicken, denn ausgerechnet von Mann stammt die weise Voraussicht, dass „Theodor Storm ein Meister ist, der bleibt“.

STIMMEN ZU PROF. LAAGE

„Husum ist sehr stolz auf seinen Ehrenbürger, der sich in höchstem Maße um die Stadt und die Allgemeinheit verdient gemacht hat. Professor Laage ist der beste Beweis dafür, dass Arbeit den Geist jung und wach hält.“

Uwe Schmitz, Bürgermeister

„Mit seinem großen Lebenswerk hat Prof. Laage den Dichter Theodor Storm aus der Vereinnahmung durch eine provinzielle und rückwärtsgewandte Heimatkunst befreit und wieder im Zusammenhang der Weltliteratur sichtbar gemacht, der er angehört – von den frühen Arbeiten über Storm und Turgenjew über die mustergültige Neuedition von Thomas Manns Storm-Essay bis zu den Büchern über den reisenden, den politischen, den Zeitgenossen Storm. Und er hat all das in einer Sprache getan, die seine Einsichten allen neugierigen Lesern ebenso anschaulich vermittelt wie seinen wissenschaftlichen Kollegen.“

Prof. Heinrich Detering, Präsident der Theodor-Storm-Gesellschaft

„Viele inspirierende Bücher zu Theodor Storm sind Karl Ernst Laage zu verdanken. Vor allem aber gäbe es das Storm-Zentrum in der Wasserreihe nicht ohne seinen großen Einsatz, schon gar nicht in dieser Form: Ein exzellenter Grund, auch einen langen Weg nach Husum in Kauf zu nehmen.“

Tilman Spreckelsen, Theodor-Storm-Preisträger 20140

EMPFANG IM RATHAUS

Anlässlich des 95. Geburtstages von Prof. Karl Ernst Laage gibt es am 9. Juni im Rathaus einen Empfang mit dem Titel „Begegnungen mit Theodor Storm“. Beginn: 19.30 Uhr. Zur Einführung spricht der

Präsident der Theodor-Storm-Gesellschaft, Prof. Heinrich Detering. Anschließend hält Laage einen Vortrag zum Thema „Alte und neue Begegnungen mit Theodor Storm“, bevor ihm der Boyens Buchverlag seine jüngste Publikation überreichen wird. Anmeldungen werden im Sekretariat der Storm-Gesellschaft, Telefon 04841/8038630, entgegengenommen.

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