Hoher Geburtstag in Friedrichstadt : „Ein langes Leben mit vielen Höhen und Tiefen“

Agnes Fichtner  wird 104.
Agnes Fichtner wird 104.

Noch im Kaiserreich ist Agnes Fichtner aus Friedrichstadt geboren worden. Jetzt feiert sie ihren 104. Geburtstag.

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13. Januar 2018, 12:00 Uhr

Im Kaiserreich, noch vor Ausbruch des ersten Weltkriegs geboren wurde Agnes Fichtner aus Friedrichstadt. Am 14. Januar feiert sie ihren 104. Geburtstag. Aufregend ging es im Leben der Jubilarin zu, die von 1954 bis 2017 in Schwabstedt ihre Wohnung hatte, und erst im vergangenen Jahr ins Friedrichstädter Haus Treeneblick umzog. Geboren wurde Agnes Fichtner am 14. Januar 1914 in Roggow/Kreis Belgard als drittes von fünf Kindern. In ländlicher Idylle Pommerns fühlte sie sich auf dem 22 Hektar großen Bauernhof pudelwohl. „Ich bin mit vielen Tieren groß geworden“, erinnert sie sich mit leuchtenden Augen – grad so, als würde sie diese Momente noch einmal durchleben. „Wir hatten Enten, Perlhühner, Gänse, wunderschöne Pferde und zwei Kutschwagen.“ Die Jubilarin besuchte die örtliche Schule, danach die Handelsschule – und war sehr traurig, als ihre Mutter 1932 im Alter von 47 Jahren starb: „Das war ein enormer Verlust.“

Dann kam der Krieg und die polnische Besatzung. Zusammen mit ihrer Schwester Ruth verließ sie die geliebte Heimat und gelangte schließlich über Husum nach Winnert. Dort blieb sie acht Jahre und kam über Bekannte 1954 nach Schwabstedt. Am 29. November 1981 bezog sie eine Wohnung im damals gerade fertiggestellten Seniorenwohnheim der Treenegemeinde. Lange Zeit arbeitete die Jubilarin im Kirchenvorstand sowie im damaligen Reichsbund mit und war mit 90 Jahren noch im Frauenkreis und Bastelclub aktiv. Bis zum 100. Geburtstag nahm sie voller Begeisterung an den regelmäßigen Veranstaltungen des Seniorentreffs im Treenehaus teil und alles rundherum erfuhr sie stets gerne aus den Husumer Nachrichten, wie sie sagt.

Wenn die Jubilarin auf ihr Leben zurückblickt, wird sie sehr nachdenklich und sagt: „Es war ein langes Leben mit vielen Höhen und Tiefen – und es ist doch nur ein kurzer Weg gewesen“, sagt sie. „Neben vielen Rückschlägen habe ich auch viel Wärme, Freude und Zuneigung erfahren dürfen – und dafür bin ich dankbar. Wir alle sollten froh und fröhlich sein – und dankbar für jeden Tag, an dem es uns gut geht.“

Schwabstedts Bürgermeister Jürgen Meyer ließ beim jetzigen Besuch die lange Lebenszeit der Jubilarin in einfühlsamen Worten passieren. Entsetzliches, Schrecken, Trauriges habe sie beschrieben. „Und auch das muss erwähnt werden. Sie beschreiben es – sachlich, ohne Übertreibung.“ Doch trotz des Erlebten habe sie das Leben stets aus einem positiven Blickwinkel gesehen. „Mit der Kraft, die Ihnen die Lieder ,Ein feste Burg’ und ,Ich weiß, woran ich glaube – ich weiß, was fest besteht’ geben, haben Sie Ihr Leben gelebt und erlebt. Ich danke Ihnen für die Begegnungen, die wir im Leben miteinander hatten.“

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