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Husumer Nachrichten

16. August 2017 | 22:17 Uhr

Ein Künstler mit Leib und Seele

vom

Erhard Schiel hat sich mit seinen Bildern weit über St. Peter-Ording hinaus einen Namen gemacht

St. Peter-Ording | Der erste Eindruck täuscht. Ruhig, distanziert fast unnahbar sieht er aus. Ein besonderer Mensch - das ist er zweifelsfrei. Erhard Schiel ist ein bunter Hund. Die Glatze und der lila Bart sind die Markenzeichen des in St. Peter-Ording lebenden Künstlers. Wer den 1943 in Insterburg/Ostpreußen geborenen Mann kennenlernt, wird jedoch schnell feststellen, dass ihm ein ebenso aufgeweckter, verständnisvoller wie liebenswerter Zeitgenosse gegenübersteht. Harte Schale, weicher Kern.

Er blickt auf ein abwechslungsreiches, fast stürmisches Leben zurück. Nach der Schule erlernt er zunächst den Beruf des Drehers und geht dann zur Bundeswehr. Dort lebt er seine Leidenschaft, die Leichtathletik, aus. Zunächst Leistungssportler, dann Trainer - und stets am Limit. Auch in seiner Kunst, denn Talent hat er. Das bescheinigt ihm der renommierte Künstler Carl Lambertz, der ihn zu Norbert Weber nach Eckernförde "in die Lehre" schickt. Mit einem staatlichen Stipendium in der Tasche lässt sich der damals 37-Jährige dort in die Geheimnisse des Radierens einweihen, die er später zur Perfektion bringen wird.

Wie ein Besessener bearbeitet Schiel mit der Radiernadel die Kupferplatten und begeistert mit seinen Werken die Kunstszene. Mittlerweile in Neumünster angekommen, werden die Medien auf ihn aufmerksam. Zeitungen und Fernsehen berichten über ihn, verschiedene Politiker aller Couleur entdecken Erhard Schiel - nicht zuletzt auch andere "bunte Hunde", wie Winnetou-Darsteller Pierre Brice oder der weltbekannte Schauspieler Gerd Fröbe. "Könner" hat ihn der James-Bond-Bösewicht stets genannt, mit dem ihn später sogar eine Freundschaft verband.

1986 ging Schiel dann mit seiner Frau Ingrid und den beiden gemeinsamen Kindern nach St. Peter-Ording. Schnell sprach es sich herum, dass Schiel in den beliebten Badeort gezogen war. Nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei den zahlreichen Touristen, denn neben dem Besuch des Strands und der Dünen-Therme war ein Besuch des Schiel-Ateliers ein absolutes Muss. Mit Vorführungen und Vorträgen in Sachen Radierkunst begeisterte Schiel gleichermaßen Jung und Alt.

Als "Botschafter" und "Werbeträger" bezeichnet ihn die Gemeinde. Nicht ohne Grund, denn viele der rund 900 Bild-Motive haben einen Bezug zur Region und hängen an Wänden rund um den Globus, unter anderem auch auf der Blumeninsel Mainau. Mit der gräflichen Familie Bernadotte verbindet die Schiels eine langjährige herzliche Freundschaft. Auch im Ort trifft man immer wieder auf Spuren des Künstlers - ob überdimensionale Gemälde an und in öffentlichen Bauten oder aber auch Skulpturen. Für eine Spirituosen-Manufaktur entwarf er sogar ein besonderes Etikett, das den verknoteten Westerheveraner Leuchtturm zeigt.

Als phantastischen Realismus bezeichnet Schiel seine Kunst. Derzeit arbeitet er an großformatigen Ölgemälden, die zu den 3. Westküsten-Kammermusiktagen Anfang September gezeigt werden. Das größte Erlebnis für Schiel persönlich war jedoch sein diesjähriger 70. Geburtstag. Er und seine Frau hatten zu diesem Anlass Freunde und Wegbegleiter zu sich ins Atelier eingeladen. Als Bürgervorsteher Boy Jöns nach seiner Laudation aber das Goldene Buch der Gemeinde hervorholte und Schiel darum bat, sich darin einzutragen, verschlug es dem Jubilar die Sprache. "Das war ein besonderer Moment und für mich eine große Ehre", sagt der Wahl-St.Peteraner. In seiner Galerie erinnert ein außergewöhnliches Kunstwerk an diesen Tag: ein Bild, das einen kugelrunden Kopf zeigt. Recht frei interpretiert, zeigt es den Künstler selbst. Wenig Haare, aber ein wacher Blick - gemalt von Mädchen und Jungen des evangelischen Kindergartens. Diesem hatte er den Erlös seiner Geburtstagsfeier zukommen lassen. Und obgleich sein Haus große Kunst birgt, zeigt die besondere Präsentation des kleinen Kinder-Kunstwerks, dass der größte Schatz des Künstlers in seinem Herzen liegt. Erhard Schiel - ein leidenschaftlicher, sensibler Maler mit Hang zur Perfektion, der nicht nur für seine Kunst lebt, sondern auch für seine Heimat St. Peter-Ording.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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