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Ausführliche Datensammlung : Ein Kreis auf Wachstums-Kurs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei der ersten Konjunktur-Runde für Nordfriesland stellten Experten ihre Schlussfolgerungen aus einer ausführlichen Datensammlung für den Kreis vor. Ein detaillierter Fakten-Check ist jetzt möglich.

Der Kraftstoffverbrauch von Autos, Blutwerte oder der Marktpreis der eigenen Immobilie – Zahlen helfen uns, unser Privatleben strukturieren und planen zu können. Kauf-, Kredit- oder Versicherungsangebote vergleichen wir bis auf Kommastellen genau. Ganz ähnlich sind Nordfrieslands Bürgermeister, Politiker und Unternehmer sowie die Vertreter von Institutionen auf verlässliche Daten für ihre Entscheidungen angewiesen. Und die ziehen oft erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen nach sich. Nordfriesische Entscheider können jetzt in einem 130 Seiten starken Werk so ziemlich jede Zahl nachschlagen, die sie für ihre Projekte benötigen. Es ermöglicht jedem einen detaillierten Fakten-Check. Folglich ist das Buch auch – internationalem Sprachgebrauch folgend – „Fact Book“ genannt worden.

Vorgelegt wurde es im Nordsee-Congress-Centrum in Husum anlässlich eines von der Wirtschaftsförderung des Kreises organisierten Konjunktur-Abends. Gäste waren jene Entscheider, die auf all diese Daten in ihrem Alltag angewiesen sind. Moderiert wurde der Abend von Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordfriesland.

Das „Fact Book“ gibt Auskunft zu folgenden Themen: Raum-, Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur, Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsmarkt, Bildung, Soziales und Gesundheit, Forschung und Innovation, Klima und Energie sowie Wohnen und Gewerbeflächen. Und es ist weitaus mehr als etwa nur ein Statistisches Jahrbuch für den Kreis Nordfriesland, sondern beschreibt auch jede Menge Entwicklungspotenziale und nennt den Handlungsbedarf beim Namen.

2012 war ein Regionales Entwicklungskonzept für die vier Westküstenkreise Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Nordfriesland entlang der Achse A23/B5 in Auftrag gegeben worden. Die ausführliche Datensammlung ist ein Teil dieser Arbeit.

Details daraus präsentierte Achim Georg von der auf Regionalökonomie spezialisierten Hamburger Firma Georg Consulting. Er konzentrierte sich auf jene Daten, die von anderen Regionen abweichen. So verzeichnete Nordfriesland sogar innerhalb der untersuchten Westküstenregion zwischen 2004 und 2013 mit 16,1 Prozent den stärksten Beschäftigungszuwachs, der insgesamt nur um elf Prozent zunahm. Im landesweiten Vergleich wurden im Kreis mit die meisten sozialversicherungspflichten Beschäftigungsverhältnisse geschaffen, nur Neumünster hat laut Achim Georgs Zahlen die Nase vorn. Allein das dürfte der landläufigen Annahme widersprechen, dass die Marktferne automatisch zu schlechteren Zahlen führe.

Eine weitere Überraschung hatte Ole Dunklau, Statistik-Experte der Industrie- und Handelskammer Flensburg, parat. Laut IHK-Konjunkturklima-Index lag das Wachstum im Sektor Transport und Verkehr deutlich über anderen Wirtschaftsbereichen – Dunklau fügte angesichts der zähen Diskussionen über den Ausbau der B5 die Bemerkung hinzu: „Als wären die Verkehrsachsen bereits fertig.“ Ein starkes Wachstum sieht er auch im Handel sowie im Baugewerbe.

Das war die perfekte Überleitung zu Rolf Hansen, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Süd. Er berichtete von einer „guten Auftragslage“ im Handwerk. Selbst die Krisenjahre 2007/2008 seien mit dem leichten Auf und Ab einer „weichen Sinuskurve“ überstanden worden. „Konjunkturelle Schwankungen treffen uns nicht so stark wie andere im Kreis.“ Bezüglich des Fachkräftemangels bezog er klar Position und sieht keinen Grund, nicht auch ausländische Mitarbeiter aus den Kreisen der Flüchtlinge einzustellen. „Sie sind hier – und sie werden dringend gebraucht.“

Ähnlich argumentierte auch Hans Martin Rump von der Agentur für Arbeit. Er bezeichnete das „Handwerk und den Mittelstand als starkes Rückgrat der Region“. Und er fügte hinzu, dass alles dafür spreche, dass die Region überwiegend aus sich selbst heraus ihren Fachkräftebedarf decken müsse. Er sprach in diesem Zusammenhang sogar von einem „geschlossenen Arbeitsmarkt.“

Folglich kam es im weiteren Verlauf des Abends zur schon oft geführten Diskussion darüber, ob und wie Schulabgänger im Kreis gehalten oder nach Ausbildung oder Studium außerhalb zur Rückkehr bewogen werden könnten. Die meisten rieten dazu, sich stärker als bisher auf Projekte zum Übergang von der Schule auf den Beruf zu konzentrieren.

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