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Albtraum in Tetenbüll : Ein Knall – und weg war die Wand

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schreck für die Besitzer des ehemaligen Lammgasthofes in Tetenbüll: Ganz plötzlich brach ein Stück der Außenmauer weg. Feuerwehr und THW müssen das Gebäude abstützen.

Ein Teil der Außenmauern liegen zerborsten auf dem Boden, und ein riesiges Loch klafft in der Hausmauer des ehemaligen Lammgasthofes in Tetenbüll. Besitzerin Frauke Nebel steht vor dem Schaden und kann es noch nicht fassen, was da passiert ist. Am vergangenem Sonnabend hörten sie und ihr Bekannter plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall. Ein Stück Ziegelwand an der Stirnseite war nach außen weggebrochen, liegt nun im Garten. Dabei hatte die gelernte Schauspielerin und der studierte Jazzmusiker mit dem ehemaligen Gasthof „Op de Hörn“ großes vor. Ein Kulturzentrum mit Theaterräumen und einem eigenen Tonstudio wollten sie einrichten.

Vor gut sechs Jahren hatten die beiden das Gebäude in Warmhörn, einem Ortsteil von Tetenbüll, erworben. Lange hatten sie nach einem geeigneten Gebäude für ihr Vorhaben gesucht, bis sie über das Internet auf das Anwesen auf dem Warmhörner Deich aufmerksam wurden. Und so brachen sie ihre Zelte in Dortmund ab und zogen nach Tetenbüll. „Der erste Blick war niederschmetternd“, erinnern sich die beiden. Es war das Märchenschloss von Dornröschen, das komplett zugewachsen war. Meterhohes Gestrüpp und Sträucher mussten entfernt werden. Tatsächlich hatte der alte Gasthof gut zehn Jahre im Dornröschenschlaf gelegen, bevor er ins Leben zurückgeholt wurde. Bis dahin hatte das weiß getünchte Gebäude eine bewegte Geschichte erlebt. Es gibt allerdings nur wenige Unterlagen darüber. Doch es soll Mitte des 19. Jahrhundert errichtet worden sein. So wurde es viele Jahre als Viehwiegestelle und -verladestation genutzt. Zwischenzeitlich war in dem Gebäude auch ein Kaufmann untergebracht. Weit über die Grenzen hinaus erlangte das Anwesen seinen Ruhm als Lammgasthaus „Op de Hörn“. Auch soll das Gebäude einmal ein Raub der Flammen geworden sein.

In den vergangenen sechs Jahren wurde in das Haus viel investiert, um den Traum eines Kulturzentrums zu realisieren. Beide bringen für das geplante Projekt die besten Voraussetzungen mit. So gestaltete Frauke Nebel in der Tetenbüller Grundschule das Theaterprojekt „Wind und Wir“ und in den benachbarten Grundschulen Arbeitskreise. Und mit dem studierten Jazzmusiker, der allerdings seinen Namen nicht genannt haben möchte, hat sie für ihr Theaterprojekt eine große Hilfe zur Seite. Neben plattdeutschen Theaterstücken sollten auch moderne Aufführungen stattfinden. Die notwendigen Materialien lagern bereits im hinteren Teil des Gebäudes. Dazu gehören auch 500 Quadratmeter Parkett aus massiver Eiche. „Beim Abriss des Großen Garten in Friedrichstadt durften wir das Parkett aus dem Theaterraum herausholen“, berichtet Frauke Nebel.

Alles lief nach Plan bis plötzlich die Außenmauer wegbrach. Wie es mit dem vorderen Teil des Gebäudes, wo sich früher der Ausschank befand, weitergehen wird, soll schon in den kommenden Tagen das Kreisbauamt entscheiden. Sollte der Abriss des beschädigten Gebäudeteils drohen, wäre dies ein herber Rückschlag für das Vorhaben Kulturzentrum. Doch Frauke Nebel hat bei allen daraus resultierenden Sorgen den Humor nicht verloren. „Jetzt haben wir einen freien Blick in Richtung Oldenswort, den wollte ich schon immer haben.“

Für die Feuerwehr Tetenbüll und das Technische Hilfswerk Tönning (THW) war es ein gut achtstündiger Einsatz. „Wir haben gemeinsam das Gebäude abgestützt und die Straßensperre eingerichtet“, berichtet Wehrführer Oliver Tetzlaff. Was zu dem Unglück führte, steht noch nicht fest. Diese Wand galt als die stabilste des Hauses, so Frauke Nebel, und sollte zuletzt mit Stahlbeton untermauert werden.

Was nun aus dem geplanten Kulturzentrum wird, steht noch in den Sternen. „Ich hoffe aber sehr, dass wir unser Projekt eines Tages werden umsetzen können“, sagt Frauke Nebel.

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