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Bredstedt : Ein kleines Stück heile Welt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit 2014 geben Ehrenamtliche der Awo-Kleiderstube für wenig Geld gute Kleidung aus. Bis spendeten sie 22.000 Euro für gemeinnützige Einrichtungen.

Die Kleiderstube Bredstedt der Awo ist (wieder) eine Erfolgsgeschichte. Im Februar 2014 hatte das inzwischen zehnköpfige Team – viele haben vorher schon bei der Tafel gearbeitet – die ein knappes halbes Jahr zuvor geschlossene Einrichtung übernommen – und musste praktisch von vorne anfangen. „Wir haben neu tapeziert, gestrichen, neue Regale eingebaut“, sagt die Leiterin Ingelore Petersen nicht ohne Stolz. Hilfe gab es von den Ehepartnern sowie von den Kräften der Neuen Arbeit in Bredstedt. „Wir haben nichts gekauft, alles ist in Eigenleistung hergerichtet.“ Und es hat sich gelohnt. Denn dass die Kleiderstube im Keller des Bürgerhauses unterhalb der Bücherei untergebracht ist, heißt nicht, dass hier auch Rumpelkammerniveau herrscht. Gepflegt, aufgeräumt, gut sortiert, liebevoll dekoriert und freundlich gestaltet kann die Stube es mit jedem anderen Textilgeschäft aufnehmen.

Die Kleiderstube – und das ist weniger bekannt – ist für jeden da, der sich aus dem riesigen Secondhand-Angebot etwas aussuchen möchte. Nicht nur für Bedürftige. Petersen: „Bei uns darf jeder einkaufen – wir haben Ware genug.“ Und das Angebot wird dankend angenommen. Hatte der Awo-Ortsverein im Herbst 2013 beschlossen, nach 30 Jahren die Einrichtung – teils auf Grund des hohen Alters der Freiwilligen, teils auf Grund eines nicht mehr vorhandenen Bedarfs – dicht zu machen, so hat das neue Awo-Team ganz andere Erfahrungen gemacht. Zu den wöchentlichen Öffnungszeiten – donnerstags von 14 bis 18 Uhr – finden sich im Schnitt 60 Käufer – unter ihnen auch Kinder – ein. Viele davon sind Stammkunden. Sie schätzen das gut sortierte Angebot, aber auch die familiäre Atmosphäre. Denn hier gibt es nicht nur Mode, in einer Ecke wartet jedes Mal auch ein gedeckter Tisch mit selbstgebackenem Kuchen, Kaffee, Süßigkeiten – und jede Menge Klönschnack gibt es obendrein.

Angeboten wird in der Kleidestube alles, was man sich nur denken kann: Hosen, Röcke, Shirts, Blusen, Hemden, Bademäntel, Pullis, Nachthemden, Mützen, Schals, Schuhe, Taschen und Schmuck. Auch Sakkos, Blazer, Anzüge, Krawatten und Abendkleider gehören zum Sortiment. „Viele der Kleider wurden nur ein einziges Mal getragen“, sagt Erika Sörensen. Hier abgegeben können sie noch anderen eine Freude bereiten. „Wir haben sogar schon einen Herrn komplett für eine Festivität in Hamburg ausgestattet.“ Bettwäsche ist zu finden, ebenso auch Unterwäsche. „Letzteres wollten wir zunächst nicht mit anbieten, aber die Nachfrage war sehr groß – und sie ist es bis heute“, staunt Ingelore Petersen. Mit den Jahren haben die Frauen kleine Tricks gelernt. „Wir packen immer nicht zuviele Artikel aufeinander. Wenn Stapel zu hoch werden, gucken die Leute nicht mehr.“

Die Preisspanne für die einzelnen Artikel bewegt sich von 50 Cent bis fünf Euro (für diese Summe bekommt man beispielsweise einen Anzug). Petersen: „Jeder Cent, den wir einnehmen, wird an gemeinnützige Organisationen gespendet.“ Im Eingangsbereich hängt hinter Glas ein Plakat mit allen Empfängern und allen Zahlen. Waren es 2014 zunächst noch kleine, dreistellige Summen, so sind sie mittlerweile vierstellig. Im Laufe der vergangenen drei Jahre kamen stolze 21.775 Euro zusammen. „Und das alles nur aus kleinen Beträgen“, freut sich die Leiterin. Das Geld ging unter anderem an die Tafel, das Hospiz, Essen in Gemeinschaft, Jugendzentren, die Familienhilfe, Hempels, Praxis ohne Grenzen und örtliche Vereine. In diesem Jahr werden voraussichtlich noch einmal 3.000 Euro dazukommen.

In zwei Nebenräumen wird die Kleidung vorsortiert, denn nicht alles ist auch zu gebrauchen. Gute, tragbare Mode kommt in den Verkaufsraum, Doppeltes oder Textilien, die im Überfluss vorhanden sind, werden für andere Awo-Organisationen verpackt.

Säckeweise gespendet wird häufig, wenn es in der Familie einen Todesfall gegeben hat und der Haushalt aufgelöst wird. Immer wieder kommt es vor, dass auch große Tüten außerhalb der Öffnungszeiten einfach abgestellt werden. „Das liegt meistens daran, dass die Hemmschwelle bei einigen Menschen zu groß ist“, sagt Ingelore Petersen. „Sie wollen die Anonymität.“ Dennoch wünscht sie sich von den Spendern, dass diese die Waren direkt abgeben – und nach Möglichkeit vorsortiert. Das heißt Unbrauchbares gleich wegzuwerfen.

Wer die Kleiderstube und ihre guten Seelen kennenlernen möchte, hat am Sonntag (21.) von 10 bis 16 Uhr Gelegenheit. Dann heißt es im Bürgerhaus (Theodor-Storm-Straße) „Einkaufen für Jedermann“. Bei einer Tasse Kaffee lässt es sich zudem nett plaudern. Ingelore Petersen: „Hier bei uns ist immer eine gute Stimmung.“

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erstellt am 18.Mai.2017 | 12:00 Uhr

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