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Leuchtturm Westerhever : Ein kleiner Hügel wird zum Politikum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gemeinde Westerhever ringt mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz um den Erhalt eines Erdhügels im Deichvorland. Doch es ist nicht irgendein Hügel. Manche sehen ihn als Kulturgut.

Westerhever | Die einen wollen ihn abtragen und neue Salzwiesen schaffen. Die anderen möchten ihn unbedingt erhalten wissen – mit Blick auf den Küstenschutz und aus kulturhistorischen Gründen: Der Schafberg, eine kleine Erhebung in Sichtweite des berühmten Leuchtturms von Westerhever, ist zum Politikum geworden. Die Gemeinde streitet sich darüber mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Vorläufiger Höhepunkt: Die Husumer Behörde muss das Planverfahren in Teilen neu aufnehmen.

Denn sie hatte es versäumt, die Gemeinde Westerhever einzubeziehen. Schafberg und Leuchtturm-Gelände stellen einen Sonderfall dar, weil sie auf Grund historischer Verträge zur Kommune gehören. Dietmar Wienholdt, der Vorgesetzte Beamte des LKN aus dem Kieler Umweltministerium, hat jetzt einen „Verfahrensmangel“ im Umweltausschuss des Kreises Nordfriesland eingeräumt. Bis zum 10. Februar 2017 erhält die Gemeinde nun Gelegenheit, formal Stellung gegen die Abrisspläne der Küstenschützer für den Schafberg zu beziehen. Und vor der Entscheidung wird es dann auch noch eine Anhörung geben.

Das LKN will den Schafberg abtragen, um Raubtieren diese Plattform zu entziehen. Außerdem möchte die Behörde Teile des Vorlandes vor Westerhever zu vernässen. Dadurch soll ein Ausgleich geschaffen werden für den laufenden Deichbau am Damm nach Nordstrand nördlich von Husum. Werde – wie am Nordstrander Damm – eine Salzwiese im Interesse des Küstenschutzes überbaut, so Wienholdt, müsse sie andernorts wiederhergestellt oder durch andere Naturflächen ausgeglichen werden. Es sei das gleiche Prinzip wie beim Bau einer Straße.

Die Gemeinde ist strikt gegen jegliche Veränderung im Vorland. Bürgermeister Olaf Dirks teilt die Auffassung nicht, dass ein nach der Vernässung noch verbleibender Streifen von 200 Metern Vorland – zumal ohne den Schafberg – ausreichen würde. Der Erhebung sprechen die Menschen von Westerhever eine Wellenbrecher-Funktion zu. „Wir kriegen das voll ab“, sagte Dirks mit Blick auf die exponierte Lage Westerhevers und die dort auftreffenden Sturmfluten. Zudem geht es der Gemeinde nach seinen Worten beim Schafberg auch um ein „Kulturgut“. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr von einem Schäfer bewirtschaftet, sei die Erhebung doch ein „Zeitzeuge“. Die Gemeinde bemühe sich bereits seit Jahren darum, dass er unter Schutz gestellt wird.

Wienholdt nennt es „eine Mär“, dass durch die Pläne des LKN der Schutz der Küste im Nordwesten der Halbinsel Eiderstedt leiden würde. Der Schafberg liege 900 Meter und damit viel zu weit vom Deich entfernt als dass er als Wellenbrecher fungieren könne. Wirksames Vorland sei 200 Meter breit, verwies er auf langjährige Untersuchungen. Wienholdt: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir irgendwelche Risiken eingehen – das ist definitiv nicht der Fall.“

Wie es weitergeht, muss das weitere Verfahren zeigen und vielleicht sogar ein Gericht entscheiden. Sollte die Erhebung abgetragen werden, kämen dadurch rund 25.000 Kubikmeter Bodenaushub zusammen. Der soll laut Wienholdt vorwiegend dazu dienen, die Leuchtturm-Warft zu verstärken, weil diese den Anforderungen nicht mehr standhalte.

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erstellt am 12.Dez.2016 | 06:00 Uhr

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